Neue Zahlen der DB: Bordbistros und Zugtoiletten fallen immer öfter aus

Eine interne Statistik zeigt, dass bei der Bahn nicht nur die Verspätungen zugenommen haben. Auch die Zahl bestimmter „Komfortstörungen“ steigt. Aber es gibt Lichtblicke.

Startklar für die Reise: Zugbegleiter der Deutschen Bahn.
Startklar für die Reise: Zugbegleiter der Deutschen Bahn.imago/Jochen Eckel

Nichts zu essen im Bordrestaurant. Mehrere Zugtoiletten kaputt. Stammfahrgäste der Deutschen Bahn (DB) haben den Eindruck, dass das immer häufiger vorkommt. Jetzt bestätigen internen Zahlen des Bundesunternehmens, dass der subjektive Eindruck der Kundschaft korrekt ist. Danach fallen gastronomische Einrichtungen und Toiletten in den Zügen in der Tat immer häufiger aus. Damit nicht genug: Ein Vergleich mit dem vergangenen Jahr zeigt, dass auch die Zugverspätungen weiter zugenommen haben. Immerhin: In Berlin und Brandenburg ist die Quote nicht ganz so hoch wie anderswo.

Dass sich viele Menschen trotz allem für die Bahn entscheiden, hat Gründe. Im Zug kommt man staufrei und meist bequem voran (sofern man einen Platz reserviert hat). Doch natürlich geht es beim Bahnfahren nicht nur darum, sicher von A nach B zu gelangen. Weitere Funktionen gehören dazu – doch an einigen scheint es immer öfter zu hapern. Bei der DB wird dies unter dem Begriff „Komfortstörungen“ zusammengefasst. Eine Statistik für den Fernverkehr, die der Berliner Zeitung vorliegt und die Zeiträume vom 1. Januar bis 22. November 2021 und 2022 umfasst, zeigt den aktuellen Trend.

Belegten die Zahlen für das vergangene Jahr, dass täglich im Schnitt aus rund 96 Fernzügen in Deutschland WC-Störungen gemeldet wurden, so war dies in diesem Jahr bislang täglich fast 103-mal der Fall. Zwar waren in fast allen anderen Fällen andere Toiletten im jeweiligen Zug betriebsbereit. Aber für die Fahrgäste verlängerten sich die Wege, und durch die stärkere Nutzung wurde die Technik oft auch deutlich stärker belastet – was dann wiederum zu zusätzlichen Ausfällen führen kann.

Wenn die Kaffeemaschine nicht mehr funktioniert

In der Bordgastronomie wiesen im vergangenen Jahr pro Tag rund 71 Fernzüge Störungen auf – in diesem Jahr waren es bislang fast 84 pro Tag. In diesem Bereich kann das bedeuten, dass es keine warmen Speisen gibt oder die Essensvorräte komplett aufgebraucht sind, weil Lieferungen nicht geklappt haben. Auch der Ausfall von Kaffeemaschinen und Bierzapfanlagen fällt in diese Kategorie. Personalvertreter und Gewerkschafter weisen darauf hin, dass Personal fehlt, um die Geräte zu warten und in Schuss zu halten. Andere Technikthemen gingen in der Regel vor, sagten sie.

Zum Gesamteindruck der Deutschen Bahn gehört aber auch, dass in anderen Bereichen die Störungen zum Teil zurückgegangen sind. So funktionierte die Fahrgastinformation offensichtlich besser als im vergangenen Jahr. Die durchschnittliche Zahl der Fernzüge, die dort Probleme hatten, ging von knapp 69 auf knapp 64 pro Tag zurück. Hier geht es unter anderem um die Anzeigen reservierter Plätze und Info-Monitoren.

Noch deutlicher ist die Verbesserung bei einem anderen Thema: Für den angegebenen Zeitraum im vergangenen Jahr zeigt die Statistik, dass täglich im Schnitt mehr als 60 Fernzüge mit Störungen der Klimaanlage registriert wurden – in diesem Jahr waren es bislang 47. Das Wlan an Bord scheint meist zu funktionieren: So sank die durchschnittliche Zahl der Fernzüge, die in diesem Bereich von Störungen betroffen wurde, von 19,5 auf knapp 17 pro Tag.

