So schnell und pragmatisch können Hürden aus dem Weg geräumt werden: Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) hat am Dienstagmorgen alle beteiligten Behörden einschließlich der Verkehrslenkung Berlin und der Polizei zum Ortstermin am Gleimtunnel gebeten. „Wir brauchen hier das offene Wort, bevor wir Briefe und Mails hin- und herschicken. Sonst kommen wir nicht weiter“, sagte er. Nach nicht einmal 40 Minuten stand dann das Ergebnis fest. Der seit dem Unwetter am 27. Juli 2016 gesperrte Gleimtunnel wird Ende kommender Woche wieder für den Verkehr freigegeben.

Bis dahin aber sind noch einige Arbeiten zu erledigen. Denn Kirchner hat zusammen mit den Bezirken Pankow und Mitte mehrere Verabredungen getroffen. So soll zum Beispiel die Tempo-30-Zone, die in Prenzlauer Berg vor dem Gleimtunnel endet, auch auf den Bezirk Mitte erweitert werden. Dort soll sie die Tempobeschränkung künftig bis zur Graunstraße gelten.

Die Macht der Statiker

Auch das Parken im Tunnel unter den acht ehemaligen Bahnbrücken wird weiter möglich sein. 40 Autos können dort abgestellt werden. Ursprünglich wollte der Bezirk Mitte das Parken dort untersagen, weil die Autofahrer, die dort ihr Fahrzeug abstellen, lange Wege im Tunnel zurücklegen müssen, bis sie einen sicheren Gehweg erreichen. Ein Vorschlag, in die vorhandenen Leitplanken kleine Durchlässe einzubauen, wurde allerdings verworfen. Statiker hatten reklamiert, dass der Schutz der denkmalgeschützten Brücken-Säulen nicht mehr gewährleistet wäre. Kirchner musste das akzeptieren. „Die Macht der Statiker ist ungebrochen“, sagte er. Autofahrer müssen also weiter lange Wege gehen. Verabredet wurde aber, dass in dem 130 Meter langen Tunnel zusätzliche Lampen installiert werden, damit es auf den Bürgersteigen heller und sicherer wird.

Die Finanzierung dafür übernimmt die Groth-Gruppe. Das hat sie am Dienstag zugesagt. Das Unternehmen errichtet am Rand des Mauerparks derzeit für 150 Millionen Euro ein neues Wohngebiet mit 700 Wohnungen. In einem städtebaulichen Vertrag mit dem Senat hatte sich der Projektentwickler verpflichtet, westlich des Tunnels einen Kreisverkehr neu zu bauen, so dass die Zufahrt zu dem Wohngebiet etwa für Müllfahrzeuge sowie die Feuerwehr einfacher ist. Wie der Geschäftsführer der Groth-Gruppe, Bernd Buschko, sagte, standen für die Umbauten der Straße insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung. Von dem Geld wurden im Tunnel auch zwei asphaltierte Radwege angelegt, die statt auf dem Gehweg nun auf der Straße entlangführen. Diese Radwege dürfen künftig von den Autofahrern mitbenutzt werden.

Bleibt noch das Problem neuer Kreisverkehr. In der Mitte ist zwar ein Rondell gepflastert, doch die Bordsteine sind statt drei jetzt fünf Zentimeter hoch – eine Gefahr für Rad- aber auch für Motorradfahrer. Deshalb wurde vereinbart, dass die Bordsteine eine zusätzliche Markierung erhalten, um Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer zu vermeiden. Zudem muss in diesem Bereich der Kreisverkehr noch etwas eingeschränkt und eine Baustelle markiert werden, weil die Arbeiten an einem neuen Wasserkanal erst in etwa vier Wochen abgeschlossen sein sollen. Auch die Zufahrtsstraße zum Wohngebiet soll erst im Frühjahr fertig werden.

„Ich freue mich, dass nach den langen Monaten der Schließung der Gleimtunnel bald wieder eröffnet werden kann“, sagte Kirchner. Durch die Neugestaltung werde die Attraktivität des Straßenzuges für Radfahrerinnen und Radfahrer erhöht. „Sie ermöglicht ein sicheres Nebeneinander von Auto- und Fahrradverkehr.“

Vorrang für Radfahrer

Das könnte am Gleimtunnel nach Einschätzung der Polizei am besten durch eine Fahrradstraße gelöst werden. Die plant Kirchner ohnehin. Aber nicht nur die Gleimstraße, sondern auch die Stargarder Straße soll Fahrradstraße werden. Damit würde parallel zur S-Bahn-Trasse eine durchgehende Radverkehrsverbindung von der Prenzlauer Allee über den Gleimtunnel bis nach Gesundbrunnen entstehen.

Kirchner betonte, dass Autos auf der Fahrradstraße weiter fahren können, Radfahrer hätten dort aber Vorrang und dürften auch nebeneinander fahren. „Für die Einrichtung einer Fahrradstraße brauchen wir aber etwas Zeit. Wir müssen zunächst die Gleimstraße aus dem Netz der Hauptverkehrsstraßen herausnehmen“, so der Staatssekretär.