Von ihrem Büro im zwölften Stock am Hardenbergplatz hat Susanne Henckel eine gute Aussicht auf die Stadt. Die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) und ihr Team befassen sich aber auch mit Dingen, die sich hinter dem Horizont abspielen. So wird in Hessen ein elektronischer Tarif erprobt, bei dem Fahrten mit Regional-, S- und U-Bahn auch in Städten kilometergenau abgerechnet werden. Lange Fahrten kosten mehr, kurze Fahrten weniger Geld. Könnte ein Tarif wie RMV Smart in Berlin sinnvoll sein? Das soll getestet werden. Im VBB wird auch über weitere Neuerungen nachgedacht.

Mit was für einer Fahrkarte kommen Sie tagtäglich zur Arbeit?

Normalerweise fahre ich mit dem Rad. Für den Fall, dass das Wetter schlecht ist, habe ich eine Monatskarte Berlin AB.

Hatten Sie schon einmal Probleme mit Tarifen und Kontrolleuren?

Vor Kurzem habe ich mir zu einem Brandenburg-Berlin-Ticket einen Erste-Klasse-Zuschlag des VBB gekauft. Aber im Zug sagte man mir, dass eine solche Kombination nicht möglich ist – und dass ich das wissen müsste. Ich habe mich selbst ausgetrickst. Gut, wenn man sich auch als Geschäftsführerin immer mal wieder mit Fahrkartenautomaten beschäftigt.

Im Koalitionsvertrag steht, dass die Tarife eingefroren werden. Wird 2018 auf eine Tariferhöhung verzichtet?

Für die Entwicklung unserer Fahrpreise haben wir seit drei Jahren ein festgelegtes Verfahren. Ein Index bestimmt, ob und in welchem Maße die Tarife steigen. Er errechnet sich daraus, wie sich die Lebenshaltungs-, Strom- und Kraftstoffkosten in den vorangegangenen fünf Jahren entwickelt haben. Weil die Inflationsrate gering und zum Teil sogar rückläufig war, liegt der Index in diesem Jahr nahe Null.

Heißt das, dass die Fahrpreise in Berlin und Brandenburg im kommenden Jahr nicht verändert werden?

Richtig. Wir werden im dritten Quartal 2017 unserem Aufsichtsrat eine Beschlussempfehlung vorlegen. Nach dem jetzigen Stand wird sie so aussehen: 2018 wird es in Berlin und Brandenburg keine Fahrpreiserhöhung geben. Die Tarife werden zum 1. Januar nicht steigen.

Wird es 2018 trotzdem Änderungen geben, zum Beispiel neue Fahrscheinarten oder Vergünstigungen?

Da sind wir mitten im Arbeitsprozess. Unser System sieht vor, dass wir den VBB-Tarif ständig weiterentwickeln, weil Gerechtigkeit, Transparenz und Modernität wichtig sind. Deshalb braucht es auch immer wieder Anpassungen und neue Produkte. Wie zum Beispiel die Vier-Fahrten-Karte in den kreisfreien Städten, das VBB-Abo 65 vor Ort oder dass man jetzt bis zu drei Kinder auf der Tageskarte mitnehmen kann – das sind Neuerungen seit Januar, die übrigens gut angenommen werden. Und dann steht zum 1. Juli die Preissenkung beim Berlin-Ticket S an. Statt 36 Euro kostet es nur noch 27,50 Euro. Wir schauen uns auch die Entwicklung in Deutschland an. Alles wird digitaler. Deshalb fragen wir uns: Wird es auch im VBB-Gebiet irgendwann einen elektronischen Tarif geben? Erfolgt die Fahrpreisbildung digital?

Was heißt das konkret?

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der Frankfurt am Main und große Teile von Hessen umfasst, erprobt einen solchen Tarif, den RMV Smart. Für die Testteilnehmer gibt es keine Tarifbereiche mit festen Grenzen mehr, für sie werden die Fahrpreise elektronisch kilometergenau berechnet. Es gibt einen Grundpreis, hinzukommen je nach Verkehrsmittel unterschiedliche entfernungsabhängige Preise. In der Summe kann das teurer sein als der bestehende klassische Flächenzonentarif, der weiter besteht. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr startet demnächst ein ähnliches Pilotprojekt, andere Verkehrsverbünde haben so etwas in Vorbereitung. Der RMV weitet das System gerade aus.