Es gibt Tage im Leben eines Fußgängers, da könnte alles sehr schnell zu Ende sein. Man kann auch sagen, es gibt Orte in Berlin, die darauf angelegt sind, das Leben eines Fußgängers möglichst schnell zu beenden.

Die Fußgängerampel am Spittelmarkt ist so einer. Man kann die achtspurige Leipziger Straße nicht in einem Rutsch überqueren. Jedenfalls nicht, ohne zu rennen oder sich verkehrswidrig zu verhalten. Natürlich versuchen es trotzdem jeden Tag Menschen. Schon wenn die Ampel nur für das Teilstück hinter der Mittelinsel grün für Fußgänger anzeigt, rennen sie los. Aber gerade jetzt legt der Abbiegeverkehr los.

Nichts als als Bremsfaktoren im motorisierten Verkehr

Die Autofahrer sind genervt, weil sie an dieser Ampel immer im Stau stehen. Sie bremsen nicht. Oder jedenfalls nur im äußersten Notfall.

Hält man sich an die Regeln und wartet auf grün auf dem ersten Teilstück der zu überquerenden Fahrbahnen, ist es nicht besser. Unweigerlich bleibt der Fußgänger auf der Mittelinsel stecken. Ein dünnes Teil ist das, viel zu schmal. Es wird einem Angst und Bange, wenn der Verkehr rings herum tost. Man kann sich nur hinter dem schmalen Mast der Ampel verstecken.

Wer an dieser Stelle der Stadt täglich versucht, die Straße zu überqueren, kann nicht glauben, dass Fußgänger in Berlin ernsthaft erwünscht sind. Hier sind sie nichts als lästige Hindernisse, Bremsfaktoren, im motorisierten Verkehr störend und deshalb einfach nicht vorgesehen. Die Leipziger Straße ist ein Extrembeispiel, das ist sicher richtig. Aber es gibt mehr solche Beispiele in der Innenstadt, Schneisen, die die Stadt durchziehen. Es wird Zeit sie umzubauen, denn die Ära der autogerechten Stadt ist vorbei.