Berlin - Am Freitagmittag kommt die Spurensicherung. Die Ermittler durchsuchen das Einfamilienhaus am Maurerweg in Neukölln, Kriminaltechniker sichern Spuren.

Als sie beginnen, sitzt Florian R. bereits seit 24 Stunden bei der Polizei und wird vernommen. Als sie fertig sind, muss er wieder freigelassen werden. Noch bei den Vernehmungen erhärtete sich der Verdacht, dass Florian R. etwas mit dem Verschwinden der 15-jährigen Rebecca zu tun haben könnte. Ihr Fall sorgt inzwischen deutschlandweit für Schlagzeilen.

Laut Polizei gab es Widersprüche zwischen den Angaben, die Florian R. machte und den neusten Ermittlungsergebnissen. Doch der Ermittlungsrichter sah keinen dringenden Tatverdacht.  

Fall der vermissten Rebecca erinnert an Georgine Krüger

Der 27-jährige Florian R. ist der Freund von Rebeccas älterer Schwester. Als die Ermittler am Freitag deren Haus durchsuchten, war die Jugendliche bereits seit zwölf Tagen verschwunden. Zunächst hatten die Polizisten gedacht, dass sie es mit einem dieser vielen Fälle zu tun hätten, in denen Jugendliche von zu Hause abhauen und dann wiederkommen. 2017 zum Beispiel verschwanden in Berlin 1442 Kinder und 4549 Jugendliche. Die allermeisten kamen wieder nach Hause.

Doch dieser Fall liegt anders. Nach vier Tagen verstärkte sich der Verdacht, dass Rebecca „Opfer einer Straftat“ wurde, wie es die Polizei formulierte. Denn die Eltern beschreiben ihre Tochter als zuverlässig. Sie sei noch nie von zu Hause weggelaufen. Deshalb übernahm die Mordkommission. „Da es nach wie vor keinerlei Lebenszeichen von der Vermissten gibt, ist inzwischen davon auszugehen, dass Rebecca Opfer eines Tötungsdeliktes wurde“, sagte ein Polizeisprecher am Freitagabend. 

Der Fall Rebecca erinnert an jene verstörenden Fälle, in denen Kinder und Jugendliche seit vielen Jahren vermisst werden. An Manuel Schadwald etwa. Der Zwölfjährige aus Tempelhof verließ am 24. Juli 1993 die Wohnung der Eltern, um zum Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide zu fahren. Dort kam er nie an. Bis heute fehlt von ihm jede Spur.

Oder Sandra Wißmann aus Neukölln. Sie wird seit mehr als 18 Jahren vermisst. Am 28. November 2000 hatte sich die damals Zwölfjährige von ihrer Mutter am Kottbusser Damm verabschiedet, um kurz ein Geschenk zu kaufen. Auch von ihr fehlt bis heute jede Spur.

Viele denken auch an Georgine Krüger. Die 14-Jährige verschwand am 25. September 2006 in Moabit, als sie auf dem Heimweg von der Schule war. Seit Ende Dezember vergangenen Jahres herrscht traurige Gewissheit. Die Polizei nahm einen 43-jährigen dreifachen Familienvater fest, einen Nachbarn. Er gab gegenüber einem verdeckten Ermittler zu, das Mädchen aus sexuellen Motiven in seinen Keller gelockt und dann getötet haben. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Georgines Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Bisher rekonstruieren die Mordermittler die entscheidenden drei Stunden in der Nacht zum 18. Februar so:

Die Polizei bekam inzwischen heraus, dass Rebeccas Handy am frühen Montagmorgen im WLAN-Netz des Hauses ihres Schwagers eingeloggt war. Um 8.30 Uhr muss es noch angeschaltet gewesen sein. Denn Rebeccas Mutter schickte da noch eine WhatsApp-Nachricht an ihre Tochter. Die Familie konnte sehen, dass die Nachricht zwar auf dem Handy ankam, jedoch nicht geöffnet wurde. Seitdem ist das Handy ausgeschaltet, und die Polizei kann es nicht orten.