Berlin - Auf der einstigen Rennstrecke Avus fällt ein Streckenrekord nach dem anderen. Gemessen wird dieses Mal allerdings nicht die Geschwindigkeit der Autos, sondern das Tempo der Bauleute. Die sind mit der Erneuerung der Autobahn A 115 so gut vorangekommen, dass die Komplettsanierung der 8,6 Kilometer langen Strecke zwischen der Anschlussstelle Spanische Allee und dem Dreieck Funkturm voraussichtlich schon Ende November abgeschlossen werden kann.

„Es geht gut und zügig voran. Wir werden etwa zehn Monate früher fertig sein als geplant“, sagte am Montag Michael Müller (SPD), Berlins Senator für Stadtentwicklung. Ursprünglich sollte die Avus-Sanierung bis November 2013 dauern.

Für die Autofahrer ist das erst einmal eine gute Nachricht. Allerdings müssen sie sich bis zum Abschluss des Bauvorhabens auf zusätzliche Verkehrseinschränkungen einrichten. Denn der Senat will beim Zeitgewinn nichts riskieren. Laut Müller wird auf der stadtauswärts führenden Fahrbahn der vierte Bauabschnitt deshalb zwischen Hüttenweg und Spanischer Allee vorgezogen.

Baubeginn ist der 24. Juni – die erste Reisewelle zum Beginn der Sommerferien dürfte dann vorbei ein. Gleichzeitig wird stadtauswärts zwischen Funkturm und Hüttenweg noch gearbeitet – dieser Bauabschnitt wird im August fertig.

Mit dem Ferienbeginn wird es auf der Avus erst mal eng. Denn für den Verkehr stehen im südlichen Bereich nur drei Fahrspuren zur Verfügung. Stadtauswärts sind es wie bisher zwei, stadteinwärts gibt es nur noch eine. Als „kurz , aber heftig“ bezeichnet der Senator diese Einschränkung, die die Avus wohl im Berufsverkehr zur Staustrecke machen wird.

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Der frühere Fertigstellungstermin sei das aber wert, so Müller. Nach Angaben von Lutz Adam, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung, steht für den Verkehr eine Alternativroute über Potsdamer Chaussee, Argentinische Allee und Hohenzollerndamm zur Verfügung. „An den Ampeln gibt es eine Vorrangschaltung, sie wird am 24. Juni aktiviert“, sagt Adam.

Doch wie ist es möglich, zehn Monate eher fertig zu werden? War die Bauzeit zu großzügig kalkuliert? Der Senator vernient dies. Vielmehr seien die Wetterverhältnisse sehr gut gewesen, ebenso die Koordination der Arbeiten. „Und man braucht auch etwas Glück.“ Auch die Baufirmen haben allen Grund, schnell zu sein. Denn: Sind sie mindestens zwei Monate eher fertig, steht ihnen eine Extrazahlung von einer Million Euro zu.

Das ist jetzt wohl der Fall. Die Prämie zahlt der Bund, der das gut 25 Millionen Euro teure Projekt finanziert. Wie Müller sagt, werde es solche Bonus-Regelung aber nur bei herausragenden Bauprojekten geben. Bei normalen Stadtstraßen sei ein derartiges Arbeitstempo dagegen kaum möglich, sagen Verkehrsexperten. Denn bei diesen Straßen sind meist noch Wasser-, Strom- und Gasunternehmen beteiligt. Und deren Bauabläufe können Senat und Bezirke kaum beeinflussen.