Wo bekommt Berlin neue Bahnhöfe? Senat präsentiert Pläne

Im Osten der Stadt wird geprüft, einen früheren Zughalt wiederzubeleben. Auch im Südwesten Berlins sollen Stationen für den Regionalverkehr entstehen.

Ein Regionalexpresszug der Deutschen Bahn fährt in den Hauptbahnhof ein. In Berlin gibt es aber auch noch andere Stationen. Ihre Zahl soll weiter wachsen.
Ein Regionalexpresszug der Deutschen Bahn fährt in den Hauptbahnhof ein. In Berlin gibt es aber auch noch andere Stationen. Ihre Zahl soll weiter wachsen.Sabine Gudath

Berlin – Metropole der Bahnhöfe. Während andere Städte nur einen Hauptbahnhof und wenige andere Stopps besitzen, gibt es hier seit jeher viele dezentrale Stationen für den Zugverkehr. Nun zeichnet sich ab, dass neue Bahnhöfe hinzukommen. Für das Stadtgebiet werden zusätzliche Regionalverkehrshalte geprüft – unter anderem im Osten und im Südwesten von Berlin. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine parlamentarische Antwort der Linken hervor. Doch die Auswahl stößt zum Teil auf Kritik.

Noch fahren die Dieseltriebwagen, die das Ostkreuz und Lichtenberg im Stundentakt mit Blumberg, Seefeld und Werneuchen verbinden, an den Neubaugebieten im Nordosten Berlins vorbei. Erst in Ahrensfelde legen die Züge der Linie RB25 einen Stopp ein. Aber das könnte sich ändern, teilte Verkehrsstaatssekretärin Meike Niedbal (Grüne) jetzt dem Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg mit. „Zur Untersuchung eines potenziellen Regionalverkehrshalts am Bahnhof Marzahn bereitet der Senat die Erarbeitung einer Trassierungsstudie mit der Deutschen Bahn (DB) vor. Der Abschluss wird im ersten Halbjahr 2023 angestrebt“, so die Senatspolitikerin.

Marzahn hatte schon mal eine Bahnstation – mehr als acht Jahrzehnte lang

Derzeit halten in Marzahn ausschließlich S-Bahnen. Würden dort auch Regionalzüge stoppen, bekämen Bewohner des Bezirks Marzahn-Hellersdorf eine schnelle Direktverbindung ins nordöstliche Umland – und Fahrgäste aus Brandenburg verbesserte Optionen fürs tägliche Pendeln. Am Bahnhof Marzahn bieten zwei Straßenbahn- und mehrere Buslinien Anschlüsse, in der Nähe befinden sich Gewerbegebiete. Bereits von 1898 bis 1981 hatten in Marzahn Personenzüge gehalten.

Noch mehr Menschen würden von den möglichen neuen Stationen entlang der Stammbahn im Südwesten profitieren. Die erste Berliner Eisenbahnstrecke, die ab 1838 eine direkte Verbindung über Zehlendorf nach Potsdam schuf, ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Im Mai dieses Jahres beendeten Berlin und Brandenburg das jahrelange Zögern und entschieden, die Trasse für den Regionalverkehr wieder in Betrieb zu nehmen. Dies soll in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre geschehen. Die Länder legten die ebenfalls debattierte Reaktivierung als S-Bahn zu den Akten. „Mit diesem Systementscheid werden die weiteren Planungen nun vorbereitet“, so Niedbal.

Mit dem Regionalexpress nach Zehlendorf, Steglitz und Schöneberg

Dabei geht es auch darum, wo die Regionalzüge zum Ein- und Aussteigen stoppen werden. Als mögliche neue Halte nannte die Staatssekretärin „Düppel-Kleinmachnow, Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg, Südkreuz, Neukölln oder Hermannstraße“. Die drei letztgenannten Stationen würden sich auf der südlichen Berliner Ringbahn befinden, die elektrifiziert und ausgebaut werden soll. Wenn auch auf diesem Teil des Rings elektrischer Regionalverkehr möglich wäre, würde dies weitere schnelle Verbindungen innerhalb des Stadtgebiets, etwa zum Ostkreuz, sowie nach Brandenburg schaffen.

