Taxi fahren soll in Berlin erheblich teurer werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bereitet einen neuen Tarif vor, teilte Sprecherin Petra Rohland auf Anfrage mit. Ziel sei es, dass der Senat die Verordnung im ersten Vierteljahr 2015 beschließt. Intern ist von Ende März oder April die Rede. „Ob das Ziel erreicht werden kann, hängt wesentlich von der Dauer des Abstimmungs- und Anhörungsverfahrens ab“, so Rohland. Doch klar sei: Der neue Taxitarif soll „so rasch wie möglich“ kommen.

Dass die Fahrpreise nicht schon Anfang Januar mit der Einführung des Mindestlohns gestiegen sind, hat sich das Gewerbe selbst zuzuschreiben. Die Taxibranche konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Tarifantrag einigen, was das Verfahren beschleunigt hätte. Stattdessen liegen der Verwaltung zwei Anträge vor, auf deren Grundlage sie nun einen eigenen Tarifentwurf erarbeitet – das nimmt Zeit in Anspruch.

Mindestlohn macht Fahren teurer

Ein Antrag wurde im Oktober vom Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB) eingereicht. Darin wird eine Fahrpreiserhöhung um rund 15 Prozent verlangt. Der zweite Antrag wurde dem Senat im Dezember von der Innung des Berliner Taxigewerbes, Taxi Deutschland Berlin und dem Berliner Taxi Bund zugesandt. Er sieht vor, die Preise sogar um mehr als 30 Prozent anzuheben.

Wie der Senat entscheidet, ist nicht absehbar. Doch die Verbände rechnen mit einer erheblichen Tariferhöhung – die auch nötig sei. „Es trifft vor allem ältere Fahrgäste, die auf das Taxi angewiesen sind, um mobil zu bleiben“, sagte der TVB-Vorsitzende Detlev Freutel. Die Erhöhung wäre aber erforderlich, um die Fahrer auf Mindestlohnniveau (8,50 Euro pro Stunde) bezahlen zu können. Die Branche brauche das Geld, um zu überleben. „Leider hat der Senat uns bisher nicht bei der Bekämpfung der Schwarzarbeit unterstützt“, so Freutel. Zudem lasse er zu, dass die Konkurrenz ansteigt.

Spritpreise könnten auch wieder steigen

„Wir wollen, dass die seriösen Betriebe auf den Beinen bleiben“, sagte Ertan Ucar von Taxi Deutschland. Die Spritpreise, die derzeit niedrig sind, könnten bald wieder steigen. Ucar erwartet nicht, dass viele Kunden wegbleiben. „In anderen deutschen Städten zeigten die Fahrgäste Verständnis dafür, dass der Mindestlohn Preiserhöhungen erforderlich macht.“ Der Verbandschef signalisierte Gesprächsbereitschaft: „Wir wären auch mit einer Erhöhung um 20 Prozent einverstanden.“ Wichtig sei, dass der Berliner Taxitarif rasch geändert wird.

Um das Verfahren zu beschleunigen, zogen die drei Verbände ihren ersten Antrag zurück. Darin hatten sie verlangt, den Kurzstreckentarif abzuschaffen, für bestellte Fahrten einen Zuschlag zu erheben sowie nachts und sonntags höhere Preise zu berechnen. Wartezeit sollte stets Geld kosten – heute ist die erste Minute gratis. Doch der Senat will die Tarifstruktur nicht ändern.

Auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Christian Wiesenhütter, ist dagegen: „Höhere Tarife aufgrund des Mindestlohns sind gerechtfertigt, nicht aber eine Änderung der Tarifstruktur. Der Tarif sollte übersichtlich und für die Fahrgäste zuverlässig berechenbar bleiben.“