Berlin - Die Gewerkschaft Verdi fordert mehr Geld für die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und deren Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT). "Wir wollen einen Inflationsausgleich erreichen - außerdem einen weiteren Zuwachs bei den Löhnen und Gehältern", sagte Verdi-Sekretär Frank Bäsler der Berliner Zeitung. Darum habe die Gewerkschaft die Anlage 2 des Tarifvertrags Nahverkehr, in der die Entgelte für die mehr als 12 600 Beschäftigten der beiden landeseigenen Unternehmen festgelegt sind, gekündigt - zum Ende des Jahres. Damit droht dem größten kommunalen Verkehrsbetrieb Deutschlands wieder mal ein Tarifstreit. "Uns wird nichts geschenkt", sagte Frank Kulicke, Mitglied der Verdi-Tarifkommission. "Gegebenenfalls müssen wir unseren berechtigten Forderungen den erforderlichen Nachdruck verleihen, was uns in unserer starken Gemeinschaft auch gelingen wird."

Noch aber setzt Verdi auf Verhandlungen. "Wir wollen noch in diesem Jahr Gespräche mit dem dafür zuständigen Kommunalen Arbeitgeberverband aufnehmen", sagte Bäsler. Sie sollten im nächsten Monat beginnen. Besonderes Augenmerk will Verdi darauf legen, dass sich die Einkommen in den unteren Lohngruppen verbessern. Dort wären Mindestbeträge sinnvoll, weil prozentual berechnete Erhöhungen wahrscheinlich zu gering ausfielen, so Bäsler. Wie groß der "Schluck aus der Pulle" ausfallen soll, lässt er aber offen. Konkrete Forderungen gibt es bislang nicht.

BVG äußerte sich nicht

Die BVG äußerte sich zu dem Vorstoß nicht. Intern wurde aber darauf hingewiesen, dass der Personalaufwand des BVG-Konzerns wieder gestiegen ist - laut Geschäftsbericht von 556 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 576 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Erst im August hatte Verdi in Tarifverhandlungen und ohne Arbeitskampf einen Erfolg für das Personal der BVG und BT erzielt, was dem hoch verschuldeten Konzern weitere Belastungen bescheren wird. Bei diesem Streit ging es ausschließlich um Arbeitsbedingungen. So wurde festgelegt, dass Fahrerinnen und Fahrer zwischen zwei Diensten mindestens elf Stunden Ruhe erhalten. Die tägliche Arbeitszeit wurde auf 8,5 Stunden begrenzt.

Der jüngste Streit um höhere Löhne und Gehälter liegt schon länger zurück, er wurde 2010 beigelegt. Streiks hatte es zuletzt Anfang 2008 bei der BVG gegeben. Damals wurde der Verkehr tagelang unterbrochen.