Verdi: Vattenfall will hunderte Arbeitsplätze in Berlin abbauen

Berlin - Der schwedische Energiekonzern Vattenfall will demnächst zahlreiche Arbeitsplätze in Berlin abbauen. Betroffen sind rund 200 Vollzeitstellen im Einkauf, dem Finanz- und Personalservice, davon 120 Stellen in Berlin, wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Die Aufgaben sollen international ausgeschrieben werden. An diesem Donnerstag will die Gewerkschaft Verdi gegen den Stellenabbau demonstrieren.

Laut Robin Marks, dem zuständigen Gewerkschaftssekretär beim Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg, gefährdet Vattenfall mit diesen Plänen nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Arbeitsfähigkeit des gesamten Konzerns. Ein schnelles Eingreifen der Politik sei erforderlich.

Ausgliederungen vorgesehen

Die Pläne aus Schweden würden auch eine Ausgliederung von Personalangelegenheiten nach Indien, sowie eine Ausgliederung des betriebsärztlichen Dienstes des Konzerns vorsehen. Im Kundenservice gebe es bereits offene Drohungen, dass die ersten betriebsbedingten Kündigungen in Berlin und Hamburg schon im Juni 2017 ausgesprochen werden könnten.

Vattenfall hingegen teilte mit, Ziel sei es, ohne Kündigungen auszukommen. In der Vergangenheit habe man zum Beispiel mit Altersteilzeit oder Abfindungen gearbeitet oder frei werdende Stellen nicht nachbesetzt. Die Mitarbeiterzahlen sollen in diesem Jahr stabil bleiben, weil in Bereichen wie der Windenergie Stellen hinzukämen.

Stark schrumpfende Mitarbeiter-Zahlen

Die Zahl der Beschäftigten ist laut Verdi von einst 25.000 in Deutschland auf aktuell etwa 7500 geschrumpft. Nach Angeben des Statistik-Portals statista.com wurden im Jahr 2005 etwa 21.000 Mitarbeiter in Deutschland gezählt. Im Jahr 2016 waren es nur etwa 6900. In Berlin seien etwa 4000 Menschen für Vattenfall tätig, so Verdi. Diese würden maßgeblich zur Versorgungssicherheit der Stadt, der Netzstabilität und zum Erreichen der Klimaziele in Berlin beitragen.

Am 6. April plant Verdi nun aufgrund des Stellenabbaus eine Kundgebung in Berlin-Kreuzberg.

Investitionen in Berlin

Anfang März teilte der Energiekonzern Vattenfall mit, er wolle in den kommenden fünf Jahren in Berlin zwei Milliarden Euro investieren, um klimaschonende Erzeugungsanlagen und den Ausbau der Fernwärme zu fördern.

Vattenfall-Europa-Chef Tuomo Hatakka hatte gegenüber der Berliner Morgenpost erklärt, in den Ausbau der Fernwärme würden mehr als eine Milliarde Euro investiert. Die Hälfte davon sei für den Fertigbau des Kraftwerks Lichterfelde und den Bau des neuen Gaskraftswerks Marzahn eingeplant. Auch in das Stromverteilnetz investiere der Konzern mehr, so der Manager.

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will im Zuge einer Energiewende in diesem Jahr aus der Braunkohle aussteigen und spätestens 2030 aus der Steinkohle. (mit dpa)