Bei den Ausfällen, Teilausfällen und fehlenden Zugteilen im Fernverkehr ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen: von rund 95 auf 80 betroffene Fernzüge pro Tag. Das sind aber schon keine „Komfortstörungen“ mehr.

Immer mehr Baustellen bremsen die Züge aus

Aus Kundensicht sind allerdings die Verspätungen weiterhin das drängendste Problem – und hier ist der Trend unverändert negativ. Im DB-Fernverkehr wurden in diesem Jahr bislang 65,8 Prozent der Fahrten als pünktlich registriert. Das bedeutete, dass sie exakt zur geplanten Zeit oder um maximal fünf Minuten, 59 Sekunden, verspätet stattfanden. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres betrug die Pünktlichkeitsquote bei ICE-, Intercity- und Eurocity-Zügen immerhin 75,2 Prozent.

Im Fernverkehr steht die Netzregion Ost, zu der Berlin und Brandenburg gehören, traditionell besser da. Experten begründen dies damit, dass die Streckenbelastung in Ostdeutschland etwas geringer als anderswo sei. Aber auch in diesem Bereich ist der Anteil pünktlicher Fernzugfahrten gesunken, wie die bahninternen Daten belegen. Im Vergleich der beiden genannten Zeiträume sank die Quote von 82,9 auf 74,7 Prozent.

Bahn: „Es kann zu Sperrungen von Streckenabschnitten kommen“

Aber auch hier wurde das Ziel einer Pünktlichkeitsquote von mindestens 79,9 Prozent, das die Bahn intern ausgegeben hatte, verfehlt. Es erwies sich bundesweit als illusorisch, wie die Statistik erneut zeigt. Im Oktober hätten sich „die sehr hohe Auslastung des Netzes, intensive Bautätigkeit und externe Störfaktoren (Sabotage Infrastruktur) negativ auf die Pünktlichkeit ausgewirkt“, teilte die Bahn mit.

Aktuell sind es vor allem die vielen Baustellen, die den Verkehr ausbremsen. Hinzu kommen aktuelle Themen, die sich ebenfalls gravierend auswirken. So ist die direkte Verbindung zwischen Berlin und Hannover unterbrochen, nachdem ein Propangastransport am 17. November bei Gifhorn auf einen anderen Güterzug aufgefahren war. Laut Bahn bleibt die Strecke noch bis 16. Dezember gesperrt, Fernzüge werden umgeleitet, zum Beispiel in Richtung Nordrhein-Westfalen über Stendal und Uelzen. Die Fahrzeiten verlängern sich deutlich – um bis zu anderthalb Stunden.

Güterverkehr ist besonders stark betroffen

Am Montag gab die DB außerdem bekannt, dass sie bundesweit weitere 130.000 Betonschwellen überprüft. „Leider werden sich dadurch mutmaßlich weitere Einschränkungen nicht vermeiden lassen: Sollten die Expert:innen Auffälligkeiten entdecken, wird die DB umgehend reagieren. Bis die betroffenen Schwellen getauscht sind, fahren Züge dann in den entsprechenden Abschnitten langsamer. Es kann, sofern erforderlich, auch zu Sperrungen von Streckenabschnitten kommen“, warnte das Unternehmen. Das ist eine weitere Reaktion auf das schwere Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen, bei dem am 3. Juni fünf Menschen getötet und mehr als 60 verletzt wurden. Mängel an den Betonschwellen hatten entscheidend dazu beigetragen.

Besonders dramatisch ist der Trend im Güterverkehr auf der Schiene. Die Zahl der Züge von DB Cargo, die Tag für Tag wegen Problemen auf die Seite gestellt werden, hat sich den Daten zufolge stark erhöht. In diesem Jahr stieg sie auf 146 – im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 91. Laut Vorgabe sollte die Zahl eigentlich auf 65 sinken.