Solche Einschätzungen hört man nicht oft, wenn es um neue Züge geht. „Wir sind froh darüber, wie gut es läuft“, sagt Siemens-Sprecherin Ellen Schramke. Die Arbeiten für die nächste Fahrzeuggeneration der S-Bahn haben vielversprechend begonnen, und die Beteiligten hoffen, dass es so weitergeht. Noch in diesem Jahr bekommen die künftigen Nutzer einen handfesten Eindruck, wie die Fahrzeuge aussehen. Planer halten es für möglich, dass die ersten Züge schon vor dem bisher geplanten Inbetriebnahmetermin 2020 durch Berlin rollen werden.

Mit ihrer Kollegin Katrin Block von Stadler Pankow ist Ellen Schramke für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Inzwischen sind beim S-Bahn-Projekt die ersten Termine absehbar. Schramke: „Während der Innotrans im September wollen wir ein Modell im Maßstab 1:25 zeigen. Es wird gerade gebaut.“

Fahrpersonal ist skeptisch

Ebenfalls noch in diesem Jahr will das Konsortium ein Mock-up präsentieren. „Voraussichtlich im Dezember“, sagt die Siemens-Sprecherin. Gezeigt wird ein Modell eines Wagens aus Holz und Kunststoff im Maßstab 1:1. Der Nachbau in Lebensgröße soll auch ein Arbeitsmittel sein – für eine Diskussion, die dazu beitragen soll, die Züge weiter zu verbessern. So wird das Modell Behinderten-, Bahnkunden- und anderen Verbänden vorgestellt. Die S-Bahn will Fahrgäste dazu einladen, es zu begutachten. Sie können sich dafür später im Jahr bewerben.

Möglich, dass danach manches noch geändert wird. „Wie wichtig ein Mock-up ist, zeigte sich zum Beispiel beim ICx“, sagt Schramke. Nachdem der Bahn-Vorstand ein Innenraum-Modell begutachtet hatte, verlangte er viele Änderungen für den heutigen ICE 4. Die hohe Sitzplatzdichte, der geringe Platz für Koffer und die engen Einstiegsbereiche waren auf Kritik gestoßen.

Eines steht fest: Was die Gestaltung der neuen Berliner S-Bahn betrifft, ist vieles noch im Fluss. Schon das Modell, das im September gezeigt wird, soll in Details von der im Januar präsentierten Designstudie abweichen, heißt es bei Siemens.

Planern dürfte heiße Debatte bevorstehen

Die Beteiligten setzen ihren Ehrgeiz daran, so bald wie möglich erste Züge zu erproben und in den Betrieb zu bringen. „Es wäre schön, wenn wir während der Innotrans 2018 ein Fahrzeug präsentieren könnten“, heißt es. Nach bisherigen Plänen soll der Einsatz erst Ende 2020 beginnen, auf der S 47 zwischen Hermannstraße und Spindlersfeld. Danach wird der Betrieb auf den Linien S 46, S 8 sowie auf den Ringlinien S 41/S 42 umgestellt.

Gut möglich, dass den Planern aber erst einmal eine heiße Debatte bevorsteht. Beim Fahrpersonal gibt es skeptische Stimmen – etwa dazu, dass der Großteil der Flotte in Form von Vier-Wagen-Verbänden („Halbzügen“) unterwegs sein wird. „Wenn ein Wagen ausfällt, müssen alle vier Wagen ins Werk. Pech für die Fahrgäste“, sagte ein S-Bahner. Weitere Kritik: „Die Klimaanlagen werden potenzielle Störquellen sein.“ Die Züge würden mit Elektronik vollgepackt, was den Verbrauch erhöhe und das Bahnstromnetz belaste.

Andere Themen haben bereits zu Diskussionen geführt. Wie berichtet, zahlt die Deutsche Bahn für die 382 Wagen 900 Millionen Euro. Damit entfallen auf jeden Sitzplatz deutlich höhere Kosten als bei den neuen S-Bahnen für Hamburg und Stuttgart. Zudem ist die Zahl der Sitzplätze relativ gering. Die Bundesländer haben große Mehrzweckabteile für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle bestellt. Verschärfte Crashnormen, die große Knautschzonen erfordern, beschränken den Raum für Sitzplätze zusätzlich.

Weniger Sitzplätze

Heute haben Zwei-Wagen-Einheiten der S-Bahn je nach Bauart 92 bis 100 Sitzplätze – bei der neuen S-Bahn sind es nur 80, davon 20 als Klappsitze. In den Vier-Wagen-Einheiten können 184 Reisende Platz nehmen, davon 40 auf Klappsitzen.

„Unser Projekt wird eine große Aufmerksamkeit genießen“, sagt Ellen Schramke. Und es wirkt sich positiv auf die Berliner Wirtschaft aus: Beim Konsortialführer Stadler, wo die Züge montiert werden, sichert der Auftrag viele Jobs. Siemens in Treptow steuert Teile der Leittechnik bei. Andere Siemens-Standorte liefern zum Beispiel Drehgestelle (Graz) und Antriebe (Nürnberg).

In der Technischen Universität sprechen Beteiligte von Siemens und Stadler am heutigen Montag über den Stand des S-Bahn-Projekts. Die öffentliche Vorlesung im TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, (Raum H 1028) beginnt um 18 Uhr.