Berlin - Bus- und Bahnfahren in Berlin und dem Umland soll preiswerter werden. Das hat der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) am Donnerstag in Berlin gefordert. Kernpunkt des Programms „Mobilität für alle“, das Präsidiumsmitglied Christian Gräff vorstellte, ist die Einführung eines Ein-Euro-Tickets. „Künftig soll es möglich sein, im Tarifgebiet unabhängig von der Streckenlänge für einen Euro von A nach B zu kommen“, hieß es. „Analog wird für Vielfahrer das 365-Euro-Jahresticket angeboten.“ Fahrräder sollten künftig kostenlos mitgenommen werden.

„Je einfacher das Tarifsystem ist, desto besser wird es angenommen“, sagte Gräff, der auch Abgeordneter der CDU ist. So werde Berlin dazu beitragen, Klimaschutzziele zu erreichen, hieß es.

Vorbilder Wien, Bonn und Reutlingen

Derzeit liegen die Tarife im Nahverkehr deutlich höher. Ein Fahrschein für Berlin kostet 2,80 Euro, für eine Jahreskarte für das Stadtgebiet Berlin werden derzeit mindestens 728 Euro verlangt. Noch mehr zahlen Pendler aus dem Berliner Umland. Für 2020 werde mit einer „kräftigen Verteuerung“ gerechnet, nachdem die Tarife 2016 zum vorerst letzten Mal gestiegen waren, hieß es.

In Wien wurde der Preis des Jahrestickets bereits auf 365 Euro gesenkt, in Bonn und Reutlingen, den beiden Modellstädten für Luftreinhaltung, gilt ebenfalls ein solcher Tarif. Bayern plant mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung ebenfalls 365-Euro-Tickets. In Wien stiegen durch die Verbilligung um mehr als 80 Euro zwar die Fahrgastzahlen, allerdings musste auch kräftig ins Nahverkehrsnetz investiert werden.

Mit der Seilbahn oder dem Rufbus nach Hause

Das Mobilitätsprogramm des Verbands umfasst weitere Forderungem. So müsse der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt werden, so Gräff. Vordringlich sei die S-Bahn nach Falkensee und die Schaffung einer weiteren Bahnstrecke zwischen Berlin und Potsdam in Form der Stammbahn. Aber auch das Straßenbahnnetz müsse wachsen, zum Beispiel über Heinersdorf hinaus nach Blankenburg sowie von Johannisthal zum U-Bahnhof Zwickauer Damm.

Am Stadtrand und im Umland müssten "Mobilitätszentren" entstehen, die außer Park-and-Ride-Stellplätzen für Autos auch Umstiegsmöglichkeiten auf andere Verkehrsmittel bieten - etwa auf Mieträder, Elektrotretroller und Carsharing-Fahrzeuge. Sinnvoll während auch "autonome Busse, Taxis und eventuell Seilbahnen". 

Weitere Forderungen: Der Berlkönig, der rufbusähnliche Ridesharing-Fahrdienst der BVG, müsse auch ins Umland fahren. Für die U-Bahn müsse die Einführung eines "geschlossenen Systems" ernsthaft geprüft werden. Dann wäre jede Station mit Sperren auszustatten - was die BVG wegen hoher Kosten und fehlenden Platzes ablehnt. Auch Radschnellwege müssten entstehen - schneller als bisher geplant.

„Besonders die Mobilität ist zu einem zentralen Problem für Grundstücksnutzer und Wohnungseigentümer geworden. Sie sind betroffen von unzureichenden Nahverkehrsangeboten, schlechter Verknüpfung der Verkehrsträger und verstopften Straßen direkt vor ihrer Haustür. Pendlerchaos und weiße Flecken in der Verkehrsinfrastruktur außerhalb der Zentren bedrohen die Lebensplanung vieler Eigenheimer und Wohneigentümer“, sagte Gräff. Das Zehn-Punkte-Programm soll nun Lösungswege aufzeigen.