Storkow - Bei einer großen Suchaktion hat die Berliner Polizei auf der Suche nach der vermissten 15-jährigen Rebecca weder die Leiche der Jugendlichen noch etwas anderes gefunden. Nach dem Ende des Einsatzes am Abend betonte eine Sprecherin, die Suche werde weitergehen - es sei aber noch unklar, wann und wo. Unterdessen sind bei der Polizei weitere Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall eingegangen, die Zahl erhöhte sich auf rund 700.

Bei der Suche nach der vermissten Rebecca ging die Polizei südöstlich von Berlin einem konkreten Hinweis nach. Ein Großaufgebot der Polizei hatte am Donnerstagmittag im Storkower Ortsteil Kummersdorf (Landkreis Oder-Spree) in Brandenburg mit einer Absuche begonnen. Die Aktion wurde bis zum Einbruch der Dunkelheit beendet.

Die Polizei suchte in dem Waldstück an der Kummersdorfer Hauptstraße in Richtung Görsdorf nach der Leiche des 15-jährigen Mädchens. Die Berliner Polizei war mit 90 Einsatzkräften vor Ort, darunter auch die Ermittler der Mordkommission und Kriminaltechniker. Einige der Beamten hatten Schaufeln und Suchstangen bei sich.

Neben einem Hubschrauber waren auch vier Spürhunde im Einsatz. Der Hinweis zu dem Waldstück war nach der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" eingegangen, hieß es. Möglicherweise hatte ein Brandenburger den Renault Twingo in der Nähe des Waldes gesehen.

Auto des Verdächtigen nahe des Suchgebietes erfasst

Die Stelle, an der eine ganze Einsatzhundertschaft im Unterholz suchte, ist nur 16 Kilometer von der Autobahnbrücke auf der A12 entfernt, bei der das automatische Kennzeichenerfassungssystem der Polizei (KESY) den himbeerroten Renault Twingo erfasst hatte.

Laut Staatsanwaltschaft war der Kleinwagen, den sich der Verdächtige Florian R. und seine Lebensgefährtin teilen, am 18. Februar 2018 um 10.47 Uhr auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt/Oder gefilmt worden. Also genau an dem Tag, an dem Rebecca verschwand. Der auffällige Twingo fuhr auch am darauf folgenden Tag um 22.39 Uhr an der selben Stelle vorbei – in welche Richtung, wollte die Polizei auf Anfrage nicht sagen. Es sei durchaus möglich, dass der Fahrer des Fahrzeugs 36 Stunden lang in Brandenburg unterwegs war - und dann erst wieder zurückfuhr.

Das KESY wird in Brandenburg seit 2010 genutzt. Das System erhebt Daten zur Gefahrenabwehr und um zur Fahndung ausgeschriebene Fahrzeuge zu erkennen. Kennzeichen anderer Fahrzeuge werden gelöscht. Die gespeicherten Daten können nach einem richterlichen Beschluss erneut ausgelesen und gesichtet werden. Mit Hilfe dieses Gerätes haben die Ermittler den Druck auf den 27-jährigen Schwager von Rebecca erhöht. Laut Chefermittler Michael Hoffmann passen die beiden erfassten Fahrten nicht mit der Version überein, die Florian R. in den Vernehmungen erzählte.

Während die Suche nach Rebecca auf Hochtouren läuft, hat die Vereinigung Berliner Straftverteitiger e. V. die Ermittlungsbehörden kritisiert, wie sie den Vermisstenfall in die Öffentlichkeit tragen. "Wir fordern die Presse auf, die mediale Vorverurteilung des Tatverdächtigen im Fall des verschwundenen Mädchens genauso einzustellen wie wir die Strafverfolgungsbehörden auffordern, die Durchstechereien nicht nur zu stoppen, sondern aktiv dem Eindruck entgegenzuwirken, das mediale Treiben sei für sie tolerabel", sagt Vorstandsmitglied Cäcilia Rennert. Die Unschuldsvermutung des Verdächtigen werde mit Füßen getreten, so Rennert. (mit dpa)