Heizpilz in einem Café in Prenzlauer Berg
Foto: imago/Christian Schroth

BerlinHeizpilze sollen die Gastronomie retten, Heizpilze werden uns in die Klimakatastrophe treiben – so ungefähr lassen sich die Extrempole der Diskussion um Hilfsmaßnahmen für die Berliner Gastronomie im Herbst und Winter zusammenfassen. Lässt man allen Populismus, alle Parteien-Politik beiseite, stellt man allerdings rasch fest: Die Diskussion um Heizpilze ist überflüssig.

In der Praxis nämlich, das bestätigt auch der Branchenverband Dehoga, nützen Heizpilze den Gastronomen in den kommenden Monaten nur wenig: Viele wollen ihre Außenanlagen jetzt mit Pavillons oder ausgebauten Markisen wetterfest machen – Heizpilze sind dort aus Brandschutzgründen ohnehin untersagt. Sie müssen weit von der Fassade entfernt aufgestellt werden, ihre wärmende Wirkung ist dann nur noch gering. Andere Geräte, wie Infrarotstrahler oder Elektroheizstrahler, seien tauglicher, leistungsstärker, es gebe sie außerdem in klimafreundlicheren Varianten – da sind sich Lobby und Verwaltung ausnahmsweise einig.

So manchen Politiker und manche Partei reizt das Thema dennoch zu PR-Kapriolen, als Abgrenzung auch hin zu den in Berlin zurzeit starken Grünen. Dabei gibt es viel Wichtigeres zu tun – zum Beispiel Personal bereitzustellen, um tatsächlich umzusetzen, was die Wirtschaftssenatorin am Freitag versprochen hat: die unkomplizierte und rasche Genehmigung von Pavillons auf genehmigten Außenflächen und im Gegenzug verstärkte Kontrollen der Ordnungsämter.

Bisher kontrolliert Berlin die Einhaltung der Hygieneregeln in der Gastronomie kaum – obwohl Lobbyvereine dringend darum bitten. Nun werden Außenflächen in großer Zahl in Innenräume verwandelt, Terrassen zu kuschlig-warmen Zelten umgestaltet. Damit sie nicht zu neuen Hotspots werden, müssen Bezirke und Senat endlich nachhaltig den Infektionsschutz durchsetzen.