Sechs Wochen lang war es vor den Berliner Schulen ziemlich ruhig. Doch jetzt hat der Unterricht wieder begonnen – und das morgendliche Verkehrschaos ist zurückgekehrt. „Eltern fahren mit ihren Autos viel zu schnell vor, halten oder parken im Halteverbot. Dann lassen sie ihr Kind auf der falschen Seite, zur Straße hin, aussteigen“, berichtete Polizeidirektor Markus van Stegen, der im Stab der Polizeipräsidentin den Sachbereich Verkehr leitet.

Die Polizei reagiert darauf wie zu Beginn jedes Schuljahres: mit Geschwindigkeitskontrollen, aber auch mit Aufklärung und Gesprächen. „In der nächsten Woche werden wir wieder verstärkt vor Schulen präsent sein“, sagte van Stegen.

Kindersitze nicht genutzt

An dem Trend, Kinder nicht mehr zur Schule laufen zu lassen, sondern ins Auto zu verfrachten, hat sich nichts geändert, so der Polizeidirektor. Auf dem Weg zur Arbeit fahren Eltern schnell bei der Schule vorbei. Die Begründung sei meist, dass der Verkehr für Kinder zu gefährlich sei.

Doch oft entstünden erst dadurch Gefahren. „In den Autos werden nicht immer die vorgeschriebenen Rückhaltevorrichtungen genutzt“, sagte van Stegen. Kinder seien nicht angeschnallt oder ohne Kindersitz unterwegs. Der morgendliche Auftrieb der „Elterntaxis“ kann anderen Verkehrsteilnehmern ebenfalls gefährlich werden. Auch darauf will die Polizei hinweisen.

„Viele Eltern reagieren einsichtig“, so van Stegen. „Aber es gibt auch Uneinsichtige.“ Mal heißt es, dass man verschlafen habe und keine Zeit habe. Andere sagen, dass sie schnell ins Büro müssten – da könne es vorkommen, dass man sich nicht an Tempo 30 halten kann.

In der ersten Woche des vergangenen Schuljahres hatte die Berliner Polizei mehr als 8 200 Raser in der Nähe von Schulen erwischt. Rekord: 89 Kilometer in der Stunde. Die Polizei stoppte 7 315 Kraft- und 2 382 Radfahrer wegen „Fehlverhaltens“. Unter anderem leitete sie mehr als 1 270 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, weil Kinder im Auto nicht richtig gesichert waren, hieß es.

„ABC-Schützen schützen“: Unter diesem Motto wirbt die Landesverkehrswacht für mehr Aufmerksamkeit gegenüber Erstklässlern. Schulanfänger erhalten gelb reflektierende Sicherheitskragen, an BVG-Bussen und anderen landeseigenen Fahrzeugen prangen Aufkleber mit dem Slogan. Zum Schulstart verteilt der Verkehrsclub Deutschland eine Mobilitätsfibel. Sie gibt Hinweise, wie Kinder sicher unterwegs sein können (Bestellung: Tel. 446 36 64).

Senioren, die neue Risikogruppe

„Wir haben alle Verantwortung“, warb Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. Wie berichtet bereitet der Senat ein neues Verkehrssicherheitsprogramm vor. Doch die Anstrengungen könnten größer sein, hieß es bei der Polizei. Seit 2005 liege die Verantwortung für die Jugendverkehrsschulen bei den Bezirken, die sich nicht immer gut darum kümmern. Woanders würden Landesverkehrswachten vom jeweiligen Bundesland unterstützt, in Berlin nicht.

„Kinder sind eine Risikogruppe“, sagte van Stegen. Doch mehr und mehr rücken die Älteren ins Blickfeld. „Um die Senioren werden wir uns verstärkt kümmern.“