Berlin - Berlins Straßenverkehr ist im vergangenen Jahr gefährlicher geworden. Das geht aus der Verkehrsunfallbilanz für 2018 hervor, die am Montag von Polizeipräsidentin Barbara Slowik vorgestellt worden ist. Aus den offiziellen Daten geht hervor, dass sowohl die Zahl der Zusammenstöße als auch die Zahl der Verletzten und Toten zugenommen hat.

45 Menschen starben im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in Berlin, das sind neun mehr als im Jahr zuvor. In 13 Fällen handelte es sich um Senioren, auch zwei Kinder kamen ums Leben. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 2317 auf 2542, die der Leichtverletzten nahm von 15.062 auf 15.630 zu, hieß es.

Dabei hat die rot-rot-grüne Koalition die Vision Zero als verkehrspolitisches Leitbild ausgerufen. Ziel ist, dass sich im Berliner Straßenverkehr keine Kollisionen mehr ereignen, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet werden. Es wurde im Mobilitätsgesetz, das im Juli 2018 in Kraft trat, verankert. Doch die Entwicklung läuft in die andere Richtung.

Polizeipräsidentin findet auch positive Aspekte

Erneut zeigte sich, dass Menschen, die ohne Blechumhüllung und Airbag unterwegs sind, besonders gefährdet sind. „Drei Menschen kamen in einem Pkw ums Leben, 30 als Fußgänger oder Radfahrer“, berichtete Slowik. So starben laut Polizei 19 Menschen, als sie zu Fuß in Berlin unterwegs waren. Auch dies stellt einen Anstieg dar, denn im Jahr davor waren 13 Fußgänger im Berliner Straßenverkehr getötet worden. Die Zahl der Radfahrer, die ums Leben kamen, nahm von neun auf elf zu. Die Zahl der schwer verletzten Radfahrer stieg im Jahresvergleich von 627 auf 743, die Zahl der leicht verletzten Radler von 4350 auf 4886.

Die Polizeipräsidentin bemühte sich, auch auf positive Aspekte hinzuweisen. So nahm die Zahl der Kollisionen zwar erneut zu – um 0,63 Prozent auf 144 325. „Doch das ist die geringste Steigerungsrate seit Jahren“, so Slowik. Zudem blieb der Anstieg hinter der Zunahme der Berliner Einwohnerzahl, die mit einem Prozent beziffert wurde, zurück. „Berlin ist eine lebenswerte Stadt und trotz der Zunahme der Unfallzahl grundsätzlich sicher“, sagte sie. Sicher sei jeder Verkehrstote einer zu viel. Doch außer Bremen gebe es kein Bundesland, in dem umgerechnet auf die Bevölkerungszahl so wenige Menschen im Straßenverkehr starben wie in Berlin. Im Nachbarland Brandenburg ist das Risiko fast fünfmal so hoch, so die Polizei.

Innensenator Geisel kündigt Verstärkung der Fahrradstaffel an

Doch es gibt auch andere Einschätzungen. 18 Prozent Anstieg der Schwerverletzten im Radverkehr von 2017 bis 2018: So sehe die Bilanz der von der SPD geführten Innenverwaltung und der grünen Verkehrsverwaltung aus, twitterte Heinrich Strößenreuther von der Initiative Clevere Städte. „Auch wenn der Vergleich makaber ist: So viele Menschen, wie ein Terrorist 2016 auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz tötete, so viele sterben im Berliner Verkehrsalltag alle drei Monate,“ sagte Roland Stimpel, Sprecher des Fachverbands Fußverkehr Deutschland (FUSS). „Es reicht nicht, dass Berlin ein Mobilitätsgesetz verabschiedet hat. Die Veränderung muss endlich auch auf der Straße ankommen“, so Lara Eckstein vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) kündigte an, dass die Polizei eine Direktion für den Verkehr einrichtet. Zudem soll die Fahrradstaffel, die derzeit 20 Beamte zählt, bis zum Ende der Legislaturperiode personell verstärkt werden – Zahlen nannte Geisel mit Hinweis auf die Haushaltsberatungen nicht. Bereits in diesem Jahr soll der Aktionsradius der Staffel über Mitte hinaus nach Kreuzberg ausgeweitet werden.
Allerdings gelten die Verkehrsregeln auch im Radverkehr, sagte der Innensenator. Bei rund 50 Prozent der Fahrradunfälle in Berlin tragen Radfahrer die Haupt- oder zumindest eine Teilschuld.