Neue Zahlen: 16 Straßenbahnlinien in Berlin sind langsamer geworden

Immer wieder wird versprochen, den Nahverkehr bei der BVG zu beschleunigen. Stattdessen sind Fahrgäste auf vielen Routen länger unterwegs. Das ist die Liste.

Sie verteidigte ihren Platz als langsamste Straßenbahnlinie Berlins. Die M10 verbindet die Warschauer Straße mit dem Hauptbahnhof. Hier ein Zug vor der Kulisse der Oberbaumbrücke.
Sie verteidigte ihren Platz als langsamste Straßenbahnlinie Berlins. Die M10 verbindet die Warschauer Straße mit dem Hauptbahnhof. Hier ein Zug vor der Kulisse der Oberbaumbrücke.Wolfgang Kumm/dpa

Berliner Tempo ist anders. Auf 16 der 22 Straßenbahnlinien ist die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit seit 2020 gesunken. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Linke-Verkehrspolitikers Kristian Ronneburg hervor. Dies bedeutet, dass die Fahrgäste auf den meisten Tramstrecken mehr Lebenszeit investieren müssen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wiederum müssen höhere Kosten tragen, weil sie mehr Straßenbahnen und mehr Fahrpersonal benötigen. Bis 2025 plant das Landesunternehmen deshalb einen Mehraufwand von fünf Millionen Euro ein.

„Auch bei der Straßenbahn müssen wir feststellen, dass echte Erfolgsmeldungen bei der Beschleunigung des Berliner Nahverkehrs ausbleiben“, stellte der Abgeordnete fest. Nach den Zahlen, die ihm der Senat für die Jahre 2020, 2021 und 2022 lieferte, hat sich auf fast drei Viertel der tagsüber betriebenen Linien die Ist-Geschwindigkeit verringert.

Dazu zählen die Linien M1, M2, M4, M8, M10, M13 und M17. Auch die 12, 18, 21, 50, 61, 62 sowie 67 waren im vergangenen Jahr langsamer als zwei Jahre bevor. Zwei Strecken im Südosten Berlins waren besonders stark betroffen. Auf der Linie 60 zwischen Johannisthal und Friedrichshagen sank das Durchschnittstempo von 19,1 auf 17,9 Kilometer pro Stunde. Auf der Linie 68, die von Köpenick nach Schmöckwitz verläuft, ging es sogar von 21,3 auf 19,3 Kilometer in der Stunde zurück.

Die schnellste Straßenbahnlinie Berlins führt nach Hellersdorf

Auf der M6, die zwischen Mitte und Hellersdorf verläuft, blieb die Geschwindigkeit mit 19,4 Kilometern pro Stunde gleich. Auf fünf Routen nahm das Tempo zu – meist aber nur so leicht, dass der Zuwachs noch im Bereich der statistischen Toleranz liegen könnte. So stieg die durchschnittliche Geschwindigkeit auf der M5, einer weiteren langen Linie zwischen Mitte und dem Nordosten Berlins, gerade mal von 16,8 auf 16,9 Kilometer pro Stunde. Die anderen Routen waren die Linien 16, 27, 37 und 63.

Weiterhin gilt die Linie M10, die regulär den Hauptbahnhof in Mitte mit der Warschauer Straße in Friedrichshain verbindet, als die langsamste Tramlinie. Dort sank die Geschwindigkeit von 15 auf 14,7 Kilometer pro Stunde. Die Linie 18 zwischen Hellersdorf und Friedrichshain konnte ihren Spitzenplatz als schnellste Strecke halten. Aber auch sie wurde langsamer: von 21,7 auf 21,6 Kilometer.

Einige Vorrangschaltungen beim Bus sind seit 2006 außer Betrieb

„Es gibt grundsätzlich für alle Straßenbahnlinien Vorrangschaltungen an nahezu allen Lichtsignalanlagen“, erklärte Verkehrs-Staatssekretärin Meike Niedbal (Grüne). Doch Kenner des Berliner Nahverkehrs wissen, dass diese Technik vielerorts ausgeschaltet ist, zum Beispiel etwa wegen Bauarbeiten, Lieferengpässen oder weil Änderungen wegen knapper Planungskapazitäten bisher nicht umgesetzt werden konnten.

Das gilt auch für den BVG-Busverkehr. „Es gibt Vorrangschaltungen, die sind seit 2006 außer Betrieb“, sagte ein Insider. Wie viele Ampeln bei der Straßenbahn derzeit betroffen sind, konnte Niedbal nicht mitteilen. Alle Parteien haben sich die Beschleunigung des Nahverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Doch die Durchschnittsgeschwindigkeit für das gesamte Berliner Tramnetz bewegte sich in den vergangenen fünf Jahren zwischen 17,5 und 17,7 Kilometer pro Stunde – ohne Trend nach oben.

„Wir müssen besser und konsequenter werden“, forderte Kristian Ronneburg. Nachdem die Markierung neuer Busspuren nach einem Gerichtsurteil zum Erliegen gekommen ist, sei nun auch die Tram betroffen. „Diesen Luxus können wir uns nicht erlauben“, so der Abgeordnete. „Wir müssen die Probleme im Oberflächenverkehr für Straßenbahn und Bus endlich in den Griff bekommen.“