Es ist ein kompliziertes, aber sicheres Projekt. Bei der Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 in Mitte gab es seit 303 Tagen keinen Arbeitsunfall mehr, hieß es am Mittwoch auf dem Schwarzen Brett der Baufirma Implenia. Am selben Tag wurde bekannt, dass es weitere Sicherheitsvorkehrungen gibt – unter der Straße Unter den Linden.

Damit dort der Boden stabil bleibt, wenn die Tunnelbohrmaschine voraussichtlich im September ihr Ziel erreicht und die zweite Röhre fertig stellt, soll er zusätzlich vereist werden. „Geplant ist, den unterirdischen Eisblock, den es in diesem Bereich gibt, zu vergrößern“, sagte Jörg Seegers, Geschäftsführer Technik der Projektrealisierungs GmbH U 5.

Dies gehört zu dem Havariekonzept, das ein Gutachter empfohlen hatte, nachdem 2014 vor der Russischen Botschaft plötzlich Wasser und Schlamm in die unterirdische Baustelle eingedrungen waren. Er war für das gerichtliche Beweissicherungsverfahren tätig, auf das sich die BVG und Implenia geeinigt hatten. Wie berichtet stellte er fest, dass das Unglück größtenteils im BVG-Verantwortungsbereich liegt.

Kostenerhöhung möglich

Eine unterirdische Wand, die Jahre zuvor beim Bau des benachbarten U-Bahnhofs Brandenburger Tor entstanden war, spielte offenbar die Schlüsselrolle. Sie weist Mängel auf. Darum kam der Boden ins Rutschen, nachdem der Tunnelbohrer die Wand durchfahren hatte, um die erste Röhre fertigzustellen. Die Havarie soll sich nicht wiederholen, wenn sich „Bärlinde“ bald erneut in diesem Bereich bewegt – um die zweite Tunnelröhre zu vollenden.

Mit welcher einstelligen Millionensumme diese Havarie das Projekt U 5 belasten wird, steht bisher nicht fest. Klar ist, dass beides in der bisherigen Kalkulation noch nicht berücksichtigt werden konnte. Das liegt daran, dass die Rechnung, in der die Gesamtkosten der U-Bahn-Verlängerung auf 525 Millionen Euro veranschlagt werden, von 2013 stammt. Auch die Probleme mit dem Grundwasser, die beim Bau des U-Bahnhofs Museumsinsel zusätzliche Vorkehrungen erforderten, konnten noch nicht darin eingehen.

Die 2,2 Kilometer lange Strecke, die nun entsteht, schließt die Lücke zwischen den Stationen Alexanderplatz und Brandenburger Tor. 2020 soll die erste U-Bahn fahren, bekräftigte Seegers. Dann verbindet die U 5 Hönow mit dem Hauptbahnhof.