Die Hauptstadt möchte ganz vorn mitradeln. Als erste Stadt in Deutschland will Berlin neuartige geschützte Radstreifen anlegen. Poller sollen die Radlerspuren vom übrigen Verkehr trennen, damit dort kein Auto fahren, halten oder parken kann. Doch das Konzept für sicherere Radwege stößt auf Kritik bei einer Institution, die wichtig ist für die Sicherheit und diese Verantwortung sehr ernst nimmt – bei der Berliner Feuerwehr. Was der Senat und einige Bezirke planen, sei „problematisch“, sagte Sprecher Thomas Kirstein. Die Absperrpfosten könnten Einsätze bei Feuer behindern.

Die Velolobby ist sich einig: Radstreifen sind eine Möglichkeit, den Verkehr sicherer zu gestalten. Doch es reiche nicht aus, Markierungen auf den Asphalt zu pinseln. Denn weiße Striche könnten nicht verhindern, dass Kraftfahrzeuge die Bereiche okkupieren. Und dann kann es für Radfahrer gefährlich werden.

Grüner Teppich für Zweiräder

Die Hindernisse zwingen sie dazu, links in den Autoverkehr auszuweichen. Außerdem müssen Radler aufpassen, ob nicht neben ihnen plötzlich eine Autotür geöffnet wird. Kein Wunder, dass sich viele Menschen auf konventionellen Radstreifen unsicher fühlen – und andere gleich aufs Radfahren verzichten.

So denken Planer weltweit darüber nach, wie Radstreifen echte Sicherheitszonen werden könnten. Ihre Antwort: Separierung mit Hilfe von Barrieren. In Kopenhagen, London und anderswo gibt es bereits Beispiele. Mal sind es Bordsteine, Schwellen oder Blumenkübel, die Rad- und Autoverkehr trennen. Woanders dienen Parkstreifen als Abschirmung – wobei dort aber wieder die Gefahr besteht, gegen eine Autotür zu prallen. Solche Radwege gibt es in Berlin schon seit Längerem, entlang der Straße des 17. Juni.

2018 soll südöstlich davon die erste Berliner „Protected Bike Lane“ neuen Typs entstehen. Auf der Südseite der Hasenheide, zwischen dem Südstern in Kreuzberg und der Wissmannstraße in Neukölln, ist eine zwei Meter breite grüne Markierung geplant. Rund 90 Zentimeter hohe Kunststoffpoller, rot und weiß geringelt, sollen als Trennelemente dienen. Die Pfeiler stehen auf weiß schraffierten Pufferzonen. „Auch die Frankfurter Allee in Friedrichshain steht auf der Prioritätenliste des Senats“, sagte Nikolas Linck, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Wie berichtet soll zwischen der Niederbarnimstraße und dem U-Bahnhof Frankfurter Allee aus einer Autospur stadtauswärts ein geschützter Radstreifen werden. Weitere Pläne dieser Art gibt es auf Bezirksebene – etwa für den Kottbusser und Tempelhofer Damm. In der Karl-Marx-Straße in Neukölln sollen zwischen Weichselstraße und Hermannplatz 2,25 Meter breite Radstreifen entstehen, teils gesäumt von Trennelementen. „2021 soll die Straße umgebaut sein“, so Linck.

„Die Befürchtungen können wir momentan nicht nachvollziehen"

Doch die Feuerwehr hat Bedenken gegen die Hindernisse. Die Poller könnten Drehleiterfahrzeuge behindern, sagte Feuerwehrsprecher Kirstein auf Anfrage. Sie versperren Flächen, auf denen die Fahrzeuge aufgestellt werden sollen. Je nachdem, wie weit benachbarte Häuser von der Straße entfernt sind, könne der in der Bauordnung vorgeschriebene zweite Rettungsweg dann nicht mehr gewährleistet werden. „Dies ist bei den Gebäuden, bei denen das Brandschutzkonzept einen zweiten Rettungsweg über Drehleitern vorsieht, als problematisch anzusehen“, warnte der Sprecher.

„Es besteht die Gefahr, dass Einsatzfahrzeuge, beim Überfahren dieser Poller beschädigt werden“ – was dazu führen könnte, dass sich die Drehleiter nicht ausfahren lässt. „Die Befürchtungen können wir momentan nicht nachvollziehen“, entgegnete Nikolas Linck. „Kunststoffpoller werden ja gerade zu dem Zweck hergestellt, dass sie von Kraftfahrzeugen im Notfall überrollt werden können, ohne diese zu beschädigen. Wir sind zuversichtlich, dass sich Poller finden, die der Feuerwehr keine Probleme bereiten.“

Umfangreiche Prüfungen nötig

Die Senatsverwaltung sollte verschiedene Poller prüfen, um solche zu finden, die der Feuerwehr keine Probleme bereiten. Ähnliches habe bereits das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg getan, jedoch um die Unfallgefahr für Radfahrer zu untersuchen. Linck: „Der Bezirk hat ein paar verschiedene Poller bestellt und auf sicherem Terrain getestet.“

Inzwischen sind die Feuerwehr und der Senat zu dem heiklen Thema in Kontakt. „Wir sind in enger Abstimmung mit der Feuerwehr und den Bezirken, damit der Brandschutz der Häuser an geschützten Radstreifen sichergestellt bleibt“, sagte Matthias Tang, Sprecher der Verkehrsverwaltung.

Lückenhafte Pollerketten möglich

Eine Möglichkeit wäre, die Brandschutzkonzepte von allen Gebäuden, die an solchen Radstreifen stehen, einzeln zu prüfen, so Feuerwehr-Sprecher Kirstein. Wo ein zweiter Rettungsweg mit Drehleitern sichergestellt werden muss, wäre auf Poller zu verzichten.

Aufstellflächen von 5,50 Meter Breite und elf Meter Länge müssten von solchen Hindernissen frei gehalten werden, forderte er. Wie der Streit ausgeht, ist ungewiss. Möglich, dass die geplanten Pollerketten lückenhaft ausfallen.