Die Frau aus Altglienicke war verärgert, das wurde bald deutlich. „Immer wieder fällt die S 45 aus“, klagte sie aufgebracht. „An manchen Tagen bin ich anderthalb Stunden unterwegs, um von Halensee nach der Arbeit nach Hause zu kommen.“ Um ihren Frust loszuwerden, war die Kundin ins Werk Schöneweide gekommen, wo sich S-Bahn-Chef Peter Buchner Fahrgastfragen stellte.

Es sei leider so, dass auf dieser Strecke nach Schönefeld öfters Fahrten ausfallen, bestätigte Buchner. „Ich finde das genauso ärgerlich wie sie.“ Doch nicht nur auf der S 45 gebe es Probleme mit der Betriebsqualität. Seit vergangenem Sommer habe die S-Bahn lediglich in zwei Monaten die geforderte Pünktlichkeitsquote erreicht. „Das ist unbefriedigend“, so der S-Bahn-Chef.

Die Vorgabe ist klar: Mindestens 96 Prozent der Fahrten müssen als pünktlich registriert werden. Doch nur im August des vergangenen Jahres und im Februar dieses Jahres lag die Quote über diesem Wert. Im Juli, so die jüngste Zahl, betrug sie 90,17 Prozent. Das ärgert nicht nur die S-Bahn-Fahrgäste, die länger unterwegs sind als erwartet. Es wirkt sich auch schmerzlich in der S-Bahn-Bilanz aus. Denn für solche Leistungen bekommt das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) weniger Geld von den Ländern.

Mehr Fahrten auf dem Ring

„Es gibt viele Faktoren“, erklärte Buchner, den der Fahrgastverband IGEB eingeladen hatte. Nach wie vor seien Züge knapp. Dafür gebe es immer mehr „Eingriffe Dritter“ – dazu werden Notarzt- oder Polizeieinsätze am Gleis gezählt. Kürzlich stand der Verkehr im Zentrum eine Stunde still, weil ein herrenloser Koffer gefunden worden war. Auch Weichen- und Signalausfälle bringen vieles durcheinander: „Die Infrastrukturstörungen nehmen zu.“

Auf dem Ring wirken sich solche Beeinträchtigungen besonders heftig aus, weil dort viele Fahrgäste unterwegs sind. „Er ist ein schwieriges Geschäft und eine echte Herausforderung“, gestand Buchner ein. „Die Fahrzeiten sind straff“ – pro Kreisfahrt könnten die Züge maximal zwei Minuten aufholen. Nicht selten bleibe nichts anderes übrig, als S-Bahnen eine Runde aussetzen zu lassen. „Wir müssen mit Teilausfällen leben“, hieß es. Wohl erst 2017 werde es zwischen Tempelhof und Südkreuz eine Kehranlage geben, die flexiblere Lösungen erlaubt.

In der Transportleitung wurde bereits gehandelt: Um bei Problemen zügig reagieren zu können, befasst sich neuerdings ein Disponent ausschließlich mit dem Ring. Und bei dem internen Projekt zur Verbesserung der Betriebsqualität hat der Ring Vorrang, sagte Buchner.

Den mehr als 150 Fahrgästen im Saal hatte der S-Bahn-Chef auch gute Nachrichten mitgebracht. So werde das Angebot zum Fahrplanwechsel im Dezember verbessert.

Auf dem Ring wird der Fünf-Minuten-Takt ausgedehnt – bis 10.30 Uhr, auf der S 41 auch bis 20.30 Uhr. Nachdem die Strecke bei Hegermühle ausgebaut worden ist, fährt die S 5 alle 20 Minuten nach Strausberg Nord – bislang war nur ein 40-Minuten-Takt möglich. Auch für die Stadtbahn, die von Ost nach West durch das Zentrum führt, haben die Länder mehr Fahrten bestellt. Auf der Linie S 75 wird der Zehn-Minuten-Takt sonntags bis Westkreuz ausgedehnt. „Dann fällt die letzte Taktlücke weg“, teilte Buchner mit.