Berlin - Den Ermittlern der Berliner Mordkommission läuft die Zeit im Fall Rebecca davon. Als Hauptverdächtiger gilt für sie nach wie vor Florian R., der Schwager der seit über drei Wochen vermissten 15-Jährigen. Der Mann beteuert nach wie vor seine Unschuld, auch gegenüber dieser Zeitung hatte er kurz vor seiner Festnahme gesagt: "Ich habe damit nichts zu tun.".

Nun hat seine Anwältin (eine frühere Polizistin) Haftbeschwerde eingelegt. Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es  nicht. Vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß es, man äußere sich nicht zu dem Stand des laufenden Verfahrens. Petra Klein, die Anwältin des Verdächtigen, dementierte gestern ausdrücklich nicht, dass sie Haftbeschwerde eingelegt habe.  Sie sagte: „Ich habe eine Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber meinem Mandanten und die nehme ich ernst“.

Die Chancen, dass R. somit bald auf freien Fuß ist, stehen gut. Denn nach der ersten Festnahme hatte ein Ermittlungsrichter angeordnet, den Schwager wieder auf freien Fuß zu setzen. Erst ein anderer Richter hatte wenig später dann doch Untersuchungshaft angeordnet.

Beweislage wird unterschiedlich bewertet

Das zeigt, dass die Beweislage, anhand derer über die Untersuchungshaft entschieden wird, in Richterkreisen sehr unterschiedlich bewertet wird. Im Unterschied zur Haftprüfung, die ebenfalls von den Anwälten Tatverdächtiger beantragt werden kann, wird über eine Haftbeschwerde zudem nicht von einem Ermittlungsrichter, sondern vom Berliner Landgericht oder sogar vom Oberlandesgericht entschieden. Eine Entscheidung dieser Gerichte hat laut Rechtsexperten ein deutlich höheres Gewicht als die eines Ermittlungsrichters.

Unterdessen sorgt ein Interview der Zeitschrift Bunte weiter für Aufsehen. Darin hatte die Mutter von Rebecca Reusch gesagt, ihre Tochter habe vor ihrem Verschwinden einen jungen Mann im Internet kennengelernt.  „Es gab da wohl tatsächlich jemanden. Einen Max oder Maxi", zitiert das Blatt die Mutter. Und weiter: „Das hatte sie mir im Januar erzählt. Sie würden sich so gut verstehen, als würden sie sich schon ewig kennen und er wolle sie demnächst besuchen kommen."

Rebecca versprach ihrer Mutter, den unbekannten Mann nicht alleine zu treffen

Sie habe ihrer Tochter gesagt, dass „sie ihn auf keinen Fall allein treffen dürfe. Entweder in Begleitung ihrer Freundinnen oder ich würde mich im Hintergrund aufhalten". Daraufhin habe ihre Tochter ihr versprochen, „jemanden mitzunehmen."

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich nicht zu den neuerlichen Aussagen der Mutter äußern. Allerdings war die Familie von Rebecca zuletzt immer wieder für ihren offenen  Umgang mit den Medien kritisiert worden.