Auf Meike Niedbals Liste steht auch der Regionalbahnhof Buckower Chaussee, den sich der Senat und die südlichen Berliner Bezirke wünschen. Die Station im Ortsteil Marienfelde würde Umsteigemöglichkeiten zwischen dem Regional- und Busverkehr schaffen. Doch die DB ist skeptisch. Ihre Planer befürchten, dass die Zugstopps die Leistungsfähigkeit der neuen Dresdener Bahn, die Berlin ab Ende 2025 mit dem BER, Dresden und Prag verbindet, herabsetzen werden. Schnelle Züge würden sich stauen.

Ähnliche Argumente hatte die Bahn auch gegen den Wunsch vorgebracht, Regionalverkehrszüge in Köpenick halten zu lassen. Weil viele überregionale Güterzüge durch Köpenick rollen, wurden weitere Beeinträchtigungen erwartet. Zudem werde die S-Bahn Fahrgäste verlieren, weil diese auf die schnelleren Regionalexpresszüge umsteigen, hieß es. Doch in diesem Fall setzte sich der Senat durch. Wie berichtet kündigte die DB an, den S-Bahnhof Köpenick vom kommenden Frühjahr an zu einem S- und Regionalbahnhof umzubauen. Mit der Fertigstellung wird für 2027 gerechnet.

Turmbahnhof Karower Kreuz schafft neue Umsteigemöglichkeiten

Ein weiteres Bahnhofsprojekt, das die Staatssekretärin in ihrer Aufzählung nennt, kocht seit Jahrzehnten auf kleiner Flamme. Die Station Karower Kreuz, an der S-Bahnen und Regionalzüge halten werden, entsteht im Nordosten Berlins – dort, wo die Strecke in Richtung Bernau den Außenring überquert. Auf zwei Ebenen, also als Turmbahnhof, soll sie neue Umsteigemöglichkeiten schaffen. Konkrete Termine sind aber nicht in Sicht.

Immerhin soll bis Ende 2023 darüber befunden werden, ob die dort ebenfalls vorgesehene  Nahverkehrstangente dem S-Bahn- oder Regionalverkehr dienen wird. Sie würde Oranienburg mit dem Osten Berlins und dem Flughafen BER verbinden. Zum Teil verläuft die Trasse entlang der Tangentialverbindung Ost, die zwischen Marzahn und Köpenick eine Lücke im Straßennetz schließen soll. Je nachdem, wie die Entscheidung ausfällt, würden S-Bahnhöfe oder Regionalverkehrshalte entstehen, teilte Niedbal mit. Im Gespräch sind unter anderem Springpfuhl, Wuhlheide und Grünau.

Die Ankündigung des Senats, einen möglichen Regionalzugstopp in Marzahn zu prüfen, stößt auf ein unterschiedliches Echo. „Wir brauchen hier in Marzahn-Hellersdorf einen weiteren Regionalbahnhof. Bei aller sorgfältigen Prüfung – wir wollen den Bahnhof auch noch zu Lebzeiten nutzen können“, sagte Gordon Lemm, Kreisvorsitzender der SPD. „Die Planungen müssen jetzt schnell vonstattengehen und dürfen nicht in irgendeinem Hinterzimmer stattfinden. Ich erwarte, dass die Bürgerinnen und Bürger umfangreich und zeitnah informiert werden“, so der SPD-Abgeordnete Jan Lehmann.

Sollen die Züge nicht doch besser in Springpfuhl halten?

Dagegen äußerte sich der Linke-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg kritisch. „Es ist seit Jahren klare Beschlusslage des Bezirks Marzahn-Hellersdorf, dass – wenn ein zusätzlicher Regionalbahnhof errichtet wird – dieser am S-Bahnhof Springpfuhl kommen sollte“, so der Abgeordnete zur Berliner Zeitung. „Dies hätte deutlich mehr Vorteile als lediglich ein zusätzlicher Halt auf der Strecke der RB25 am S-Bahnhof Marzahn.“ In Springpfuhl halten nicht nur S-Bahnen der Linien S7 und S75 und die Straßenbahnen M8 und 18, diese Station liegt auch am Außenring, wo heute schon die RB24 nach Eberswalde und von Dezember an auch nach Schönefeld verkehrt.

Anders als in Marzahn soll dort auch die geplante Nahverkehrstangente verlaufen. Bevor nicht entschieden ist, in welcher Form die neue Verbindung eingerichtet wird, „sollten keine Fakten geschaffen werden“, forderte Ronneburg.