Berlin - Der Berliner Straßenverkehr ist sicherer geworden. Das geht aus der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr hervor, die die Polizei am Donnerstag präsentierte. Demnach sterben in Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern und deren Einwohnerzahl am wenigsten Menschen bei Unfällen. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 37 Verkehrstote (neun pro eine Million Einwohner). Das ist die niedrigste Zahl seit Einführung der Statistik. Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 37, in Brandenburg sterben 64 Menschen pro eine Million Einwohner.

130 930 Mal krachte es auf Berlins Straßen, das ist eine leichte Zunahme um 0,11 Prozent. Allerdings ist die Zahl der Verletzten um 3,22 Prozent zurückgegangen. Und das, obwohl Berlins Einwohnerzahl steigt und von Jahr zu Jahr mehr Touristen die Hauptstadt bevölkern. „Das ist ein guter Trend, den wir verstärken wollen“, sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD). Dazu zähle der Ausbau der Infrastruktur, etwa ausreichend dimensionierte Fahrradstreifen und Übergangsstellen für Fußgänger. Auch wenn Berlin im Bundesvergleich am besten dasteht, entstand Berechnungen zufolge durch Unfälle ein volkswirtschaftlicher Schaden von 1,22 Milliarden Euro.

Albtraum-Kreuzungen in der Stadt

Die meisten Unfälle mit Verletzten und Blechschäden gab es am Ernst-Reuter-Platz (387), am Jakob-Kaiser-Platz (254) in Charlottenburg und am Großen Stern (225) in Tiergarten. Dies hängt unter anderem mit den unübersichtlichen Fahr- beziehungsweise Abbiegespuren zusammen. Baulich sehen Gaeblers Verkehrsplaner allerdings keine Möglichkeiten, die Verkehrsführung zu entwirren, ohne die Durchlassfähigkeit dieser Kreuzungen zu beeinträchtigen.

Doch auch andere Kreuzungen in der Stadt sind für Verkehrsteilnehmer ein Albtraum. Etwa die Kreuzung Bornholmer Straße, Schönhauser Allee, Wisbyer Straße, wo bei 26 Unfällen 28 Menschen leicht und einer schwer verletzt wurden. Hauptursachen aller Unfälle sind falsches Abbiegen, Missachten der Vorfahrt und Trunkenheit am Steuer. Laut Polizeipräsident Klaus Kandt gibt es gerade beim Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss eine hohe Dunkelziffer. „Wir schätzen, dass nur jede 400. Fahrt unter Alkohol und jede 1 000. Fahrt unter Drogeneinfluss entdeckt wird. „Wir werden in den nächsten Jahren unsere Mitarbeiter weiter qualifizieren, damit sie die Kompetenz bekommen, Fahrer unter Drogeneinfluss zu erkennen.“

Raserei bleibt eines der Hauptprobleme

Auch Rasen ist Hauptursache für Verkehrsunfälle. Bei mehr als 20 000 Geschwindigkeitskontrollen im vergangenen Jahr wurden erneut Spitzenwerte gemessen: Auf der A 100 in Charlottenburg hatte es ein Autofahrer besonders eilig und überschritt die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde um 103 km/h. Auf einer 50er-Strecke in der Lichtenberger Rhinstraße wurde jemand mit 116 km/h geblitzt und vor einer Grundschule in Tegel schaffte ein Raser auf einer 30er-Strecke 100 km/h.

An rund 6 950 Unfällen waren Radfahrer beteiligt. Mehr als die Hälfte der Unglücke davon wurden durch die Radfahrer selbst oder mitverursacht. Hauptursachen bei Radler-Unfällen sind Benutzung der falschen Fahrbahn, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr oder Missachtung der Vorfahrt. Unfallschwerpunkte für Radfahrer sind etwa das Kottbusser Tor in Kreuzberg, die Müller-, Ecke Seestraße in Wedding oder auch die Ostseestraße, Ecke Prenzlauer Allee, Prenzlauer Promenade.

Krömer: Geldstrafen eigentlich zu niedrig

Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) sagte, zahlreiche Kontrollen durch die Polizei seien weiterhin wichtig. „Ich persönlich finde die Geldstrafen im Vergleich zu anderen Ländern viel zu niedrig.“ Von Autofahrer-Abzocke könne keine Rede sein, so Krömer. „Eine Geldstrafe kann jeder vermeiden, wenn er sich an die Vorschriften hält.“