Berlin - Neulich ist Thomas Kärger mal wieder mit dem Auto von Schönefeld in die Stadt gefahren. Es war wie so oft auf der Autobahn: „Ich stand im Stau.“ Auf der A 113 ging es nur zähflüssig voran, und auch auf der A 100 war Dahinschleichen angesagt. Kärger hatte Zeit. Doch was werden die Geschäftsleute und Politiker denken, die mit mehreren hundert Kilometern pro Stunde zum neuen Schönefelder Flughafen düsen – und von dort ins Stadtzentrum eine gefühlte halbe Ewigkeit brauchen?

„Auch viele Berliner, vor allem die im Westen, werden sich noch wundern, wie lange sie zum BER brauchen, verglichen mit der Fahrt nach Tegel“, sagt Kärger. Zum Flughafen Tegel gibt es mehrere halbwegs gleichwertige Routen, die erst kurz vorher zusammengeführt werden. „Dagegen werden sich die Autos, die von Berlin zum BER fahren, schon weit vorher auf der A 100 und der A 113 treffen. Das ist eine ganz andere Situation“, meint der Flugkapitän, der seine Dienstschichten künftig ebenfalls draußen vor der Stadt in Schönefeld antreten wird.

„Auf der Stadtautobahn ist ohnehin viel los. Wenn es dann mal wieder eine Störung gibt, gibt es sofort Probleme.“ Zwar war der Britzer Autobahntunnel an der A 100 im vergangenen Jahr nicht mehr so oft wegen zu hoher Verkehrsbelastung gesperrt. Doch das könnte sich wieder ändern, wenn der Flughafen auf ist und Verkehr anzieht. „Die meisten Geschäftsreisenden, die in Berlin landen, wollen auf dem bequemsten Weg ins Stadtzentrum“, weiß Kärger. „Vom BER aus bietet sich dafür eigentlich nur die Autobahnabfahrt Tempelhofer Damm an. Davor werden sich am Morgen die Taxis und Mietwagen stauen, bis in den Britzer Tunnel hinein“ – der müsste dann wieder zeitweise gesperrt werden.

Und was ist mit den Konvois der Staatsgäste, die in Schönefeld ankommen? „Der Weg von dort ins Regierungsviertel ist deutlich länger als der von Tegel. Das bedeutet, dass die Straßenabschnitte, die aus Sicherheitsgründen für den übrigen Verkehr gesperrt werden, insgesamt länger sind“, sagt Kärger. Damit sind auch die Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr größer.

Bleibt die S-Bahn. „Ich kann nur hoffen, dass sie diesmal ihr Versprechen hält und genug Züge für einen Zehn-Minuten-Takt zum neuen Flughafen hat.“ Es wird spannend. „Am 4. Juni, dem Montag nach der Flughafeneröffnung, werde ich mir die Situation auf den Autobahnen und Straßen nach Berlin ansehen“, sagt der 51-Jährige. Hoffentlich steht er dann nicht wieder im Stau.

Alle Teile unserer Serie - Wie einige Mitarbeiter die letzten Tage bis zur BER-Eröffnung erleben - finden Sie im Dossier 100-Tage-Countdown.

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