Von hier aus haben wir einen großen Teil des Berliner Verkehrs im Blick. Auf einem Teil der Bildschirmwand können wir sehen, ob es in den Autobahntunneln und im Tunnel unterm Tiergarten Stau gibt. Dort sind Kameras montiert, auch an den Dreiecken Neukölln und Charlottenburg. Meist sehen wir Autos, Lkw, Motorräder. Wir haben auf den Bildschirmen auch schon Menschen entdeckt, die da nicht hingehören. Mit dem Rad durch den Tiergartentunnel, das kommt vor, nicht nur bei Regen. Einmal mussten wir den Tunnel sperren, weil da ein Fußgänger herumtorkelte.

Vor Jahren bekamen wir von der Polizei einen aufgeregten Funkspruch, dass im Tunnel Ortskern Tegel eine ganze Gruppe von Fußgängern gesehen worden ist. Auf unseren Bildschirmen haben wir nichts entdeckt, aber damals waren die Kameras auch noch nicht schwenkbar. Schließlich kam heraus, dass eine Schulklasse von der Auffahrt Waidmannsluster Damm aus in den Tunnel gelaufen war. Mit Lehrerin! Was die da wollten, weiß ich nicht. Auch auf anderen Autobahnen haben wir schon Fußgänger gesehen. Einige waren alkoholisiert, andere nicht.

Aber natürlich haben wir die Kameras vor allem, um den Verkehr zu beobachten. Auf der A 113 aus Schönefeld gibt es vor dem Dreieck Neukölln an jedem Arbeitstag Stau. Um den Verkehr zu dosieren, wird am Dreieck Neukölln fast täglich ein Fahrstreifen Richtung Zentrum gesperrt. Damit sorgen wir dafür, dass der Tunnel Ortsteil Britz, der sich anschließt, nicht mit Autos zuläuft. Das wäre der Super-GAU: ein Feuer im zugestauten Tunnel! Wenn der Verkehr trotzdem immer noch stockt, müssen wir auch die Tunnelzufahrt sperren. Nicht schön für die Pendler, aber es geht nicht anders.

Auf der A 111 im Norden haben wir zwei Verkehrsspitzen: morgens und nachmittags, immer stadteinwärts. Meist sperren wir morgens die Einfahrt Antonienstraße, damit es im benachbarten Tunnel unterm Flughafen Tegel keine Probleme gibt. An der unterirdischen Einmündung in die A 111 gibt es nur einen Fahrstreifen aus jeder Richtung, der Verkehr würde sich weit zurückstauen. Auch die Auffahrt Siemensdamm muss häufig gesperrt werden, damit es auf der Überleitung zur A 100 keinen Stillstand gibt.

Die Stadtautobahn muss wirklich viel Verkehr verkraften. Es funktioniert irgendwie, was vor allem an den Autofahrern liegt. Die Berliner wissen, wie man sich verhält, damit der Verkehr fließt. Dass man zum Beispiel nicht ständig die Fahrspur wechselt. Wenn aber ein Unfall passiert, ist die A 100 sofort dicht.

Ob wir von hier aus Staus verhindern können? Ja, das ist möglich. An der Ausfahrt Innsbrucker Platz gibt es öfter Stau, weil dort viele von der Autobahn abfahren. Wir können das Ampelprogramm so beeinflussen, dass der Verkehr leichter abfließt.

An Wochenenden und in den Sommerferien ist weniger los. Langweilig wird es trotzdem nicht, denn es passieren auch andere Dinge. Ampelausfälle zum Beispiel. Auf einem anderen Teil der Bildschirmwand sehen wir, wie die Lage ist. Ein grünes Quadrat bedeutet: Ampel funktioniert. Ein rotes Quadrat zeigt einen Ausfall an, dann verständigen wir die Firma Alliander Stadtlicht, die für Reparaturen zuständig ist.

Bei Nässe wird es kritisch

Wenn es viel regnet, haben wir mehr Ausfälle als sonst. Auch bei Gewitter. Und wenn es plötzlich warm wird. Fast 2 100 Lichtsignalanlagen gibt es in der Stadt, wir können aber nicht alle von hier aus beeinflussen. 59 Ampelanlagen bezeichnen wir intern als „Dirigenten“. Dort laufen feste Programme, und sie melden uns auch nicht, wenn mal etwas nicht funktioniert. Da sind wir darauf angewiesen, dass jemand anruft und uns sagt: Die Ampel ist aus!

In der Verkehrsregelungszentrale arbeiten wir mit Polizeibeamten zusammen. Das ist bei Staatsbesuchen wichtig. Es gibt mehrere Routen, auf denen Gäste vom Flughafen Tegel ins Regierungsviertel fahren können. Welche es wird, erfahren wir erst kurz vorher. Ein Polizeifahrzeug fährt dem Konvoi voraus. Wenn es auf eine Ampel zugeht, meldet das Spitzenfahrzeug per Funk: Ampel aus! Dann schaltet die Polizei die Ampel von hier aus dunkel und später wieder ein.

Auch in dieser Woche hatte ich zu verschiedenen Zeiten Dienst. Mal tagsüber von 6 bis 18.15 Uhr, mal von 18 bis 6.15 Uhr. Ich komme mit dem Auto von Rudow hierher. Ob ich Probleme mit Staus habe? Nein! Wenn ich fahre, läuft alles gut. Noch.

Notiert von Peter Neumann.