Verkehr: Busfahren wird noch billiger

Für neun Euro nach Hamburg, für elf Euro nach Leipzig, für 22 Euro nach Kopenhagen: Schon jetzt kann man mit dem Linienbus von Berlin aus preiswert verreisen. Nun zeichnet sich ab, dass die Fahrgäste vom nächsten Jahr an unter noch mehr Sonderangeboten wählen können.

Denn mit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs wird auch in Berlin die Konkurrenz zunehmen. Einer der größten Busbetreiber Europas hat angekündigt, dass er sich hier engagieren will. „In dem Streckennetz, das wir in Deutschland aufbauen, wird Berlin eine wichtige Destination sein“, sagte Roderick Donker van Heel, Geschäftsführer von National Express Germany.

In seinem Heimatland Großbritannien ist National Express bereits der größte Fernbusbetreiber. In Spanien und Marokko ist das Unternehmen ebenfalls aktiv. Weil es von Januar 2013 an viel einfacher geworden ist, Fernbuslinien einzurichten, ist nun auch Deutschland für National Express interessant geworden.

Nach München und an die Ruhr

„Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, das größte Netzwerk nationaler Fernbuslinien anzubieten und die wichtigsten Städte Deutschlands miteinander zu verbinden“, kündigte Donker van Heel an. „Die Pläne für unser deutsches Streckennetz sind fertig.“ Wie sie aussehen, will der Chef der Frankfurter Tochterfirma noch nicht in allen Einzelheiten verraten. Alle Newcomer auf dem deutschen Fernbusmarkt halten damit hinter dem Berg, weil sie der Konkurrenz keine Informationen geben wollen. Doch einige Details gab der Manager bekannt.

„Wir werden Berlin mit den beliebtesten Großstädten in Deutschland verknüpfen. Geplant sind unter anderem Strecken von Berlin nach Hamburg, nach Hannover und weiter ins Ruhrgebiet sowie über Nürnberg nach München“, sagte er.

Im Gespräch sei ein Betriebsstart im Juli 2013. „Wir werden nur fabrikneue Busse eines deutschen Herstellers einsetzen, mit allem Komfort, der in unserer Branche selbstverständlich ist: zum Beispiel mit Klimaanlage, Toilette, W-Lan.“ Innerhalb der ersten zwei Jahre soll die Zahl der Busse auf 50 steigen.

National Express sei zuversichtlich, dass für eine so große neue Fernbusflotte genug Kunden da sein werden. Sicher, bislang habe es in Deutschland abgesehen von Berlin kaum Möglichkeiten gegeben, im Inland mit dem Bus zu verreisen. „Doch die Deutschen werden bald merken, dass der Bus eine gute Alternative ist“, sagte der Manager.

„Einige werden scheitern“

Er sei sich bewusst, dass es auf den Rennstrecken eine große Konkurrenz geben werde – etwa zwischen Berlin und Hamburg, wo die Deutsche Bahn (DB) mit Zügen und Bussen den Markt noch beherrscht. Freitag wurde bekannt, dass auch die Post und der ADAC in Deutschland Fernbusse betreiben wollen. „Das ist eine ganz normale Marktsituation, in der wir mit günstigen Preisen und gutem Service punkten werden“, so Donker van Heel. Ein anderer Ableger von National Express will ebenfalls in Berlin aktiv werden: Er nimmt an der Ausschreibung des S-Bahn-Verkehrs auf dem Ring und im Südosten teil.

Derzeit ist die DB die Nummer eins im Berliner Fernbusverkehr. Sie plant keine neuen Linien. „Vorerst wird es kein Engagement über die bestehenden Aktivitäten hinaus geben“, sagte Vorstand Ulrich Homburg. Er bezweifelte, ob sich ein millionenschwerer Ausbau des Fernbusliniennetzes rentieren würde.

Ein Branchenkenner stimmte ihm zu. „Auf lange Sicht wird dies ein Nischenmarkt bleiben, weil die Autodichte hoch und das Bahnnetz sehr gut ausgebaut ist“, sagte er. „Einige von denen, die jetzt auf den Markt drängen, werden scheitern.“