Verkehrsplanung in Berlin: Dänische Planer wollen Berliner Straßen sicherer machen

Sie haben schon viele Straßen umgeplant, weltweit vielerorts Platz für Radfahrer und Fußgänger geschaffen. Der Gründer des Unternehmens, der Däne Jan Gehl, überzeugte die Stadtväter Kopenhagens , aus einem innerstädtischen Straßenzug alle Autos zu verbannen – so entstand 1962 der Strøget, heute eine der ältesten Fußgängerzonen der Welt. Jetzt werden Gehl Architects, die weiterhin in der dänischen Hauptstadt residieren, auch in Berlin tätig. Die Planer beteiligen sich an Workshops, in denen ausgelotet wird, wie der Straßenraum neu aufgeteilt werden könnte – zugunsten von Fußgängern und Radfahrern.

Schönhauser Allee ist gefährlich

„Es geht nicht um teure Umplanungen, wir wollen keinen riesigen Aufwand“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Mittwoch. „Es geht darum, neue Formen für den Umgang mit öffentlichem Raum zu entwickeln“ – damit alle Nutzer künftig besser miteinander zurechtkommen als jetzt.

In den beiden Workshops befassen sich Planer und Betroffene mit Bereichen in den Bezirken Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf, die als Hotspots des Berliner Verkehrs bekannt und berüchtigt sind. Laut Gaebler geht es zum einen um die stark belastete Schönhauser Allee, die in Prenzlauer Berg und Pankow durch dicht besiedelte Stadtviertel führt, in denen die meisten Menschen kein eigenes Auto haben.

Die schmalen Radwege reichen für die Radfahrermassen schon lange nicht mehr aus, die Mini-Fahrstreifen auf den Bürgersteigen gelten als Unfallschwerpunkt. „Auch Straßenbahnen sind auf der Schönhauser Allee unterwegs“, so der Staatssekretär. Belange des Nahverkehrs müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Viele Auto-Pendler nutzen die Allee als Ausfallstraße.

Lieber nicht durch den Tunnel

Im zweiten Workshop mit Gehl Architects aus Kopenhagen wird es um die große Straßenkreuzung gehen, die sich zwischen dem Zentralen Omnibusbahnhof und der Messe erstreckt. Fußgänger müssen den Messedamm und die anderen Straßen in einem orange gefliesten Tunnel unterqueren, dessen düstere 1970er-Jahre-Atmosphäre nicht jeder schätzt. Darum laufen viele Fahrgäste lieber oberirdisch über die Straßen zum Busbahnhof – was wiederum Gefahren mit sich bringt.

Auch für diesen neuralgischen Bereich ist keine einfache Lösung in Sicht, so Gaebler. „Doch es ist gut, über die Probleme zu sprechen.“