Berlin - Unser täglich S-Bahn-Chaos gib uns heute! Diesen Stoßseufzer äußerte ein Beobachter der Berliner Verkehrsszene Montag früh im Blog www.drehscheibe-online.de, das derartige Einschätzungen sammelt. An zwei Stellen kam es am Morgen zu Störungen, die dazu führten, dass sich viele Fahrgäste verspäteten. Allerdings war in keinem der beiden Fälle der Zugbetreiber S-Bahn Berlin GmbH verantwortlich.

Es begann damit, dass eine Weiche westlich vom Ostbahnhof gleich zweimal ausfiel – erst von 7 bis 8.15, dann noch einmal von 9.20 bis 11.10 Uhr, wie ein S-Bahn-Sprecher berichtete. Folge war, dass sich auf den Linien S 5, S 7 und S 75 viele S-Bahnen verspäteten oder ausfielen.

Kurz darauf, immer noch im Berufsverkehr, brach im Südosten der Zugverkehr zusammen. Anlass war ein Polizei- und Notarzteinsatz zwischen Schöneweide und Baumschulenweg. Dort war ein Mensch unter eine S-Bahn und dabei ums Leben gekommen. Der fast voll besetzte Zug musste auf freier Strecke evakuiert werden. Von 7.45 bis 9.15 Uhr war der Verkehr auf der S 45, S 46, S 47, S 8 und S 9 unterbrochen.
Pünktlichkeit im August gesunken

„Voller Bahnsteig, keine Durchsagen.“

Reisende versuchten erst, mit Bus oder Straßenbahn weiterzukommen. Doch die BVG bewältigte den Ansturm nicht. „Heute wieder fehlende Fahrgastinfos in Schöneweide“, berichtete ein S-Bahn-Fahrgast im Internet. „Voller Bahnsteig, keine Durchsagen.“ Dann kam der Schienenersatzverkehr ins Rollen.

Kaum eine Woche vergeht ohne Weichenstörung. Erst am Sonnabend war es wieder dazu gekommen – auf der S 1 zwischen Blankenburg und Schönfließ. Nicht die S-Bahn, sondern DB Netz ist für den Fahrweg verantwortlich – auch für die Signale, bei denen es ebenfalls immer wieder Probleme gibt. Experten rätseln, ob auch dies etwas mit mangelhafter Wartung zu tun hat – oder mit der Tatsache, dass jede Technik einmal ausfallen kann.

Nach der jüngsten Bilanz des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg ist der Anteil pünktlicher S-Bahnen im August von 92,8 auf 90 Prozent gesunken. Die Verschlechterung sei auch auf Infrastrukturstörungen zurückzuführen, es gebe aber auch andere Ursachen. So durften Züge statt Tempo 80 nur 60 fahren, weil sie nicht mehr genug Bremssand zur Verstärkung der Bremswirkung an Bord hatten. Dies habe oft mit Baustellen zu tun, die Fahrten in die Werkstatt zum Sandauffüllen erschweren, erklärte S-Bahn-Chef Peter Buchner.