Berlin - Bertold Kujath ist mit seiner Aktion für den Erhalt der Berliner Gaslaternen durchaus zufrieden. Insgesamt 20.822 Unterschriften hat der Gaslicht-Kultur Verein in einem halben Jahr gesammelt. Noch im Juli hatte Kujath gehofft, zumindest 10.000 Unterstützer für sein Anliegen zu finden. Nun sind es mehr als doppelt so viele, die Sammlung würde sogar für ein Bürgerbegehren reichen. „Mit dieser Zahl haben wir nicht gerechnet“, sagt Kujath. Zum Ende hin habe die Aktion deutlich an Schwung gewonnen, auch weil der Mitstreiter und Schauspieler Ilja Richter das Thema im ZDF Mittagsmagazin angesprochen habe.

Zusammen mit anderen Kulturvereinen und Ilja Richter will Kujath nun seine Unterschriftensammlung ins Rathaus tragen und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit übergeben. Er fordert den sofortigen Abbaustopp der Berliner Gaslaternen. Außerdem soll ein Runder Tisch gebildet werden, wo Experten darüber diskutieren könnten, welche Gaslaternen in Berlin erhaltenswert seien, sagte Kujath.

Durchschlagende Erfolge sind nicht abzusehen

Der Senat plant, 95 Prozent der noch vorhandenen 43.500 Gaslaternen abzubauen. Bis 2016 sollen allein 8000 Gasreihenleuchten durch Leuchtstofflampen vom Typ Jessica ersetzt werden. Der Senat bescheinigt den Gasleuchten eine katastrophale Klimabilanz. Die Umrüstung erspare Berlin jährlich 9200 Tonnen Kohlendioxid. Außerdem reduziere die neue Leuchte den Energieverbrauch. Viele Bereiche, wie zum Beispiel in Frohnau, wo sich das weltweit größte durch Gaslicht beleuchtete Areal befindet, sind vom Abbau bedroht. Zwei bis drei Straßen will der Senat im Originalzustand erhalten. Das ist Kujath zu wenig.

Damit ist der Gaslaternen-Fan nicht allein. Auch in diesem Jahr besuchten wieder 600 Menschen die Gaslichttour des Vereins zur Langen Nacht der Museen. Auch die Organisation selber gewinnt ständig Mitglieder. Jahrelang waren sie nur zu viert, inzwischen zählt Kujath an die hundert Unterstützer. Durchschlagende Erfolge sind allerdings nicht abzusehen, der Druck auf den Senat scheint bislang zu verpuffen. „Ich habe das Gefühl, je mehr Widerstand sich bei den Bürgern regt, desto verschlossener sind die Türen“, beklagt Kujath sich.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wolle das Projekt Gaslaternenabbau mit aller Kraft durchsetzen. Im Moment setzt der Verein auf Kultur als Protestmittel. Am 29. Oktober organisiert Ilja Richter einen Protestabend in der Komödie am Kurfürstendamm unter dem Motto: „Rettet die Gaslaternen“. Zugesagt haben unter anderem die Schauspielerin Katharina Thalbach und die Schriftstellerin Anja Hauptmann.