Wer in den vergangenen Wochen Unter den Linden unterwegs war, hat nichts davon gemerkt. Nicht nur oben auf der Straße rollte der Verkehr, auch im Boden darunter war ein Fahrzeug unterwegs. Jetzt hat die Tunnelbohrmaschine, die im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Verlängerung der U-Bahn-Linie U?5 in Mitte baut, ihre Reise durch den Untergrund erst einmal beendet.

Denn die Bauleute haben es geschafft: Die erste Röhre der neuen U?5 ist fertig, nur ein kurzes Anschlussstück zum Tunnel der heutigen U?55 fehlt noch. „Die Maschine muss nur noch wenige Meter zurücklegen“, sagte Gesamtprojektleiter Jörg Seegers.

Vor einem Jahr war die Tunnelbohrmaschine, die auf den Namen „Bärlinde“ getauft worden ist, auf dem Marx-Engels-Forum am Nikolaiviertel zu ihrer 1620 Meter weiten Fahrt aufgebrochen. Betonring für Betonring entstand die erste Tunnelröhre der Neubautrasse. Frühestens Ende 2019 wird die U?5 als neue Ost-West-Verbindung Hönow mit dem Hauptbahnhof verbinden.

Monatelanger Rückstand

Es gab Verzögerungen, aus Sicherheitsgründen pausierte „Bärlinde“ nach 427 Meter Strecke monatelang. Kurz bevor sie sich im März wieder in Bewegung setzte, betrug der Rückstand nach Informationen der Berliner Zeitung 221 Tage. Doch einen Teil konnte sie wettmachen. „Wo das möglich war, fuhren wir maximales Tempo“, sagte Seegers.

Am Freitag stand „Bärlinde“ erneut still, diesmal wurden Werkzeuge kontrolliert. Doch schon bald soll sie sich noch einmal kurz in Bewegung setzen, um eine Wand, die eine Baugrube sichert, zu durchstoßen. Dann ist „Bärlinde“ am Ziel.

Der U-Bahnhof Brandenburger Tor ist nebenan. Dessen Wand wird aber erst später durchstoßen. Als Nächstes steht die Bohrung der zweiten Tunnelröhre auf dem Plan. In den kommenden drei Monaten wird die Bohrmaschine demontiert und durch die Röhre zum Marx-Engels-Forum zurückgebracht. Von dort aus wird sie mit einem neuen Schneidrad wieder starten. Seegers: „Mitte Oktober soll es losgehen.“