Länger warten, später ans Ziel: Der Schienenverkehr in Berlin und Brandenburg ist unpünktlicher geworden. Das geht aus dem jüngsten Qualitätsbericht des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. Der VBB kontrolliert, wie zuverlässig und pünktlich S-Bahnen und Regionalverkehrszüge sind. Die Ergebnisse werden monatlich veröffentlicht – diesmal geht es um Resultate für Mai 2017.

Im Regionalverkehr betrug die Pünktlichkeitsquote 93,5 Prozent. Das ist der bislang schlechteste Wert in diesem Jahr. Im März und April hatten dagegen 95,1 Prozent der Regionalzüge die vereinbarten Messpunkte entweder auf die Minute pünktlich oder höchstens fünf Minuten verspätet erreicht. Rund 108.000 Zugankünfte wurden ausgewertet, davon fanden 7032 mehr als fünf Minuten nach Plan statt.

Für den Ausfall von 27 Fahrten auf den Regionalbahnlinien RB35 und RB63 war das Verkehrsunternehmen verantwortlich – in diesem Fall die Niederbarnimer Eisenbahn. Am Triebwagen, der dort verkehrt, war eine Störung aufgetreten. Ende Mai fielen auf der Linie RB35 erneut Fahrten aus. Weil sich ein Lokführer krank meldete, mussten 18 Züge durch Busse ersetzt werden.

Weiche falsch gestellt

Andere Störungen fielen in die Verantwortung von DB Netz. So dauerten Bauarbeiten zwischen Brück und Bad Belzig länger als geplant, eine falsch gestellte Weiche in Charlottenburg schickte zwei Züge in die Irre. Externe Einflüsse wirkten sich ebenfalls aus – etwa ein Personenunfall sowie ein Notarzteinsatz.

Auch bei der S-Bahn Berlin sank die Pünktlichkeitsquote auf den bislang niedrigsten Stand in diesem Jahr. Im Mai wurden 93,8 Prozent der Zugfahrten als pünktlich gewertet – dazu gehören auch Fahrten mit bis zu vier Minuten Verspätung. Im Vergleich zu April ist das ein Rückgang um 2,9 Prozentpunkte.

Für die meisten Verspätungen und Ausfälle sei die S-Bahn GmbH verantwortlich, stellte der VBB fest. Dazu zählen Fahrzeugstörungen und der Ausfall von Fahrpersonal. Hinzu kommen Störungen im Bereich von DB Netz – etwa Weichenausfälle. Seltener beeinflussten externe Einflüsse wie Wetter oder Personen im Gleis den Betrieb. Jedoch führten sie „oft zu Großstörungen mit massiven Einschränkungen des S-Bahn-Verkehrs“, so der Verbund.

Die Zahl der eingesetzten S-Bahn-Züge ging ebenfalls zurück. Laut VBB waren im Schnitt 528 Viertelzüge verfügbar – die Zwei-Wagen-Verbände sind die kleinste Zugeinheit im S-Bahn-Betrieb. Im April waren es 530. Während der zweiten Mai-Hälfte setzte sich der Abwärtstrend fort. „Die Ursache liegt in der gewachsenen Zahl von S-Bahn-Fahrzeugen, die auf Aufnahme in die Werkstätten warten“, heißt es im Bericht. Der Verbund spricht von einem „vorübergehend erhöhten Aufkommen regulärer Instandhaltungsmaßnahmen, deren Abarbeitung durch die S-Bahn Berlin GmbH nicht optimal ausgesteuert wurde“.

Dem Vernehmen nach geht es um den Radsatztausch, der nun bei allen Zügen der Baureihe 481 ansteht. Er war absehbar, weil der Austausch nach einer bestimmten Zahl von Kilometern vorgesehen ist.