Drei Projekte mit Vorrang: Wo das Berliner U-Bahn-Netz wachsen könnte

Politiker hatten befürchtet, dass ein Vorhaben nicht mehr aktuell ist. Doch der Senat widerspricht. Er hat sein Personal zum Jahresbeginn weiter aufgestockt.

Eine U-Bahn im Bahnhof Rathaus Spandau. Seit 1984 ist die Station Endpunkt der U7. Politiker fordern, dass die Tunnelstrecke in die Großsiedlung Heerstraße Nord am westlichen Stadtrand verlängert wird.
Eine U-Bahn im Bahnhof Rathaus Spandau. Seit 1984 ist die Station Endpunkt der U7. Politiker fordern, dass die Tunnelstrecke in die Großsiedlung Heerstraße Nord am westlichen Stadtrand verlängert wird.imago

Das größte U-Bahn-Netz in Deutschland könnte noch größer werden. In Berlin gehen die Planungen für mögliche neue Strecken voran. Damit ein weiteres Projekt vorbereitet werden kann, hat die Senatsverwaltung für Mobilität zum Jahresbeginn ihr Personal aufgestockt. „Damit sind jetzt alle drei prioritären U-Bahn-Planungen in Arbeit“, sagte Jan Thomsen, Sprecher von Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne), am Donnerstag. Es geht um die Verlängerungen der U3 zum Mexikoplatz sowie der U7 zum Flughafen BER und in die Großsiedlung Heerstraße Nord in Spandau.

Beobachter hatten befürchtet, dass der Senat die Strecke in die Spandauer Großsiedlung von seiner To-do-Liste gestrichen hat. Politiker aus dem westlichsten Berliner Bezirk, unter ihnen die Sozialdemokraten Raed Saleh und Stephan Machulik, äußerten Kritik. Sie verwiesen darauf, dass die Trasse von Rathaus Spandau nach Heerstraße Nord bei der Machbarkeitsstudie mit bis zu 40.000 Fahrgästen pro Tag am besten abgeschnitten habe.

Doch Jaraschs Sprecher stellte klar, dass auch an diesem U-Bahn-Projekt gearbeitet werde. „Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist die Stelle besetzt, die sich ausschließlich um dieses Vorhaben kümmern wird“, sagte Thomsen. Zunächst gehe es darum, die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) auszuschreiben. Eine solche Prüfung müsse jedes Nahverkehrsprojekt, für das Geld beim Bund beantragt werden soll, bestehen.

BVG arbeitet an Verlängerung der U3 zum Mexikoplatz

Die beiden anderen U-Bahn-Vorhaben seien bereits gestartet, und auch dort gebe es Personal, hieß es. „Mit dem Doppelhaushalt 2022/2023 wurden zwei neue Stellen geschaffen, die sich explizit mit der Vorbereitung von U-Bahn-Planungen befassen“, erklärte der Verwaltungssprecher.

Die Pläne zu den möglichen Verlängerungen der U7 sowie der U3 zum Mexikoplatz würden also nun parallel vorangetrieben. „Es gibt hier keine Nach- oder Vorrangigkeit, sondern eine Abarbeitung der im Senat verabredeten Prioritäten“, so die Verwaltung.

Allerdings sei der Arbeitsbedarf für den Senat unterschiedlich groß. So werde die Verlängerung der U3 im Südwesten Berlins zusammen mit der BVG Projekt GmbH bearbeitet. „Die ersten Ausschreibungen für Leistungen sind erfolgt“, hieß es.

Dagegen erfordere die mögliche Fortführung der U7 zum BER Abstimmungen mit Akteuren im Nachbarbundesland. Das sei inzwischen mit dem Land Brandenburg, dem Landkreis Dahme-Spreewald, der Gemeinde Schönefeld und der Flughafengesellschaft FBB erfolgt, so der Senat. Berlin übernehme federführend die Aufgabe, die nötige Nutzen-Kosten-Untersuchung in Auftrag zu geben.

Wie berichtet hatten Brandenburger Politiker darauf hingewiesen, dass das Land für das Projekt nicht zuständig wäre. In der Tat läge die Trägerschaft bei der Gemeinde, in diesem Fall bei Schönefeld, bekräftigte die Senatsverwaltung. „Die großen Finanzierungsfragen können erst nach Vorliegen der NKU beantwortet werden, an der sich auch das Land Brandenburg beteiligt.“ In der Tat wird es um viel Geld gehen: Eine Machbarkeitsuntersuchung erwartet Kosten von bis zu 800 Millionen Euro.