Ein Regionalexpress im Bahnhof Berlin Friedrichstraße. Noch fahren die Züge ohne Einschränkungen.
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BerlinBahnen und Busse, das war einmal – zumindest in Slowenien. Dort ist der gesamte öffentliche Verkehr zu Montag eingestellt worden, berichtet die Fachzeitschrift Railway Gazette. Anders die Lage in Berlin und Brandenburg: Obwohl sich das Coronavirus weiter ausbreitet und die Zahl der Fahrgäste stark gesunken ist, wurde  auch am Montag noch das gewohnte Angebot gefahren. Doch weiterhin kann niemand sagen, wie lange das noch möglich ist. Hinter den Kulissen wird an Notfallplänen gefeilt.

„So lange es nicht nötig ist, soll es keine Einschränkungen geben, und derzeit ist es nicht nötig“, bekräftigte Jan Thomsen, der Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). „Wir nehmen unsere Beförderungspflicht ernst und fahren den normalen Fahrplan“, sagte Petra Nelken, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

„Der Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg läuft bis auf Weiteres wie geplant“, teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit. Das gilt auch für Züge der Deutschen Bahn. Der Bahnverkehr nach Polen ist dagegen eingestellt worden: In Brandenburg ist vor der Oder Schluss.

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Die Länder Berlin und Brandenburg entscheiden in Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen darüber, was wann wo fährt, betonte der Verkehrsverbund. Daran habe sich im Zeichen der Corona-Krise nichts geändert. "Wir fahren, was bestellt ist - so lange das Personal da ist", so Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin. Für den Fernverkehr meldet das Bundesunternehmen Nachfragerückgänge um rund 50 Prozent. Auch die S-Bahn Berlin werde spürbar seltener genutzt als früher, sagte Kaczmarek. "Dafür sind die S-Bahnen grandios pünktlich." Momentan werden im Schnitt 98 Prozent der Fahrten als pünktlich registriert - ein Spitzenwert.  

15 -Minuten-Takt bei der U-Bahn

Allerdings bereiten sich die Verkehrsbetriebe in der Region auf den Fall vor, dass sich zahlreiche Beschäftigte  in größerem Maße mit Corona anstecken und krank melden. „Es wird mit allen Eisenbahnverkehrsunternehmen an Notfallfahrplänen gearbeitet“, so der VBB. Bei der Deutschen Bahn gibt es dem Vernehmen nach bereits konkrete Ausarbeitungen, jeweils angepasst an das Ausmaß der Personalausfälle. Der Grundsatz laute, dass stark genutzte Angebote wie auf den meisten Regionalexpresslinien so lange wie möglich in vollem Umfang erhalten bleiben, sagte ein Bahn-Mitarbeiter.

Auch bei der BVG sind die Überlegungen weit gediehen. So wäre es denkbar, dass ab einem bestimmten Level Straßenbahnen und Busse nur noch alle zehn Minuten verkehren, hieß es bei dem Landesunternehmen. Eine mögliche Variante wäre es auch, bei der U-Bahn während der Hauptverkehrszeit einen 7,5-Minuten- und zu Schwachlastzeiten einen 15-Minuten-Takt vorzusehen. Dienst- und Umlaufpläne müssten aber angepasst werden, so die BVG. Beim Bus beträgt der Vorlauf drei, bei der U-Bahn fünf Tage. Intern diskutiert wird auch, den Straßenbahnverkehr auf weniger stark frequentierten Strecken einzustellen. Dem Vernehmen nach sind die Linien 16, 18, 37 und 67 im Gespräch. Eine weitere Idee ist, zum Teil Doppeldeckerbusse durch Eindecker zu ersetzen. Das wird allerdings kontrovers gesehen - wenn die Fahrgäste enger zusammenrücken, kann das Virus leichter übertragen werden.

Bis solche Einschnitte nötig würden, wären zudem mildere Mittel möglich. So lange Schulen geschlossen sind, könnten Zusatzfahrten für den Schülerverkehr entbehrlich werden, hieß es bei der BVG. Weil der Luftverkehr immer weiter zurückgeht, wäre eine Ausdünnung des Busverkehrs zum Flughafen Tegel möglich. In jedem Fall sei es so: Der Senat entscheidet.

Wie berichtet werden in BVG-Linienbussen seit Donnerstag keine Fahrscheine mehr verkauft. Fahrgäste dürfen nicht mehr vorn einsteigen, rot-weiße Flatterbände sperren die Fahrerbereiche ab. Beim Regiobus Potsdam-Mittelmark wurde eine andere Lösung gewählt. Um es Fahrgästen zu ersparen, die Haltewunschknöpfe zu berühren, halten die Busse an jeder Haltestelle auch ohne Signal, teilte das Unternehmen mit. Zudem werde bei jedem Stopp die erste (vordere) und zwei Bustür geöffnet. Das soll dazu beitragen, die Busse zu lüften. Es verhindere auch, dass Fahrgäste an einer Tür aneinander vorbei laufen müssen und dort miteinander in Kontakt kommen.  Fahrgäste mit Zeitfahrkarten dürfen an jeder Tür einsteigen, hieß es. 

Taxifahrer übernehmen Einkauf in Laden und Apotheke 

Berlins Taxifahrer bieten ihre Hilfe an. „Besonders für Senioren und Menschen die sich nicht selbst versorgen können, sind wir da – beispielsweise mit unserem Einkaufsservice, denn wir sind überall in der Stadt unterwegs“, sagte Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin. „Einfach die 030 202020 wählen und einen überschaubaren Einkaufszettel hinterlassen. Schwere Dinge wie Wasser, H-Milch oder Säfte werden dann kurzfristig ins Haus geliefert“ – ohne Aufpreis fürs Einkaufen.  Auch Besorgungen bei der Apotheke sind möglich.

Zudem übernehme die Taxibranche in diesen Tagen auch verstärkt Fahrten zu Ärzten für diejenigen, die Busse und Bahnen meiden wollen, hieß es. „Gerade jetzt werden die Taxis penibel gereinigt, um dem Corona-Virus möglichst wenig Übertragungsmöglichkeiten zu geben. Die Ansteckungsgefahr im Taxi ist damit geringer als in den größeren Fahrzeugen auf Schienen oder Straßen mit deutlich mehr Passagieren“, betonte Waldner.

Er fügte hinzu: „Die Branche leidet durch den Corona-Virus derzeit unter massiven Umsatzeinbrüchen von bis zu 80 Prozent. Freie Kapazitäten haben wir dadurch mehr als genug“.