Der Senat hat im Streit um Lenins Kopf eine Kehrtwende vollzogen. Nachdem es Mitte August noch hieß, der Kopf dürfe nicht ausgegraben und in einer Ausstellung über Berliner Denkmäler in der Zitadelle Spandau gezeigt werden, ist der Senat nun umgeschwenkt. „Wir stellen Lenins Kopf für die Ausstellung zur Verfügung“, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Freitag auf Nachfrage.

Wann man den vergrabenen dreieinhalb Tonnen schweren Granitkopf ausgräbt und wie er nach Spandau gelangt, werden Senats- und Bezirksvertreter mit den Organisatoren der Ausstellung nächste Woche besprechen.

Comeback des Kopfes

Die neue Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ soll im kommenden Frühjahr eröffnen. Seit fünf Jahren bereiten Kunst- und Kulturwissenschaftler die Schau mit mehr als 100 Originalobjekten aus dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der DDR vor. Der Kopf des Lenin-Denkmals gilt als eines der spektakulärsten Exponate. Das Lenin-Denkmal bezeichnete Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) beim Richtfest zur Sanierung der Zitadelle im Februar 2014 als „bedeutsames Zeugnis der Berliner Nachkriegsgeschichte“. Er freue sich auf das „Comeback von Lenins granitenem Kopf“.

Umso erstaunlicher war es für die Organisatoren, als ihnen Berlins oberster Denkmalschützer Jörg Haspel im August 2014 mitteilte, Lenins Kopf dürfe nicht ausgegraben werden. Man halte einen „Zusammenhalt des Denkmals für nötig, die Lage des Kopfes und anderer Teile könnten nicht präzise geortet werden.“ Es seien umfangreiche Sondierungen und Suchgrabungen nötig, der technische und finanzielle Aufwand dafür sein nicht bezahlbar. Diese Argumente verwunderte die Wissenschaftler, waren doch 14 Millionen Euro für die Ausstellung bewilligt worden, dazu gehörte auch die Bergung von Lenins Kopf.

Schlüsselrolle in der Ausstellung

Der Berliner Zeitung liegen nun interne Unterlagen des Senats vor, wonach die Entscheidung, Lenins Kopf vergraben zu lassen, nicht im Landesdenkmal gefallen war, sondern von übergeordneter politischer Stelle kam. Am 8. April 2014 hatte Landeskonservator Jörg Haspel an seine Vorgesetzten, den Senator Michael Müller, den Staatssekretär für Verkehr und Umwelt sowie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geschrieben, er habe die Leiterin des Spandauer Kulturamtes „über die mir von Frau Lüscher übermittelten Bedenken der Hausleitung von SenStadtUm (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die Red.) gegen eine Bergung und Präsentation des Lenin-Kopfs informiert.“

Gleichzeitig macht Haspel deutlich, dass das Lenin-Denkmal „eine Schlüsselrolle im Ausstellungskonzept“ gespielt habe, und er, obwohl sich auch andere Museen und Ausstellungen für Lenins Kopf interessierten, der Spandauer Ausstellung den Vorrang gebe, wegen der „systematischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung und Präsentation“.