Vegetarischer Metzger in Berlin-Kreuzberg: Diese Kreuzberger Fleischer schlachten nichts

Berlin - Es riecht nach Hähnchengeschnetzeltem, Frikadelle und Curry-Wurst. Hartgesottene Vegetarier würden bei dem Geruch wohl die Nase rümpfen. ln der Auslage des Ladens „Der vegetarische Metzger“ in der Kreuzberger Bergmannstraße liegen auch verschiedene Wurstsorten. Doch was aussieht und riecht wie Fleisch sind vegetarische und vegane Alternativen aus Soja und Lupine.

Geschlachtet wird hier nichts

David Meyer, Florian Tenfelde und Martin Koltermann sind die Chefs der vegetarischen Metzgerei, die vor einigen Tagen eröffnet hat. Ein weiterer Laden, der Berlins Vegetarier beglücken will – und offenbar schon Freunde hat. „Gut, dass ihr jetzt da seid!“, ruft ein Radler, der am Laden vorbeifährt.

Geschlachtet wird hier nicht, auch kein echtes Fleisch zerlegt. Es ist ein Laden mit Imbiss für fleischlose Produkte. Mit ihrem Namen wollen die drei Berliner ein bisschen provozieren. „Für Fleischesser ist es oftmals unverständlich, dass auch Vegetarier den Geschmack von Fleisch lieben, aber eben nicht unbedingt ein totes Tier essen wollen,“ sagt Florian Tenfelde.

Die alternativen Metzger werben um diese Kunden. Um Vegetarier, die aus ethischen Gründen aufs Fleisch verzichten, aber den Geschmack von Fleisch mögen. Außerdem gibt es immer mehr „Flexitarier“ – Menschen, die nicht ausschließlich vegetarisch leben, aber immer öfter zu Ersatzprodukten greifen. Hartgesottene Vegetarier seien seltener Kunden, heißt es. Diese seien eher skeptisch.

Die vegetarische Metzgerei ist nicht das erste Geschäft dieser Art. Auch bei L’herbivore in Friedrichshain bekommt man vegane Burger und Hackbällchen. Doch die Seitanmanufaktur, deren Namen „Pflanzenfresser“ heißt, wirbt für eine vegane Nahrung und nicht mit Waren, die möglichst fleischähnlich seien.

Vegetarische Currywurst

Die „vegetarischen Metzger“ wollen dagegen dem Fleischgeschmack so nah wie möglich kommen. Doch nur mit reinen Industrieprodukten – ohne tierische Inhaltsstoffe. „Bei einem Wettbewerb um das beste Fleischbällchen haben unsere Produkte mal den dritten Platz gemacht,“ sagt Florian Tenfelde, inkognito zwischen echten Fleischern versteht sich.

Die Produkte stammen von der holländischen Firma „The Vegetarian Butcher“. Die vegetarische Metzgerei vertreibt den Fleischersatz exklusiv in Deutschland. 3.000 Verkaufsstellen in 13 Ländern gibt es bereits, von der Schweiz bis Südkorea.

Das Angebot reicht von typisch niederländischen Ragout-Krokettenbällchen über Curry-Wurst, Schawarma bis hin zu Thunfisch. „Ein Steak, das fehlt noch,“ sagt David Meyer, „aber das ist von der Konsistenz her schwierig herzustellen.“ Er selbst ist erst seit einem Jahr Vegetarier, seit es seine Produkte gibt.

Die Chefs der vegetarischen Metzgerei springen damit auf einen Hype an, der sich schon länger in Berlin hält. Der vegetarische Markt boomt. Allein zwischen 2010 und 2015 hat sich der Umsatz von vegetarischen und veganen Lebensmitteln mehr als verdoppelt, nach Angaben des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) auf 454 Millionen Euro.

Lokal in Friedrichshain geplant

In fast jedem Supermarkt findet man mittlerweile veganes und vegetarisches Fleisch in den Regalen. Mit der Kette „Veganz“ gibt es in der Hauptstadt außerdem drei Supermärkte, die allein vegane Produkte anbieten. Das Unternehmen gründete sich ebenfalls in Berlin und hat mittlerweile unter anderem Filialen in Prag, Wien und Leipzig.

Auch die vegetarischen Metzger in Kreuzberg haben bereits weitere Pläne. Ein eigener Online-Shop soll kommen, außerdem werden die Produkte bald auch in Berliner Supermarktregalen zu finden sein. Ende Oktober eröffnen sie ein Restaurant in Friedrichshain. Dort sollen Fair-Trade-Produkte verkauft werden sowie die Speisen aus der Metzgerei: zartes, saftiges Hähnchen, Würstchen in luftigen Blätterteigtaschen oder eine herzhafte Curry-Wurst – garantiert fleischlos natürlich.