Berlin - Mehr Unfälle, mehr Verkehrstote: Die Bilanz der Polizei für den Berliner Straßenverkehr, die am Freitag vorgestellt wurde, sieht nicht gut aus. Künftig will der Senat für mehr Disziplin auf den Straßen sorgen. Geplant sind mehr stationäre Blitzer und ein größeres Einsatzgebiet für die Fahrradstaffel der Polizei, sagte Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Zudem setzt sich Berlin auf Bundesebene für höhere Verwarnungs- und Bußgelder ein: „Zweistellige Eurobeträge reichen nicht aus. Wir brauchen Summen, die stärker abschrecken.“

Sicher, früher war es dramatischer. 1953 starben allein im Westen Berlins 274 Menschen bei Unfällen. Damals durfte jeder auch in Städten so schnell fahren, wie er konnte. 1971, vor Einführung der Gurtpflicht, starben sogar 532 Menschen im Berliner Verkehr, davon 119 in den Ostbezirken. Dagegen war die Zahl der Toten im vergangenen Jahr niedriger: 56. Doch es sind acht Tote mehr als im Jahr davor – so hoch war die Zahl seit 2007 nicht.

„Hinter jeder Zahl stehen Schicksale von Menschen“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt. Von Menschen, die getötet werden, die bleibende Schäden erleiden oder Angehörige verlieren. Die Bilanz zeige, dass die Lage unverändert ernst sei. So stieg die Zahl der Unfälle um 2,5 Prozent – es krachte 144.000 Mal. In fast 32.500 Fällen flüchteten die Verursacher – im Vergleich zu 2001 ein Zuwachs um 28 Prozent. Die Zahl der schwer Verletzten blieb mit 2086 fast gleich, die der leicht Verletzten sank leicht auf 15.262.

„Vielen fehlt es an der nötigen Konzentration“, so der Polizeichef. Es werde zu wenig Rücksicht genommen. Und es gebe immer mehr Leute, die grundsätzlich und nachhaltig Verkehrsregeln missachten.

Das ist ein Lamento, wie es oft zu hören ist. Falsch ist es aber deshalb nicht. So führt eine besonders gefährliche Form der Rücksichtslosigkeit in Berlin immer öfter ins Unglück: Die Zahl der Raser-Unfälle stieg um elf Prozent. Den Raser-Rekord erzielte ein Autofahrer, der auf der A100 an der Beusselstraße mit Tempo 187 geblitzt wurde – erlaubt war Tempo 80. Gegen illegale Rennen gab es 612 Polizeieinsätze.

200 Millionen Euro für den Radverkehr 

Derzeit stehen 20 stationäre Blitzgeräte an Berlins Straßen. Senatspolitiker Gaebler will sich bei den kommenden Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass zügig weitere Blitzersäulen installiert werden – drei bis sechs pro Jahr.

Doch es gehe nicht nur darum, mehr Autofahrer festzustellen, die zu schnell sind oder bei Rot fahren: Sie müssten auch härter bestraft werden. „Heute bewegen sich die Verwarnungs- und Bußgelder oft auf einem lächerlichen Niveau“, so der Staatssekretär der Innenverwaltung. Mit den anderen Stadtstaaten will Berlin erreichen, dass Verkehrsverstöße teurer werden.

Im vergangenen Jahr starben in Berlin 17 Radfahrer – sieben mehr als im Jahr davor. Dagegen sank die Zahl der schwer verletzten Radler um 35 auf 583, die der leicht Verletzten um 67 auf 4673. „Ein Grund, sich zurückzulehnen, ist das aber nicht“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther. Die von den Grünen nominierte Politikerin bekräftigte, dass der Senat während dieser Wahlperiode etwa 200 Millionen Euro für den Radverkehr ausgeben will. Weitere Radfahrstreifen werden markiert, die zum Teil vom Autoverkehr getrennt werden – zum Beispiel in der Frankfurter Allee.

Fahrradstaffel wird verstärkt

Am Freitag wurde erstmals bestätigt, dass die ursprünglich bis zum Sommer 2017 befristete Fahrradstaffel der Polizei dauerhaft erhalten bleibt. Die 20 Polizisten, die aktuell in der City Ost mit Pedalkraft Streife fahren und bislang von ihren früheren Dienststellen ausgeliehen wurden, erhalten reguläre Stellen. Zudem soll die Fahrradstaffel verstärkt werden, sagte Gaebler. „Wir werden den Einsatzbereich ausweiten.“ Im Gespräch sei, dass er künftig die gesamte Innenstadt innerhalb des S-Bahn-Rings umfasst.

Die Fahrradstaffel habe nicht nur die Radfahrer im Auge, sagte Kandt. „In zwei Drittel der Fälle geht es um Verstöße von Kraftfahrern.“ Die Staffel leiste „anerkannte Arbeit“, sie sei ein Erfolgsmodell: „Keine andere Einheit der Polizei hat eine so positive Resonanz.“