Grünau, einer von mehreren S-Bahn-Technikstandorten der DB in Berlin.
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Berlin - Was wird aus der S-Bahn? In diese Diskussion hat sich nun auch der Berliner Fahrgastverband IGEB eingeschaltet. Er forderte den Senat am Montag auf, sich für eine Korrektur bei der geplanten Ausschreibung einzusetzen.

Seine Bedenken ähneln der Kritik, die sich die von den Grünen geleitete Senatsverkehrsverwaltung auch vom neuen Brandenburger Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) anhören muss. Beobachter befürchten nun, dass der Beginn des geplanten Vergabeverfahrens weiter in die Ferne rückt.

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Neue S-Bahn-Werkstatt

Das Ziel, die S-Bahn-Flotte ab 2026 zu erweitern und zu verjüngen, ließe sich kaum noch erreichen. Es geht um zwei Drittel des S-Bahn-Netzes. Für die Linien auf der Stadtbahn und im Nordsüd-Tunnel werden mehr als 1300 Wagen benötigt, die in Ländereigentum übergehen sollen. Wer wird sie produzieren, wer hält sie in Schuss? Und wer soll die Züge fahren: wie bisher die S-Bahn Berlin GmbH, Tochter der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) oder private Zugbetreiber?

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Darum geht es in der geplanten Ausschreibung, die ursprünglich Ende des vergangenen Jahres beginnen sollte. Anders als viele S-Bahner und die Gewerkschaft EVG lehnt der Fahrgastverband das Vergabeverfahren nicht grundsätzlich ab. Doch er stößt sich an einer Bedingung, die derzeit auch Berlin und Brandenburg entzweit: Um den Wettbewerb anzuregen und damit die DB nicht damit punkten kann, dass sie in der Region bereits Technikstandorte besitzt, soll es auf jeden Fall eine neue S-Bahn-Werkstatt geben.

„Mindestens 500 Millionen Euro“

„Deshalb wurde über Nacht eine Planung aus der Zeit vor 1990 wiederbelebt“, hieß es. Damals plante die Deutsche Reichsbahn, zwischen dem Karower Kreuz und Mühlenbeck-Mönchmühle für 370 Millionen DDR-Mark eine S-Bahn-Werkstatt zu bauen. Auch der Technik-Standort, der jetzt von Berlin favorisiert wird, soll sich im Nordosten befinden – wie berichtet auf einem landeseigenen Grundstück an der Schönerlinder Straße in Pankow.

Doch zum einen dürften die Kosten viel höher sein, als vom Senat angegeben, kritisierte der Fahrgastverband. Statt mit 30 bis 80 Millionen Euro rechnet man dort mit „mindestens 500 Millionen Euro“. Auch die Verlängerung der in Wartenberg endenden S-Bahn-Strecke, die einen zusätzlichen, wenn auch ebenfalls langen Anfahrtsweg schaffen soll, werde viel kosten – mindestens 300 Millionen Euro.

Unrealistischer Zeitplan

Damit nicht genug: „Die Zeitschiene ist unrealistisch.“ Weder die neue Werkstatt noch die Strecke würden bis 2030 fertig sein.  Es müsse darauf verzichtet werden, den Bau der Werkstatt verbindlich vorzuschreiben – diese Forderung richtet der Verband vor allem an die Adresse des Senats. Sonst drohten jahrelange negative Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr.