Verdreckte Parks: Party in Müllhausen

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Es hätte ein schöner Spaziergang am Montagmorgen sein können. Die Sonne scheint auf den Görlitzer Park in Kreuzberg, Krähen tippeln umher, sie haben zu tun, in den aufgetürmten Bergen von Abfall finden die Vögel eine Menge Essensreste. Für die Krähen ist es ein toller Morgen, für Besucher ein hässlicher Anblick. Der Görlitzer Park ist an diesem Morgen ein große Müllhalde.

Und kein Einzelfall: Die Parks der Innenstadt, vor allem jene, in denen die Leute grillen, sehen nach einem sonnigen Wochenende wie dem vergangenen völlig verdreckt aus. Drei Tage lang, von Freitag bis Sonntag, haben zehntausende Menschen dort gefeiert und gegrillt, niemand hat in dieser Zeit die Müllbehälter geleert. Am Wochenende arbeiten die Gartenpfleger nicht. Das kostet zu viel Geld.

Brennende Container

Im Volkspark Friedrichshain haben am Wochenende Müllcontainer gebrannt, jemand hat glühende Grillkohle hineingetan. Auf der Wiese liegen Metallreste einer abgebrannten Matratze, ein großes Stück Wiese ist abgebrannt, Feuerwehr und Polizei kamen. Unzählige zerschlagene Flaschen liegen im Viktoriapark in Kreuzberg, ebenso im Mauerpark in Prenzlauer Berg, obwohl es dort große, unterirdische Müllcontainer gibt. Deren Öffnungen werden durch unsachgemäße Bedienung regelmäßig verstopft.

Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), sagt: „Für diese Rücksichtslosigkeit und das Fehlen von Gemeinsinn gibt es keine Erklärung. Das wird sicher noch Forscher beschäftigen.“ Auch Naturschützer reagieren ratlos. „Das Müllproblem ist ein ungelöstes Problem. Mit Appellen kommen wir nicht weiter. Die freizeitbegeisterte Öffentlichkeit nimmt sie nicht wahr“, sagt Anja Sorges, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Berlin.

Bewusstsein der Parkbesucher sensibilisieren

Bei der Grünen Liga kümmert sich Ulrich Nowikowski um Abfallreduzierung. Sein Tipp: „Das Bewusstsein der Parkbesucher muss sensibilisiert werden.“ Es dürfe von Anfang an kein Müll rumliegen. „Denn da wo Müll liegt, kommt neuer Müll hinzu.“

Auch die Berliner CDU hat das Thema entdeckt. Schon im Wahlkampf rief der heutige Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel zum Kampf gegen die „Verwahrlosung des öffentlichen Raumes“ auf, jetzt legt der Landesvorstand ein Positionspapier vor. Die Stadt sei „in den letzten Jahren immer dreckiger“ geworden, Generalsekretär Kai Wegner empfiehlt eine „Null-Toleranz-Strategie“, denn: „In einem heruntergekommenen Umfeld sinkt auch die Hemmschwelle, sich illegal zu verhalten.“

So sollen Graffiti an öffentlichen Gebäuden in 24 Stunden beseitigt werden. Treffs von Trinkern seien „unverzüglich zu reinigen“. Bußgeld für Müllsünder soll konsequent eingetrieben und tausend zusätzliche Abfalleimer sollen aufgestellt werden. Aber die CDU will noch mehr: „Mit einer groß angelegten Kampagne ,Berlin Sauber-Mann!' kann das Bewusstsein für mehr Sauberkeit geschaffen werden“, heißt es im Beschluss. Es soll eine jährliche Aktionswoche „Berlin räumt auf“ geben.

Aufruf zu mehr Ordnungssinn

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Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ruft zu mehr Ordnungssinn auf. Der Berliner Zeitung sagte Müller: „Unsere Stadt geht uns alle an. Nicht nur Stadtreinigung, Bezirke und Senat, auch jeder Einzelne hat die Möglichkeit und auch Verantwortung, dass wir gemeinsam in einer sauberen, lebens- und liebenswerten Stadt zusammenleben können.“

Ohne Müllprobleme kommen die Betreiber der drei Grillplätze auf dem Tempelhofer Feld aus. Die Grün Berlin GmbH, ein landeseigenes Unternehmen, hat für die Griller genügend Müllbehälter aufgestellt und wechselt auch am Wochenende volle Container aus. Mitarbeiter betreuen das Geschehen. „Diese Flexibilität haben auch die Bezirke“, sagt Parkmanager Michael Kern. Spätabends wird das Gelände verschlossen.

Im Mauerpark suchen Anwohner nach neuen Ideen gegen den Müll. Die Container werden umgebaut, damit sie leichter zu öffnen sind und bekommen einen orangefarbenen Anstrich. Künstler planen Performances, um die Wochenendbesucher auf die Parkregeln hinzuweisen. „Beim Thema Müll geht es um soziale Verantwortung im öffentlichen Raum“, sagt Alexander Puell von der Initiative „Freunde des Mauerparks.“