Berlin - Eigentlich müssten unsere Staatsbediensteten besonders sparsam sein, wenn es um die Unterbringung der politischen Repräsentanten und ihrer Mitarbeiter geht. Denn schließlich finanzieren sie ihre Büroarbeitsplätze aus den Steuern, die die Bürger bezahlen. Die geplante Unterbringung des Bundespräsidenten und seiner Mitarbeiter während der anstehenden Sanierung von Schloss Bellevue und des erst 1998 fertiggestellten Verwaltungsgebäudes des Bundespräsidialamtes lässt bisher leider kein gesteigertes Interesse an einer sparsamen Verwendung öffentlicher Gelder erkennen.

So stehen in Berlin rund 121.000 Quadratmeter bundeseigener Büroflächen leer, die nach einer noch durchzuführenden Sanierung genutzt werden könnten, wie jetzt bekannt wurde. Trotzdem ist für den Bundespräsidenten und seine Mitarbeiter ein 137 Millionen Euro teurer Neubau geplant, der während der Sanierung des Schlosses Bellevue und des Bundespräsidialamtes für mehrere Jahre als Zwischenunterkunft dienen soll. Die Botschaft dieser Entscheidung ist klar. Sie lautet: Wir bauen lieber neu, als bestehende Gebäude zu sanieren. Abgesehen davon, dass ein solcher Umgang mit vorhandenen Ressourcen schon in Anbetracht des Klimawandels nicht mehr in unsere Zeit passt: Mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld hat ein solches Verhalten nichts zu tun. Es ist, gelinde gesagt, schwer zu glauben, dass sich unter den 121.000 Quadratmetern bundeseigener Büroflächen in Berlin nicht 3100 Quadratmeter finden lassen, welche nun in dem Neubau als Zwischenunterkunft errichtet werden sollen.

Fünf Jahre sind als Nutzungsdauer der Zwischenunterkunft durch den Bundespräsidenten und seine 220 Mitarbeiter veranschlagt, wofür eine Miete in Höhe von 65 Millionen Euro angesetzt wurde. Wer danach in den Neubau einzieht? Kann jetzt leider noch nicht gesagt werden. Verantwortungsvolles Handeln sieht anders aus.