Aufgebracht kommt Houssam Aldeen zur Tür herein. Wieder einmal Ärger mit den Behörden, sagt der Syrer. Doch schnell beruhigt er sich. Zu oft hat er in letzter Zeit schon mit solchen Problemen zu tun gehabt. Zunächst in seinem eigenen Fall, mittlerweile auch bei vielen anderen Flüchtlingen.

Aldeen ist selbst vor ein paar Jahren aus Syrien geflohen. Seit 2013 lebt der Lehrer und Journalist in Deutschland. Er weiß, wie es ist, in einem fremden Land anzukommen und sich nicht zurecht zu finden. Deswegen gründete er mit zwei syrischen Freunden, die schon lange in Berlin leben, den Verein Salam. Seit März helfen sie organisiert jenen Syrern, die es erst jetzt nach Deutschland geschafft haben. „Ich bin selber Flüchtling und kenne die Probleme gut, die Neuankömmlinge hier haben. Das macht es für mich leichter zu helfen“, sagt Aldeen.

Zu diesen Problemen zählen unter anderem die Anträge und Amtsgänge, die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft erledigen müssen, die sie ohne Deutschkenntnisse jedoch kaum bewältigen können. „All diese Dokumente, die sie ausfüllen müssen! Wenn man die Sprache nicht spricht, kann man das alleine gar nicht schaffen. Ohne Hilfe sind sie verloren“, sagt der 36-Jährige. Umso froher seien sie als Verein, den Neuankömmlingen helfen zu können.

Ein Stück Heimat in der Fremde

Mittlerweile zählt der Verein über 140 Mitglieder. Täglich kämen zwischen 20 und 50 Flüchtlinge in ihre Räume in der Weddinger Buttmannstraße. Dass so viele Syrer das Angebot nutzen, liegt zum einen am großen Bekanntenkreis, den Aldeen und seine Mitstreiter noch in Syrien haben. Viele wissen so schon von dem Verein, bevor sie in Berlin ankommen. Zum anderen laufe aber auch die Mundpropaganda unter Syrern am Landesamt für Gesundheit und in den Flüchtlingsunterkünften blendend, so dass sich die Initiative schon weit herumgesprochen habe, erzählt Aldeen.

Die Aufgabe des Vereins geht für die Gründer über die Hilfe bei Amtsgängen hinaus. Den Initiatoren gehe es auch darum, eine neue syrische Gemeinschaft zu stiften. „Eines unserer Ziele ist es, Syrer unabhängig ihrer politischen Ansichten zu versammeln.“ Besonders abends dient das Vereinsheim in der Weddinger Buttmannstraße daher auch als allgemeiner Treffpunkt für syrische Flüchtlinge. „Viele kommen hierher, um sich zu sehen und neue Leute kennenzulernen“, sagt der Vereinsgründer. Die Räume mit den orientalischen Sofas und den arabischen Teppichen an den Wänden werden so auch zu einem Stück Heimat in der Fremde.

Eine Brücke zwischen den Kulturen

Am frühen Abend sind rund ein Dutzend Syrer im Vereinsheim versammelt, zwei ältere, der Rest junge Männer. Sie sitzen in kleinen Gruppen beisammen, rauchen Wasserpfeife und unterhalten sich. In einem Hinterzimmer hockt ein junger Mann vor einem Laptop. Drähte ragen aus dem linken Bein, neben ihm stehen Krücken. In Syrien sei er Aktivist gewesen und wurde bei einem Luftschlag des Militärs verletzt, erzählt Aldeen. Nun schläft er schon mehrere Monate hinten in dem kleinen Raum.

Dann kommt auch Ibrahim Alsayed, neben Aldeen einer der Gründer, im Vereinsheim an. Schon seit zehn Jahren lebt er in Deutschland, promovierte in Biostatistik und arbeitet heute als selbstständiger Forscher. Er betont, wie wichtig es ist, den Flüchtlingen auch die deutsche Kultur näher zu bringen.

„Wir Menschen mit Migrationshintergrund leben schon länger in Deutschland und kennen uns hier aus“, sagt der 38-Jährige, „wir können daher eine Brücke zwischen den Kulturen sein.“ Dafür veranstalten sie im Vereinsheim deutsch-arabische Lyrikabende, bieten Sprachtandems und Deutschkurse an. Auch ein Ausflug nach Weimar ist geplant.

Die dabei anfallenden Kosten übernehmen die Mitglieder bisher alle selbst. Lediglich die Miete kann mit dem Verkauf von Getränken gezahlt werden. Zwar ist der Verein als gemeinnützig anerkannt, doch Spenden haben sie bisher keine erhalten. „Das würde uns sehr helfen“, sagt Aldeen. Bisher geschieht die Vereinsarbeit ausnahmslos ehrenamtlich.

Einige Mitglieder, die arbeiten gehen, helfen in letzter Zeit deutlich seltener. Aldeen hingegen kann auch weiterhin die meiste Zeit des Tages anderen Flüchtlingen behilflich sein. Und auch Alsayed schreckt die derzeitige Lage des Vereins nicht ab: „Bei der aktuellen Situation müssen einfach auch wir unseren Beitrag hier leisten.“