Urlaubsstart am Flughafen BER: Klaviermusik soll Passagiere besänftigen

Die Herbstferien sind eine stressige Zeit am Berliner Hauptstadtflughafen. „Doch das kriegen wir hin“, sagt die Chefin – und erklärt, wie das klappen soll.

Der Fluglotsen-Tower am BER in Schönefeld. Während der Herbstferien werden am neuen Schönefelder Airport, der bald zwei Jahre alt wird, täglich im Schnitt 450 Flugzeuge erwartet.
Der Fluglotsen-Tower am BER in Schönefeld. Während der Herbstferien werden am neuen Schönefelder Airport, der bald zwei Jahre alt wird, täglich im Schnitt 450 Flugzeuge erwartet.dpa/Emmanuele Contini

Der Flughafen Berlin Brandenburg, kurz BER, wird am Freitag zum Konzertsaal. Zum Start der Herbstferien wird in Terminal 1 Klaviermusik zu hören sein, sagte Thomas Hoff Andersson, der für den Betrieb zuständige Geschäftsführer der Flughafengesellschaft FBB. Schauplatz ist die Ankunftsebene vor dem Willy-Brandt-Bild, die auch von abfliegenden Passagieren passiert wird. Zum Ende der Herbstferien in rund zwei Wochen soll eine „Überraschung“, zu der Hoff Andersson jetzt noch nichts sagen wollte, erneut für gute Stimmung sorgen. Gut möglich, dass die Passagiere eine Aufhellung der Laune benötigen werden. Am Mittwoch informierte die FBB darüber, wie sie sich auf die Ferienzeit vorbereitet hat – und was Fluggäste dazu beitragen können, damit alles klappt. 

„Wir wollen unseren Fluggästen so stabile Prozesse wie möglich bieten“, versprach Flughafenchefin Aletta von Massenbach. Zwar sei Corona noch nicht überstanden und mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine sei die nächste Krise da. „Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Doch wir gehen davon aus, dass wir das gut hinbekommen.“

Im Kerngeschäft erwartet der Flughafen BER erstmals einen Gewinn

63 Airlines bieten Flüge zu 128 Zielen in 50 Ländern an. 1,1 Millionen Fluggäste werden vom 21. Oktober bis 6. November am neuen Schönefelder Flughafen erwartet. Das sind rund 450 Flugzeuge mit insgesamt 60.000 bis 80.000 Passagieren pro Tag. Damit sieht es so aus, als ob es ein gutes Jahr wird. Die Vorhersage wurde von 17 Millionen auf 18,6 Millionen Passagiere angehoben. „Und erstmals wird der BER einen operativen Gewinn aus dem Kerngeschäft erzielen“, sagte von Massenbach – eine zweistellige Millionensumme.

Doch Personalengpässe und der eingeengte Luftraum stellen auch zum Beginn der Herbstferien eine Herausforderung dar. „Die Personaldecke bei unseren Prozesspartnern ist ausreichend, aber insgesamt auch nicht sehr üppig“, gestand die Flughafenchefin ein. Kurzfristige Krankmeldungen könnten die Abläufe erschweren. Wie berichtet, kommt das immer wieder vor. Hoff Andersson bestätigte zudem, dass Passagiere abends nicht selten länger aufs Gepäck warten müssen. Weil sich im Laufe eines Tages Verspätungen aufschaukeln, gerate bei den Dienstleistern oft der Arbeitsplan durcheinander. Während das Personal noch mit einem Flugzeug beschäftigt ist, trifft schon das nächste ein.

Feuerwehrleute helfen bei der Verladung von Gepäck

Wie berichtet, kämpfen die von den Airlines beauftragten Bodendienstleister mit Problemen. Zwar haben sie nach der Corona-Flaute neues Personal rekrutiert, aber die hohe Fluktuation selbst im Management, der hohe Kostendruck der Fluggesellschaften sowie die bis zu 20 Prozent hohe Krankenquote machen ihnen zu schaffen.

Ein neuer Service im Flughafen BER: Anzeigetafeln informieren darüber, mit welchen Wartezeiten die Passagiere an den Sicherheitskontrollen rechnen müssen. In Terminal 2 geht es meist am schnellsten.
Ein neuer Service im Flughafen BER: Anzeigetafeln informieren darüber, mit welchen Wartezeiten die Passagiere an den Sicherheitskontrollen rechnen müssen. In Terminal 2 geht es meist am schnellsten.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Oft kommt es vor, dass die Ladegruppen, die pro Flugzeug jeweils bis zu zweieinhalb Tonnen Gepäck ein- und ausladen müssen, nur noch aus zwei Mitarbeitern bestehen. Von vornherein würden zu wenige Männer eingeplant, sagte ein Insider der Berliner Zeitung. „Kürzlich musste die Flughafenfeuerwehr mithelfen, Gepäck zu verladen.“ Die FBB-Mitarbeiter hatten Mitleid mit ihren Kollegen vom Ground Handling.

Damit nicht genug: Inzwischen stapeln sich in den Gepäckkellern wieder Koffer und Taschen, die beim Umladen in Frankfurt oder anderswo liegen geblieben und nicht zusammen mit ihren Besitzern am BER angekommen sind. Zwar konnte der Berg von rund 3800 Gepäckstücken, der im Sommer entstanden war, bis Ende September abgearbeitet werden, so Hoff Andersson. Es kämen aber nun wieder täglich 200 bis 250 Stücke dazu. „Die Kollegen, die das Gepäck ausgeben, sind mit den Nerven am Ende“, so ein Mitarbeiter. „Sie werden von Fluggästen beschimpft, beleidigt und sogar bespuckt.“

Tipp für die Fluggäste: Slot an der Sicherheitskontrolle reservieren

Trotzdem: Die „Flughafenfamilie“ am BER werde es auch diesmal schaffen, hieß es am Mittwoch. „Das kriegen wir hin“, so von Massenbach. Sie und Hoff Andersson zählten auf, wie sich der Flughafenbetreiber FBB, der Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, vorbereitet hat. So haben sich rund 200 Beschäftigte bereit erklärt, das Personal in den Terminals zu verstärken. Als BER-Team unterstützen und informieren die Freiwilligen die Fluggäste. In Stoßzeiten könnten sie auch bei der Gepäckverladung helfen.

Der Geschäftsführer Operations legte den Passagieren die neue Dienstleistung BER Runway ans Herz. Als einziger europäischer Flughafen ermöglicht es der BER, Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle 72 Stunden vorher zu buchen. „Das sollten die Fluggäste nutzen – wie auch die Möglichkeit, sich und das Gepäck selbst einzuchecken“, so Hoff Andersson. Zwölf Airlines bieten dies an, 118 Automaten drucken Bordkarten und Gepäckanhänger aus. Bei Easyjet, Lufthansa sowie Eurowings kann man zudem schon am Abend vor der Reise einchecken. Fluggäste sollten sich im Internet informieren.

Easyjet gehört zu den Fluggesellschaften am BER, die ihren Passagieren anbieten, das Gepäck selbst aufzugeben. Das geht meist zügiger als am Schalter.
Easyjet gehört zu den Fluggesellschaften am BER, die ihren Passagieren anbieten, das Gepäck selbst aufzugeben. Das geht meist zügiger als am Schalter.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Und dann kommt die Frage, die immer kommt: Wann sollten die Passagiere im Terminal sein? „Das hängt vom Ziel und von der Airline ab“, sagt Thomas Hoff Andersson. „Doch wir empfehlen, zweieinhalb Stunden vorher einzutreffen.“ Dann müsste er klappen, der Start in die Herbstferien.