Betont nüchtern reagierte der Energiekonzern Vattenfall auf den Ausgang des Berliner Volksentscheids. Dabei dürfte sich doch etwas Erleichterung in der Firmenzentrale in Treptow über das Scheitern des Referendums breit gemacht haben. Schließlich wäre ein klares Ja für die Rekommunalisierung des Stromnetzes für den derzeitigen Betreiber ein Schlag gewesen. „Es gibt hier keine Wahlparty“, beschreibt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann die Situation am Sonntagabend in dem Gebäude in der Puschkinallee.

Als das Ergebnis kurz vor 20 Uhr feststand, sei auch kein Jubel ausgebrochen. „Denn die Frage, wer die Stromnetzkonzession für Berlin bekommt, ist noch nicht entschieden. Darauf konzentrieren wir uns jetzt.“ Vor zwei Jahren begann das Verfahren um die Neuvergabe der Konzession, die Ende 2014 ausläuft. Der bisherige Konzessionsinhaber Vattenfall konkurriert bei der Neuausschreibung mit dem Land Berlin, das ein Stadtwerk plant, und anderen Mitbewerbern.
Die deutsche Hauptstadt ist neben Hamburg die zweite Metropole, in der der schwedische Staatskonzern hierzulande tätig ist. Die Hansestadt ist für Vattenfall verloren: Vor sechs Wochen haben knapp 51 Prozent der Hamburger bei einem Volksentscheid dafür votiert, das Stromnetz zu rekommunalisieren, das sich derzeit überwiegend in Vattenfall-Hand befindet.

Das Betreiben der Stromnetze in Hamburg und Berlin mache ein Siebtel des Deutschland-Geschäfts aus, sagt Pressesprecher Hönemann. Aber auch wenn das Unternehmen das Berliner Stromnetz verlieren würde, wäre das für Vattenfall kein Grund, seine Geschäfte in Deutschland zu beenden, sagt Hönemann.

Marktanteil in Berlin: 80 Prozent

Das meiste Geld verdient Vattenfall mit Elektrizität, die unter anderem aus zwei Kernkraftwerken kommt. Bundesweit liegt Vattenfalls Marktanteil bei rund fünf Prozent. In Berlin versorgt der Konzern noch immer 80 Prozent der Haushalte mit Strom. Das Stromnetz dort bringe Vattenfall jährlich rund 750 bis 850 Millionen Euro Umsatz ein, sagt der Vattenfall-Sprecher. Darauf erhebe das Land eine Konzessionsabgabe in Höhe von 130 bis 140 Millionen Euro. Am Ende bliebe Vattenfall ein jährlicher Gewinn vor Steuern von 50 bis 55 Millionen Euro.

Pressesprecher Hönemann räumt ein, dass es bundesweit einen Trend zur Rekommunalisierung gibt. Doch dass Vattenfall dafür mitverantwortlich sei, weist er zurück. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, hatte dem Konzern jüngst vorgeworfen, die Energiewende in Deutschland nicht genügend ernsthaft voranzutreiben. Das ist ein Argument für Kommunen und Initiativen, die ihre Energieversorgung übernehmen wollen. „Es wird immer argumentiert, wir hielten zu sehr an der Braunkohle fest“, sagte Hönemann. „Dass die Versorgung ohne Braunkohle bislang aber noch nicht gewährleistet werden kann, ist auch eine Realität“. Der Konzern fördert in Brandenburg und Sachsen jährlich 60 Millionen Tonnen Braunkohle aus fünf Tagebauen, das ist ein Drittel der deutschen Produktion.

Der Konzernsprecher verweist darauf, dass Vattenfall auch einer der größten Offshore-Windparkbetreiber der Welt sei und einer der größten Wasserkraftbetreiber Europas: „Diese Tatsachen erwähnen unsere Kritiker aber natürlich nicht“, sagt Hönemann.