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Tierisch was los war am Sonnabend in Berlin-Mitte. Etwa hundert Schweine, Kühe und Kaninchen - genauer gesagt Menschen, die sich kostümiert hatten - zogen an diesem Tag lauthals protestierend vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz. Insgesamt rund 300 Vegetarier und Veganer machten im Rahmen der zweiten Veggie-Parade unter dem Motto „Eat Peace“ auf die negativen Folgen des Konsums von Tierprodukten aufmerksam.

„Ich finde es wichtig, auf eine nachhaltige Ernährungsweise hinzuweisen“, sagte Demonstrantin Christine Teske, „doch leider haben einige Leute recht aggressiv auf uns reagiert, wenn wir ihnen einen Flyer geben wollten - weil sie denken, dass wir ihnen etwas verbieten wollen.“ Die 43-Jährige hoffte dennoch, einige Menschen aufgerüttelt zu haben, damit sich ihre Fahrt von Chemnitz extra zur Demo nach Berlin auch gelohnt hat.

Mit einer Performance am Brandenburger Tor stellten die Demonstranten die Macht der Verbraucher dar: Verkleidet in Maleranzügen und mit Masken legten sie sich um einen großen, auf Stoff gemalten Teller und stellten sich mehrere Minuten lang tot. Dabei wurde die 1961 veröffentlichte Tonaufnahme von Klaus Kinski der Dichtung „Ich weiß ja wie man einen Sklaven macht, aus einem jungen Ochsen“ abgespielt. Hunderte Zuschauer verfolgten das Schauspiel fasziniert und viele Touristen ließen sich mit den Demonstranten im Hintergrund fotografieren.

Während der Parade riefen die Teilnehmer immer wieder „Fleisch ist Mord“ und „Pro vegan“ und wurden dabei vom „Grunzmobil“ begleitet, einem Fahrzeug, an dem ein überdimensionales Schwein aus Pappmaschee angebracht war. Auf den Plakaten stand „Schlachten ist kein Tierschutz“, „Ehrfurcht vor dem Leben“ oder „Fleisch + Milch = Klimakiller.“

Eine Frau trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Animals are friends - I don't eat friends“ (Tiere sind Freunde - ich esse keine Freunde). Am Ende wurden die Demonstranten am Alexanderplatz von dem veganen Supermarkt „Veganz“ mit Soja-Schnitzeln und Tofu-Burger bewirtet.

„Abgesehen vom Tierschutz wollen wir, dass sich jeder überlegt, welche Auswirkungen seine Ernährungsweise auf seine Gesundheit und die Umwelt haben“, sagte Mitorganisatorin der Veggie-Parade Elisabeth Burrer vom Vegetarierbund. Denn die weltweite Nutztierhaltung produziere mehr klimaschädliche Gase als der gesamte Verkehrssektor, so die 24-Jährige.

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Auch viele Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme oder Krebs seien Folgen eines zu hohen Fleischkonsums. Die Friedrichshainerin ist seit drei Jahren überzeugte Veganerin. „Ich fühle mich dadurch fitter und konzentrierter“, sagte sie. Anfängern rät Elisabeth Burrer, zunächst mit einem vegetarischen Tag pro Woche zu beginnen und dann Stück für Stück auf Fleisch zu verzichten.

In Berlin sei es relativ leicht, die Ernährung umzustellen, da es für Vegetarier viele Einkaufsmöglichkeiten gebe. Zuhause selbst vegan zu kochen sei einfacher, als viele denken, beteuert Sven E., der sich an diesem Tag als Kuh verkleidet hatte. Nudeln mit Blumenkohl sind sein veganes Lieblingsgericht.

„Den klein geschnittenen Blumenkohl kann man nämlich genau wie Gehacktes zusammen mit Zwiebeln in der Pfanne anbraten und dann in eine Soße geben“, erklärt der 24-jährige Student der Medieninformatik. „Ein super Fleischersatz." Er habe sich vor sechs Jahren vom Fleischessen abgewandt, nachdem er beobachtet habe, wie brutal Speisefische umgebracht werden.

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Ein ähnliches Schockerlebnis brachte auch Annika Weimbs aus Berlin-Steglitz zum Vegetarismus. Nachdem sie in der Schule einen Film über die Massentierhaltung und Schlachtung von Schweinen gesehen hatte, habe sie einfach kein Fleisch mehr essen können, erzählt die 22-Jährige. Doch ihre Familie hat dafür bis heute kein Verständnis.

Sie ist in einer Bauernfamilie in der Eiffel aufgewachsen und die Schlachtung des Viehs ist dort Alltag. „Meine Oma hat mir sogar mehrmals heimlich Fleisch unter das Essen geschmuggelt,“ erinnert  sich Annika Weimbs, „weil sie dachte, dass ich sonst verhungern würde.“

Veranstalter der Veggie-Parade waren das Tierschutzbündnis Berlin Vegan, der Vegetarierbund Deutschland (VEBU), die Albert Schweitzer Stiftung (ASS), PETA, die Stiftung Vier Pfoten und die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V..

www.veggie-parade.de