Berlin - Heute geht es mal wieder um Sprache. Ein Leser fragte mich, was das Wort „Mopke“ bedeute. Es sei ihm bei einer Wanderung am Storkower Kanal begegnet. Dort habe man einst Treidelwege angelegt. Das sind Wege, auf denen Menschen oder Pferde unterwegs waren, um die Kähne zu ziehen. In einer Darstellung heißt es, die befestigten, teilweise gepflasterten Wege bildeten „eine schmale Mopke“.

„Mopke“– ist das ein verschollenes Berliner Wort? Es klingt sehr heimisch, wie „Steppke“, „Wuppke“, „Raffke“ und „Konnopke“. Aber es steht in keinem Berliner Wörterbuch. Also musste ich woanders suchen. Ich fand es in einer Darstellung über Sanssouci in Potsdam. Denn das dortige Neue Palais besitzt auch „eine Mopke“. So nennt sich der „Fest- und Exerzierplatz“, der im 18. Jahrhundert nach holländischem Muster gepflastert wurde, und zwar mit aufrecht gestellten Ziegeln.

Etwa zur selben Zeit entstand auch der Treidelweg – die Mopke – am Storkower Kanal: auf gleiche Art gebaut, unter holländischer Anleitung. Eine Zeitung schrieb sogar, dass „Mopke“ auf Holländisch einfach „Ziegel“ bedeute. Hätte sich das Wort im Berlinischen durchgesetzt, würde es beim Hausbau heute vielleicht heißen: „Schmeiß mal’n paar Mopke rüba!“

Doch so einfach ist das nicht. Denn selbst Niederländer scheinen das Wort heute nicht mehr zu kennen. Eine Freundin aus Amsterdam sagt, sie kenne „Mopke“ nur als Kosewort, ähnlich „Schatz“, als Begriff für einen Witz oder ein gebackenes Plätzchen. So wurde also aus dem gebrannten Ziegel ein angebrannter Keks.

Ich suchte weiter und fand Einträge aus einem Baulehrbuch von 1821. Darin steht: „Die Holländer unterscheiden Moppen und Steine.“ Moppen waren wohl ganz besondere Ziegel, die sich von Festigkeit und Größe her gut für Pflasterungen eigneten. Und der Name „Mopke“ soll durch die Verbindung der Moppen mit „Mopje“ (Melodie) entstanden sein. Vielleicht, weil beim Marschieren in Sanssouci so viel getrommelt und gepfiffen wurde.

Jedenfalls gibt es heute noch immer ein „Mopke-Format“ für Ziegel: etwa 23 mal 11 mal 6 Zentimeter. Und eine Brandenburger Manufaktur bietet „Mopke Ziegelpflaster gelb rosé“ an: konkret für Sanierungen in Sanssouci. 

Und weil das alles so hoch speziell ist, haben die Berliner die „Mopke“ links liegen lassen und nutzen für Steine lieber ein schönes, universelles Wort: die „Klamotte“. Es lässt sich überall einsetzen: „Pass uff, da liejen Klamotten!“ (für Steine) – „Nimm deine Klamotten und hau ab!“ (für Kleidung) – „Dit is ja ’ne olle Klamotte!“ (für alte, derbe Filme und Theaterstücke).

Die „Klamotte“ soll übrigens aus dem Rotwelsch kommen, der Sprache der Gauner und der Landstraße. Daher stammen auch: „abkaspern“, „Polente“, „Kittchen“, „Moos“ (für Geld), „sich aalen“, „malochen“, „ausjekocht“, „schoflig“, „abzocken“ oder „abjebrannt“. Vieles hat übrigens jiddische und hebräische Wurzeln. Es hängt eben vom Zufall ab, was am Ende in der Sprache so hängenbleibt. Und so überdauern manchmal sogar Ziegel ihren Namen.