Mit Chip-Lesegerät: Joline Winter identifiziert Hunde und informiert die Halter.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

FalkenseeWenn Joline Winter wieder einen Fall aufgeklärt hat, verschwindet jede Hoffnung auf ein Wiedersehen. Der vermisste Liebling wird nicht zurückkehren, das Warten hat ein Ende. Winter identifiziert tot aufgefundene Hunde, gibt ihnen ihren Namen zurück, wie sie sagt, und erlöst gleichzeitig die menschlichen Gefährten von einer quälenden Ungewissheit.

Mehr als 106.000 Hunde sind aktuell in Berlin steuerlich gemeldet. Im Land Brandenburg erheben die Kommunen die Steuer, nur Hunde, die schwerer als 20 Kilogramm und größer als 40 Zentimeter sind, werden dem Land gemeldet. 2017 waren das mehr als 126.000 Hunde. Etwa 34 Millionen Heimtiere leben in Deutschland. Der Hund ist dabei nur der zweitbeste Freund des Menschen, nach der Katze. 9,4 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten. Haustiere unterstützen den Menschen schon lange nicht nur bei der Arbeit. Sie sind Freunde, werden als Familienmitglieder betrachtet, ersetzen Kinder oder Partner.

Wenn sie sterben, hinterlassen sie nicht selten trauernde Menschen. „Doch noch schlimmer als die Trennung durch den Tod ist die Ungewissheit beim Verlust des Tieres“, sagt Joline Winter. Die 27-jährige Winter ist Mitglied im Verein Tote Hunde Berlin-Brandenburg. Die Vereinsmitglieder bringen Klarheit ins Hundeschicksal und damit auch für die zurückbleibenden Menschen. Was so einfach klingt, ist mühsame Detektivarbeit, bei der auch noch Geschwindigkeit gefragt ist.

Die Detektivarbeit ist mühsam

Die Suche beginnt in der Regel mit einem Anruf. Manchmal sind es Mitarbeiter der Polizei, der Straßenwacht oder der Bahn. Oft auch aufmerksame Passanten. Ein toter Hund wurde gefunden, und kaum hat Winter die Meldung entgegengenommen, läuft die Zeit. Denn die Tot-Funde müssen schnell beseitigt werden, so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Die rasche Beseitigung soll Mensch und Tier vor der Ausbreitung von Tierseuchen schützen. Dass ein tot aufgefundenes Haustier zuvor auf seine Identität geprüft wird, schreibt das Gesetz nicht vor.

Und so ist der Umgang mit dem toten Hund abhängig von den Umständen. Kann der Tierkörper verpackt und gekühlt gelagert werden, stehen die Chancen für Winter gut. Ist der Körper bereits in einer der Tonnen für die Tierkörperentsorgung gelandet, darf er nicht mehr herausgeholt werden, sagt Winter. Sie benötigt also vorher Zugang zum Hund. Winter würde sich wünschen, dass Hunde vor dem Entsorgen identifiziert werden. Sie weiß, dies ist mühsam, deshalb bietet der Verein Tote Hunde diesen Dienst bundesweit kostenlos an.

Ist das Halsband mit Steuermarke noch da, hat Winter leichtes Spiel. Auch lassen Besitzer ihr Tier zur Identifizierung tätowieren oder einen Chip einsetzen. Letzterer kann mit einem Lesegerät eingelesen werden. Im Display des Gerätes erscheint eine Nummer. „Was viele Tierbesitzer nicht wissen: Der Chip allein reicht nicht. Das Tier muss auch bei einem Heimtierregister gemeldet sein. Tierärzte und Züchter sollten darauf hinweisen“, sagt Winter. Denn nur dann führt die Nummer zu einem Namen.

Abgleich der Daten

Winter ist inzwischen Expertin beim Auffinden von Hundebesitzern, sie versucht über die Tierärzte die Besitzer ausfindig zu machen. Gibt es weder Chip noch Marke, versucht sie es mit Fotos, was auch nicht immer einfach ist. Gerade, wenn die Tiere bei einem Unfall gestorben sind. „Ich habe für ein Foto schon mal das Gesicht eines Dobermanns wieder zusammengesetzt“, sagt sie. So mancher Anblick sei nur schwer zu ertragen. „An den Geruch werde ich mich ganz sicher nie gewöhnen“, sagt sie.


Helfer bei der Suche:

  • Die Haustierregister „FINDEFIX“ und „TASSO“ bieten eine kostenlose Registrierung des Tieres an. Die individuelle Hundemarke von „TIERPERSO“ muss bezahlt werden, kann dafür mit einem Smartphone eingelesen werden.
  • Namens- und Adressänderungen müssen beim Heimtierregister gemeldet werden, andernfalls können auch Vereine wie „Tote Hunde“ die Besitzer eines Tieres nicht aufspüren. Relativ neu ist die Möglichkeit, den Hund per GPS zu orten.
  • Namens- und Adressänderungen müssen beim Heimtierregister gemeldet werden, andernfalls können auch Vereine wie „Tote Hunde“ die Besitzer eines Tieres nicht aufspüren. Relativ neu ist die Möglichkeit, den Hund per GPS zu orten.

Die gewonnen Daten gleicht Winter mit den Verlustmeldungen bei den Heimtierregistern, Tierärzten, Tierschutzorganisationen und den sozialen Medien ab. Letztere ersetzen zunehmend die Zettel mit den Suchmeldungen an den Laternen. Ein einheitliches Melderegister für alle Vermisstenfälle gibt es nicht. Dazu kommen Seiten im Netz, die sich der regionalen Vermisstenfälle annehmen. Eine davon nennt sich „Entlaufene Hunde Berlin Brandenburg“. Auch hier ist Joline Winter Mitglied.

Die Initiative „Entlaufene Hunde Berlin Brandenburg“ nimmt Suchmeldungen entgegen und verbreitet diese auf ihrer Facebook-Seite. Damit vergrößert sich der Suchradius, mehr Menschen halten Ausschau. Außerdem nehmen die fünf Mitglieder der Initiative Meldungen über streunende Tiere entgegen und fangen sie ein. Auch dies gestaltet sich aufwendig: Tier suchen, mit Futter locken, Lebendfalle in Position bringen. Ist das Tier in Obhut genommen, wird auch hier wieder der Besitzer gesucht. Und manchmal nie gefunden.

So wie im Fall einer Hündin, die mehrfach im Berliner Bezirk Neukölln gesehen wurde und erst nach Wochen eingefangen werden konnte. Inzwischen war sie trächtig. Die Hündin hatte einen Chip, war registriert und dennoch konnte die Besitzerin, auch von der Polizei, nicht gefunden werden. Der Welpe hat nun bei Teammitglied Jana eine Heimat gefunden.