Berlin - Sie werden immer mehr: Seit 2001 wurden in Berlin viele Zebrastreifen neu markiert. Nun kommt eine weitere Bestmarke in Sicht: „Der 300. Überweg wird im Januar in Prenzlauer Berg freigegeben,“ sagte Daniela Augenstein, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Rund 70 weitere Projekte sind in Vorbereitung. Mit Kosten von durchschnittlich 30 000 Euro sind Zebrastreifen viel preiswerter als Ampelanlagen. Unsicherer sind sie nicht, wie neue Zahlen der Polizei jetzt zeigen. Von den 1 665 Unfällen mit Fußgängern, die es von Januar bis Ende September in Berlin gab, ereigneten sich gerade mal 24 an Zebrastreifen.

Sie wurden mit Flammenwerfern traktiert, mit Asphalt zugedeckt oder weggefräst. Viele hundert Zebrastreifen verschwanden in Berlin, weil sie als unsicher galten und Autos ausbremsten. Gab es 1967 allein im Westen der Stadt mehr als 700 Fußgängerüberwege, so waren vor knapp 13 Jahren in ganz Berlin nur noch 103 übrig. Doch dann kam die Trendwende.

In der Senatsverwaltung setzten sich Verkehrsplaner durch, die mehr für die Fußgänger in Berlin tun wollen – schließlich werden mehr als ein Viertel aller Wege in der Stadt per pedes zurückgelegt. Sie setzten durch, dass wieder Zebrastreifen geplant werden, damit Fußgänger sicherer über die Straßen kommen.

Ampeln sind viel teurer

Zwar waren die Überwege in Berlin anfangs kostspieliger als anderswo in Deutschland. So forderte eine spezielle Norm, dass die Lichtmasten in Berlin aus dickerem Stahl sein müssen. Doch unterm Strich waren Zebrastreifen auch damals nicht so teuer wie Ampeln, deren Bau stets sechsstellige Beträge erfordert.

Die Ingenieurin Jutta Schramm, die in Dresden ihre Diplomarbeit über das für DDR-Verhältnisse ungewöhnliche Thema Verkehrsberuhigung geschrieben hat, koordiniert bis heute für den Senat die Planung. „Ich laufe selber sehr gern“, erzählt die Bohnsdorferin. „Ich wundere mich immer wieder, wie weit man in kurzer Zeit zu Fuß kommen kann.“

Schramm und ihre Mitstreiter in den Bezirken haben erreicht, dass es inzwischen schon wieder mehr als 400 Zebrastreifen in Berlin gibt.

Kaum Unfälle mit Fußgängern

„Anfang 2014 werden wir mit den Bezirksämtern darüber sprechen, wo die nächsten Zebrastreifen entstehen“, sagte Daniela Augenstein. Sie ist zuversichtlich, dass in den ersten Monaten 15 bis 20 Überwege dazukommen. Für das ganze Jahr stehen 1,3 Millionen Euro parat. Ursprünglich sollte der Haushaltstitel gekürzt werden – 2014 auf eine Million Euro. Doch das ließ sich verhindern.

Dass Zebrastreifen unsicher sind, wurde inzwischen widerlegt. „Sie schaffen zusätzliche Sicherheit für Fußgänger, wenn die Autofahrer gute Sicht auf den Überweg haben und die Straße nur eine Fahrspur pro Richtung hat“, sagte Siegfried Brockmann, der beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Unfallforschung leitet.

„Die Bilanz für die Zebrastreifen sieht sehr gut aus. Die Zahl der Unfälle, die sich dort ereignen, ist überschaubar“, so Andreas Tschisch von der Berliner Polizei. An 133 der 157 Unfälle, die sich von Januar bis Ende September an Berliner Zebrastreifen ereigneten, waren keine Fußgänger beteiligt. Ein typischer Fall sieht so aus: Ein Auto hält, ein anderes fährt auf. Tschisch: „Wenn man die niedrigen Kosten mit dem großen Nutzen in Relation setzt, sind Zebrastreifen eine gute Investition.“