Frau Just, mittlerweile ist die vegane Lebensart eine große Bewegung geworden. Worin sehen Sie den Grund dafür?

Ich glaube der Hauptgrund sind die ganzen Lebensmittelskandale, die wir in den letzten Jahren hatten. Dadurch sind die Verbraucher deutlich hellhöriger geworden. Der Lebensmittelindustrie wird nicht mehr einfach vertraut und kaum einer denkt noch, die wissen schon, was gut für mich ist. Dazu kommt aber auch, dass es uns allen in Deutschland relativ gut geht und wir auch die Zeit haben, uns mit unserer Ernährung zu beschäftigen und damit, wo die Lebensmittel eigentlich herkommen. Ich glaube viele Menschen setzen das auch gleich mit einer neuen Lebensqualität.

Handelt es sich dabei denn nicht nur um eine Modeerscheinung?

Im Moment ist es natürlich ein großer Hype. Aber ich glaube wenn dieser Hype mal abgeflacht ist, wird das Thema immer noch da sein. In den 80er Jahren ist vegetarische Ernährung groß geworden. Heute ist vegetarisch zu essen absolut normal. Man wird nicht mehr als Körnerfresser oder Biolatschenträger angesehen, sondern es ist normal und in jedem Restaurant erhältlich. Das wird mit vegan auch passieren.

In Ihrem neuen Buch geht es nun vor allem um sogenannte Superfoods. Was verbirgt sich dahinter?

Das sind Lebensmittel, die von Natur aus wahnsinnig viele Nährstoffe und Vitamine enthalten und einem so sehr viel Energie geben. Wichtig ist, dass es natürliche Produkte sind, die wenig verarbeitet wurden und aus denen der Körper alles ziehen kann.

Warum haben Sie dazu ein Kochbuch verfasst?

Ich habe in den Medien in den letzten Jahren verfolgt, dass Superfoods ein großes Thema sind. Viele Leute setzen Superfoods aber gleich mit exotischen Pülverchen aus Südamerika wie Maca oder Chia-Samen. Die sind meist sehr teuer und haben auch einen langen Transportweg hinter sich. Dabei ist das gar nicht nötig. Seit letztem Jahr baue ich selber Gemüse an und habe dabei festgestellt, dass es so viele Superfoods gibt, die auch bei uns im Garten wachsen.

Das wäre zum Beispiel?

Alle Kohlsorten zum Beispiel. Die enthalten wahnsinnig viel Vitamin C. Natürlich kannte die schon meine Oma – wenn auch nicht unter dem Namen Superfood. Im Grunde geht es aber einfach vor allem um frisches, unverarbeitetes Gemüse aus der Region und am besten saisonal. Frisch zubereitet sind all diese Gemüse sehr gesund und können unseren Speiseplan wirklich aufwerten.

Weißkohl und Wirsing habe ich schon gerne gegessen, bevor ich den Begriff „Superfood“ kannte. Wieso braucht es auf einmal dieses Label dafür?

Das ist ein Begriff, den viele Menschen kennen und der erst einmal anspricht, weil viele den Wunsch haben, sich besser und gesünder zu ernähren.

Zurzeit gibt es einen großen Trend hin zu gesundem Leben und körperlicher Selbstoptimierung. Ist es nicht bedenklich, dass sich die Leute übermäßig auf sich selbst und ihre Ernährung konzentrieren?

Nein. Im Gegenteil finde ich es gut, dass wir uns wieder mehr mit unserer Ernährung beschäftigen. Das haben wir in den letzten Jahren alle ein bisschen vergessen. Wir haben uns auf anderen Gebieten selbst optimiert. Wollten schneller sein und mehr leisten können. Doch das bringt alles Stress mit sich. Daher finde ich es gut, dass die Menschen unter dem Aspekt „Wie kann ich meinen Speiseplan optimieren?“ wieder anfangen, frisch und selbst zu kochen.

Bei Superfoods wird stets betont, wie gesund und leistungssteigernd sie sind. Gerät der Genuss dadurch nicht in den Hintergrund?

Das glaube ich nicht. Ich denke, dass die Menschen, wenn sie mein Buch lesen, wieder erkennen, dass die guten Sachen wirklich nah liegen. Uns ist allen nicht mehr bewusst, dass wir, um gesund zu leben, auf Dinge zurück greifen können, die seit jeher überall in Deutschland wachsen und die nicht mit dem Flugzeug von weit her kommen müssen.

In manchen Ihrer Rezepten müssen die Zutaten über viele Stunden fermentiert werden. Das klingt ganz schön zeitaufwendig.

Wenn man sich vorher nur von Fast Food ernährt hat, wird man so auf jeden Fall mehr Zeit in der Küche verbringen. Aber ich stehe an einem normalen Tag wirklich maximal eine dreiviertel Stunde zum Kochen in der Küche. Wichtig, wenn man frisch kocht, ist einfach eine gute Vorbereitung.