Die Warnschilder stehen schon bereit für den Ernstfall.
Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

BerlinAm Mittwoch wurden in der Nähe des südbrandenburgischen Dörfchens Sembten im Landkreis Spree-Neiße die Überreste eines Wildschweins im Wald gefunden. Da jeder Todfund untersucht werden muss, ging eine Probe ins Landeslabor. Dort wurde die Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt. Daraufhin ist ein zweiter Labortest nötig. Der war ebenfalls positiv. „Der Verdacht hat sich leider bestätigt“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin. Nun sei die Krankheit aber auch in Deutschland angekommen. Die Ministerin betonte ausdrücklich, dass bislang nur ein einziger Fall bei einem Wildschwein bekannt sei.

Der Kadaver des toten Schweins wurde wenige Kilometer entfernt von der polnischen Grenze gefunden. Die zweite Untersuchung der Probe des Kadavers erfolgte im Friedrich-Loeffler-Institut, dem nationalen Referenzlabor. 


Grafik: BLZ/Galanty; Quelle:  FRIEDRICH-LOEFFLER-INSTITUT, BMEL, FLI, Griechenland: 1/0, Moldawien 1/30 (Stand 8.9.), AFP

Thomas Mettenleiter, der Präsident des Instituts, sagte bei der Pressekonferenz mit der Ministerin: „Drei Proben sind bei uns angekommen, alle drei waren eindeutig positiv. Es muss nun geschaut werden, ob das ein Einzelfall ist oder ob sich die Krankheit bereits ausgebreitet hat.“ Dazu wird nun rings um den Fundort massiv nach toten Wildschweinen gesucht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich bereits andere Wildschweine an dem toten Tier infiziert haben. „Der Kadaver war schon sehr stark in Verwesung übergegangen und lag wohl schon sehr lange dort“, sagte Mettenleiter.

Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte: „Leider ist das eingetreten, was wir befürchtet haben.“ In einem Radius von 15 Kilometern um den Fundort werde nun ein vorläufiges Gefahrengebiet eingerichtet. Dort gibt es etwa 20 Schweinehalter, darunter auch ein Betrieb mit etwa 5000 Tieren. Es betrifft Teile der Kreise Spree-Neiße und Oder-Spree und reicht bis Polen. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Nonnemacher. Nun sei wichtig, das Ausmaß festzustellen und einzugrenzen, damit die Seuche auf ein möglichst kleines Gebiet begrenzt bleibe. Vor Ort wurden die Maisernte und die Jagd verboten, damit Wildschweine, die möglicherweise infiziert sind, nicht aufgescheucht werden. Die Kernzone mit einem mit Drei-Kilometer-Radius um die Fundstelle soll eingezäunt werden.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sicherte möglichen betroffenen Bauern die Hilfe des Landes zu, wenn das Geld aus der Tierseuchenkasse nicht ausreichen sollte. Er sagte:„Das ist eine wirtschaftliche Bedrohung für eine Vielzahl von Betrieben weit über die betroffene Region hinaus.“ 

In den vergangenen Jahren hatte sich die ASP von Russland über das Baltikum bis weit nach Westpolen ausgebreitet. Über viele Monate wurden in Polen immer wieder ASP-infizierte tote Wildschweine nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze nach Deutschland gefunden. Entlang der Grenze wurden in Brandenburg auch flache Zäune mit Flatterband gebaut, die die Tiere am Grenzübertritt hindern sollten. Wie die Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sagte, wollte Deutschland einen „Weißen Korridor“ errichten, also einen Zaun entlang der gesamten Grenze, der die Wildschweine abhält. Deutschland wollte diesen Zaun auch bezahlen. Aber Polen lehnte ab.

„Das Risiko einer Einschleppung haben wir seit längerem als hoch angesehen“, sagte Institutspräsident Mettenleiter. Der aktuelle Fall in Brandenburg könnte durchaus zu dem „westpolnischen Cluster“ gehören. Es könnte also ein Tier sein, das über die Grenze gekommen ist. Aber das müsse erst noch untersucht werden. „Das infizierte Gebiet in Brandenburg muss nun  schnell identifiziert werden“, sagte Mettenleiter. Um es einzugrenzen und zu verhindern, dass die möglicherweise infizierten anderen Wildschweine die Region verlassen und das Virus weiter ins Land tragen.

Die heimische Schweinepest gilt als vergleichsweise unproblematisch für Tiere. Doch die Afrikanische Schweinepest ist eine hochgefährliche Tierseuche, die für  alle befallenen Schweine tödlich endet. Deshalb wird sie auch als „Ebola für Schweine“ bezeichnet. Allerdings ist sie für Menschen nicht gefährlich. Es ist keine „Zoonose“, wie etwa das aktuelle Coronavirus, also keine vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheit. Aber es besteht die Gefahr, dass die Krankheit in Schweineställe gelangen und damit die Fleischindustrie schwer treffen könnte.

Der Fall ist vor allem für den Fleischexport ein massives Problem. Denn bislang ist es so, dass China als größter Schweineimporteur grundsätzlich die Einfuhr aus Ländern stoppt, in denen die ASP nachgewiesen wurde. In China selbst grassiert die Krankheit. Nach Schätzungen sollen dort bis zu 200 Millionen Schweine vorsorglich geschlachtet worden sein.

„Wir verhandeln über die EU mit China“, sagte Klöckner. Noch habe aber kein Land eine Vereinbarung mit China. „Wir hatten aber bereits heute Nacht einen Kontakt nach China“, sagte die Ministerin.

Sie sagte auch, dass es in der EU inzwischen so geregelt sei, dass weiter Fleisch exportiert werden darf, auch wenn ein ASP-Fall nachgewiesen wird. Dann wird nicht mehr der Handel für das gesamte Land gestoppt, sondern nur für die betroffene Region. 

Der Bauernbund Brandenburg, der zur bundesweiten Organisation Freie Bauern gehört, ruft zu Besonnenheit im Umgang mit der Seuche auf. „Ein Wildschwein ist kein Hausschwein“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Kiesel, ein Ackerbauer aus Barsikow im Ruppiner Land. „Unsere Hausschweine-Bestände werden zu 99 Prozent in gut geschützten Ställen gehalten, und selbst wenn der Virus durch Unachtsamkeit eingeschleppt würde, kann er mit den normalen Methoden der Seuchenbekämpfung wirksam eingedämmt werden.“ Der Bauernverband fordert, dass nun der Jagddruck auf Wildschweine in der betroffenen Region massiv erhöht wird. 

Der Jagdverband ruft die Jäger, Landwirte, Förster und Spaziergänger zur erhöhten Aufmerksamkeit auf: Wer ein totes Wildschwein findet, sollte dies immer dem zuständigen Veterinäramt oder dem Notruf melden. Tote Wildschweine können auch über die  App des Tierfund-Katasters (www.tierfund-kataster.de) gemeldet werden. Die Infos gehen an die zuständigen Behörden weiter. Kadaver sollten keinesfalls angefasst, sondern nur gesichert werden. (mit dpa)