Die Einladung zu einem Sommerfest des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller VBKI ist ein Angebot, das ein Regierender Bürgermeister nicht ablehnen kann. Auch Amtsinhaber Klaus Wowereit zögerte diesmal nur kurz. Und nutzte dann seine kleine Ansprache beim Sommerfest der Wirtschaft am Sonnabend um 19.30 Uhr im Garten des Schlosshotels im Grunewald für eine Mahnung in Richtung von VBKI-Präsident Markus Voigt: „Ich bitte darum, bei zukünftigen Sommerfesten den Terminplan von Hertha zu berücksichtigen!“ Das gehe ja nun wirklich nicht, dass er und andere Hertha-Anhänger unter den Festgästen ein Hertha-Heimspiel im gerade mal fünf Kilometer entfernten Olympiastadion verpassen. Auf so kurze Distanz kann man ja fast noch den Torjubel hören (die Hertha gewann dann auch prompt mit 1:0 gegen den HSV). Das war dann besonders grausam für die Festgäste.

"Heute keine Scherze über den Flughafen"

Im Weiteren verzichtete Wowereit aber auf Humor. Nachdem er im vorigen Jahr für flapsig-ironische Bemerkungen beim VBKI-Sommerfest zur mehrfachen Verschiebung der Flughafeneröffnung tagelang von der Presse gegrillt wurde, verordnete sich Wowereit diesmal eine Selbstbeschränkung: „Heute keine Scherze über den Flughafen, überhaupt kein Scherz.“ Er habe die Feststellung machen müssen, dass Ironie einfach nie funktioniere. Sicherheitshalber stand aber auch Bernhard Schodrowski, der stellvertretende Sprecher des Senats, neben dem Chef und schien immer bereit, funktionsuntüchtige Ironie in die Werkstatt zurückzurufen.

Modedesignerin Nanna Kuckuck, selbst in einem ihrer farbenfrohen Kleider erschienen, ließ den Blick über die weiblichen Festgäste streifen und diagnostizierte: „So manche hier könnte neue Kleider gut gebrauchen.“ Sie lobte aber auch: „Man sieht hier schon mehr Farbe als früher und viel mehr als auf dem VBKI-Ball.“ Neben Gästen wie Modedesignerin Anna von Griesheim und Schauspielerin Rina Ruland sowie der aktuellen Senatorin Dilek Kolat zog das Sommerfest eine Reihe früherer Senatsmitglieder an. Da sprach Wolfgang Nagel (Bausenator der ersten Hälfte der Neunziger) seinen damals für das Ressort Bildung zuständigen Kollegen Jürgen Klemann im Gedränge an: „Wir sehen uns in letzter Zeit so selten.“ Und bekam zur Antwort: „Ich bin viel auf dem Golfplatz.“