Berliner S-Bahn-Tunnel wird sechs Wochen lang gesperrt

Die Nord-Süd-Strecke muss wieder einmal erneuert werden. Nun steht fest, was das für die Fahrgäste der S-Bahn bedeuten wird.

Noch fahren S-Bahnen durch den Nord-Süd-Tunnel. Bald nicht mehr – bis Februar.
Noch fahren S-Bahnen durch den Nord-Süd-Tunnel. Bald nicht mehr – bis Februar.imago/Thilo Rückeis

Das neue Jahr wird zahlreichen Fahrgästen der S-Bahn Berlin Unannehmlichkeiten bescheren. Weil eine wichtige Strecke anderthalb Monate lang wegen Bauarbeiten für den regulären S-Bahn-Verkehr gesperrt wird, müssen Reisende längere Reisezeiten und zusätzliches Umsteigen einkalkulieren. Betroffen ist die Nord-Süd-S-Bahn in der Berliner Innenstadt, auf der Züge der Linien S1, S2, S25 und S26 unterwegs sind.

Ein Bahnsprecher bestätigte die Angaben. „Die Instandhaltungsarbeiten im Nord-Süd-Tunnel finden jedes Jahr traditionell im Januar statt, da unter Tage auch bei Frost, Eis und Schnee gearbeitet werden kann“, teilte er der Berliner Zeitung auf Anfrage mit. Weil umfangreiche Modernisierungen anstehen, fielen 2023 mehr Arbeiten als gewöhnlich an.

„18.400 Meter Schienen werden geschliffen, 17 Weichen instand gesetzt, 9100 Meter Schienen, 700 Schwellen sowie 22 Schienenschmierapparate zur Lärmminderung erneuert. Aus diesem Grund muss der Tunnel für insgesamt sechs Wochen gesperrt werden – aufgeteilt in zwei Bauabschnitte“, erklärte der Sprecher.

Züge aus dem Süden enden zum Teil schon in Priesterweg

Der erste Bauabschnitt erfordert es, die Nord-Süd-Strecke zwischen den S-Bahnhöfen Südkreuz/Yorckstraße (Großgörschenstraße) und Nordbahnhof zu sperren. Die Unterbrechung wird nach Angaben der Bahn von Freitag, 6. Januar, 22 Uhr bis Freitag, 27. Januar, 22 Uhr dauern.

Während dieser Zeit beschränkt sich die S1 auf die Teilstücke Wannsee–Yorckstraße sowie Nordbahnhof–Oranienburg. Die S2 verkehrt zwischen Mahlow und Südkreuz sowie Nordbahnhof und Bernau. Auch die Linie S25 wird geteilt: Im Tagesverkehr fahren die Züge Teltow Stadt–Priesterweg sowie Gesundbrunnen–Hennigsdorf, in Wochenendnächten zwischen Teltow Stadt und Südkreuz sowie Nordbahnhof und Hennigsdorf. Die S26 verbindet Teltow Stadt mit Priesterweg, montags bis freitags gibt es zusätzlich Verkehr zwischen Gesundbrunnen und Waidmannslust.

Bauschaden unterm Alexanderplatz: U2 fällt zur Umfahrung aus

Der Schienenersatzverkehr wird ebenfalls in einen Nord- und in einen Südabschnitt getrennt. Die Buslinie S1A deckt den Abschnitt zwischen Südkreuz und Friedrichstraße ab, die Buslinie S1B das Teilstück zwischen Friedrichstraße und Nordbahnhof. Dort halten die Busse zusätzlich am U-Bahnhof Rosenthaler Platz. Die U8, aber auch die U6 bieten sich zur Umfahrung an. Die U2 fällt leider aus: Nach einem Setzungsschaden bleibt der Abschnitt unter dem Alexanderplatz eingleisig. Weil der Pendelverkehr nur alle 15 Minuten fahren kann, verlängern sich die Reisezeiten deutlich.

Der zweite Bauabschnitt wird dazu führen, dass sich die Sperrung ausdehnt. Vom 27. Januar, 22 Uhr bis 17. Februar, 22 Uhr wird sie von Südkreuz/Yorckstraße (Großgörschenstraße) bis Gesundbrunnen reichen.

Das bedeutet noch weitreichendere Änderungen des Zugangebots auf den betroffenen Linien S1, S2, S25 und S26. Ein Beispiel: Der Nordabschnitt der S2 wird das Ostkreuz mit Bernau verbinden. Im Schienenersatzverkehr wird die Buslinie S1B, die am Bahnhof Friedrichstraße beginnt, zum Bahnhof Gesundbrunnen erweitert.

Bahn rät Reisenden: vor der Fahrt das Internet konsultieren

Auch hier empfiehlt die S-Bahn den Fahrgästen, die Baustelle weiträumig zu umfahren. Auf dem Ring werden während der gesamten Bauzeit zwei Linien verlängert. Die S45 wird über Südkreuz hinaus nach Gesundbrunnen und Hennigsdorf fahren. Die S46 endet nicht in Westend, sondern verkehrt nach Gesundbrunnen und weiter nach Waidmannslust, später nach Frohnau.

„Vor Fahrtantritt sollten Fahrgäste die elektronische Fahrplanauskunft nutzen – die gibt es auch mobil per App“, rät die Bahn ihren Kunden.

Die fast sechs Kilometer lange Berliner Nord-Süd-S-Bahn wurde in zwei Etappen 1936 und 1939 fertiggestellt. Nach einer Sprengung der Betondecke unter dem Landwehrkanal 1945 wurde der Tunnel geflutet und bis 1947 wieder instand gesetzt.

Der zentrale Abschnitt war auch während der Teilung Deutschlands in Betrieb. Allerdings hielten die S-Bahnen, die auf dieser Strecke von West-Berlin nach West-Berlin unterwegs waren, auf dem Gebiet der DDR nur im Bahnhof Friedrichstraße, der zu einer Grenzübergangsstelle ausgebaut worden war. Die übrigen Tunnelstationen in Mitte sowie der S-Bahnhof Bornholmer Straße blieben vom Beginn des Mauerbaus 1961 bis in die 1990er-Jahre hinein für den Fahrgastbetrieb geschlossen. In den Geisterbahnhöfen fuhren die S-Bahnen ohne Halt durch.

Kurvige Berg-und-Tal-Bahn im Berliner Untergrund

Die kurvige Strecke, in der die Gleise zudem Höhenunterschiede durchlaufen und die einer Berg-und-Tal-Bahn gleicht, beansprucht die S-Bahn-Fahrzeuge deutlich stärker als andere Abschnitte. 2008 und 2021 entgleisten S-Bahnen bei der Einfahrt in den Tunnelbahnhof Friedrichstraße.

Um Anlagen zu erneuern und Schienen zu schleifen, wird der Nord-Süd-Tunnel immer wieder gesperrt, zum Teil für Monate. Fahrgäste beschweren sich trotzdem über das laute Quietschen in den Kurven, das Messungen zufolge zum Teil mehr als 100 Dezibel erreicht. Um die Belastung zu mindern, ließ DB Netz bereits vor Jahren Schienenschmierapparate installieren. Nun steht offenbar eine Erneuerung an.