Berlin - Die Grünen wollen die S-Bahn attraktiver machen. Sie haben ein Konzept vorgelegt, das die Wartezeiten für die Fahrgäste verkürzen soll – ohne dass mehr Wagen bestellt werden müssten. Dies soll möglich werden, indem die S-Bahn-Züge mit weniger Wagen als heute fahren.

Nutzen für die Reisenden: Sie brauchen für ihre Wege weniger Zeit. „So können langfristig 75 Millionen Fahrgäste pro Jahr zusätzlich gewonnen werden“, sagt Matthias Dittmer von der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität der Berliner Grünen, die das neue Konzept ausgearbeitet hat – als Teil des grünen Leitbilds „Mehr Stadt zum Leben“.

Der Untertitel lautet: „Mobilität im Jahr 2028“. Bis dahin wird die Zahl der Berliner auf mehr als vier Millionen steigen – eine halbe Million mehr als heute. Der Druck auf den Verkehr wächst, so die Grünen.

Kein Zwang gegen Autofahrer

Zugleich steht für sie fest, dass der Anteil des Autos am Verkehr halbiert werden müsse. Die UN-Klimakonferenz in Paris habe beschlossen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Doch von Zwangsmaßnahmen gegen den Autoverkehr will Dittmer nicht sprechen. Es gehe um Angebote, die es einfacher machen sollen, sich umweltfreundlich zu bewegen.

Zum Beispiel zu Fuß: Die Grünen fordern Zebrastreifen – auf ausgewählten Straßen alle 100 Meter, außerdem an allen Einmündungen und Kreuzungen. Wie berichtet, soll das Straßenbahnnetz um 41 Kilometer wachsen. Die U-Bahn müsse im 3,3-Minuten-Takt verkehren. Auch die S-Bahn soll häufiger fahren als jetzt.

Mindestens alle fünf Minuten eine S-Bahn

In Berlin sollen die Züge auf allen Abschnitten tagsüber mindestens alle fünf Minuten verkehren, im Umland bis spätabends alle zehn Minuten. „So erhält die S-Bahn die heutige Taktdichte der U-Bahn“, heißt es in dem Leitbild. Nur wenige Abschnitte würden ausgenommen, so Spindlersfeld-Schöneweide und Grunewald-Nikolassee.

Um das Angebot zu verbessern, würden 240 zusätzliche Fahrerstellen benötigt, aber keine zusätzlichen Wagen im Vergleich zu der bisherigen Planung. Grund: „Die Züge werden bedarfsgerecht verkürzt“, so die Grünen. Auf Hauptlinien wie der S 1, S 3, S 5 und der S 7 sollen sie sechs Wagen haben, auf Nebenlinien wie der S 46, S 8 und S 9 vier Wagen. Die Grünen fordern auch, den zweiten Nordsüd-Tunnel, der vom Nordring zunächst nur zum Hauptbahnhof führen soll, zum Potsdamer Platz und bis jenseits vom Gleisdreieck zu verlängern. Zudem müssten 380 Millionen Euro ins Netz investiert werden. Auch sollen alle eingleisigen Abschnitte zweigleisig ausgebaut werden.

Doch die Ausgaben würden sich lohnen, denn die zusätzlichen Kunden bringen mehr Fahrgeld in die Kasse: pro Jahr 56,5 Millionen Euro.